1933-1945 │ Der NS-Totalitarismus
Klaus A.E. Weber
NS-Gewaltherrschaft - demokratisch gewählt
Totalitarismus
In einem Interview spricht KREIKEBAUM [1] mit dem Totalitarismusforscher Jörg Ganzenmüller über den AfD-Bundesparteitag am 04. Juli 2026 in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt - exakt 100 Jahre nach dem NSDAP-Parteitag in der thüringischen Landeshauptstadt Weimar, der eng mit dem Aufstieg von Adolf Hitler und der NSDAP verbunden ist.
„Die rhetorischen Parallelen der AfD und der völkischen Bewegung der 1920er Jahre sind zu wenig im öffentlichen Bewusstsein, sodass die Bezüge oft nicht erkannt werden und Formulierungen mitunter sogar übernommen werden.“
֍ Als der Reichstag brannte
ARTE F 2022 │ Sendung am 30. Juni 2026
„Vor 90 Jahren, in der Nacht vom 27. Februar zum 28. Februar 1933 steht der Reichstag in Flammen – und mit ihm die deutsche Demokratie.
Der Brand dient Hitler, der einen Monat zuvor zum Reichskanzler ernannt worden war, als Vorwand für die Errichtung einer Diktatur.
Binnen Stunden werden Tausende Oppositionelle interniert.
Doch wer war für den Reichstagsbrand verantwortlich?
Im Jahr 1928 steht Deutschland am Rande eines Bürgerkriegs.
Kommunisten und Nationalsozialisten liefern sich Kämpfe auf den Straßen und an den Wahlurnen, um die Mehrheit im Reichstag zu erlangen.
Wahl um Wahl erobern Adolf Hitler und seine Partei die politische Landschaft, während seine Braunhemden bei politischen Gegnern Angst und Schrecken verbreiten.
Am 30. Januar 1933 wird Hitler dank einer wackeligen Koalition mit der nationalkonservativen DNVP Reichskanzler.
Kurz darauf sorgt das Gerücht eines bevorstehenden Staatsstreichs für zusätzliche Verunsicherung.
Am 27. Februar 1933 werden mit dem Brand des Reichstagsgebäudes alle Befürchtungen wahr.
In dem brennenden Gebäude wird ein Mann aufgegriffen: der 24-jährige arbeitslose Niederländer Marinus van der Lubbe, der als Kommunist gilt – in den Augen der Nationalsozialisten ein Bilderbuchtäter.
Der Vorwand ist gefunden, über Nacht Tausende Oppositionelle zu verhaften und in den ersten nationalsozialistischen Konzentrationslagern zu internieren.
Darunter befinden sich auch drei bulgarische ‚Agitatoren‘ und der Fraktionsvorsitzende der Kommunisten im Reichstag, die zu Komplizen des jungen Niederländers erklärt werden.
Binnen weniger Wochen wird Deutschland zur Diktatur:
Der Kanzler erhält die volle Macht, während seine Milizen auf den Straßen im Namen der Partei Terror verbreiten.
Außerhalb Deutschlands organisiert sich Widerstand:
Die Kommunisten beschuldigen ihrerseits Goebbels, Göring beziehungsweise die SA, den Brand gelegt zu haben.
Die Nationalsozialisten reagieren mit einem Schauprozess gegen die mutmaßlichen Reichstagsbrandstifter.
Drei Monate lang werden alle Verhandlungen aufgezeichnet.
Mehr als 200 Zeugen und Sachverständige treten unter strenger Kontrolle der Propaganda in den Zeugenstand.
Die Schuld von Marinus van der Lubbe scheint außer Zweifel zu stehen …“
Berlin 1933 - Tagebuch einer Großstadt
RBB 2022 │ Sendung am 30. Juni 2026
„Aus Berlin, der vibrierenden Metropole der Weimarer Republik, wurde 1933 in nur wenigen Monaten die Hauptstadt des Dritten Reichs.
Die Ereignisse des Jahres werden aus den Blickwinkeln der Zeitgenossen erzählt.
Grundlage sind Tagebücher und Briefe, Bilder und Filme.
Eine Collage über das Ende einer Demokratie und den Beginn einer Diktatur, vergangen und gegenwärtig zugleich.“
֍ Teil 1
„Als das Jahr 1933 beginnt, ist Berlin eine der modernsten Städte der Welt.
Eine pulsierende Metropole, in der sich die Gegensätze aneinander reiben.
Zwölf Monate später ist von den Widersprüchen und der Vitalität nichts geblieben.
Die Stadt ist einer Partei und einem ‚Führer‘ unterworfen.
Berlinerinnen und Berliner jubeln der neuen Macht zu, ziehen sich vor ihr ins Privatleben zurück oder fliehen – wenn sie denn können – bevor sie in den Kerkern verschwinden.
Stadt und Menschen erleben einen Ritt ins Verderben – für einige Betrachter ein erhoffter Aufbruch oder nur ein kurzer Spuk, für andere das Signal zur Flucht.
Die Gesellschaft spaltet sich, der demokratische Staat wird zersetzt.
Als Adolf Hitler ohne eigene Mehrheit Reichskanzler wird, treiben er und seine Verbündeten in Politik, Industrie und Bürgertum die Spaltung voran:
Neuwahlen werden ausgerufen, Zeitungen verboten, Positionen in Staat und Verwaltung von Parteifreunden besetzt.
SA und NSDAP übernehmen den Staat und bringen noch mehr Gewalt in den Alltag.
Die zerstrittene Opposition kann der rechten Propaganda nur wenig entgegensetzen.
Bei der Neuwahl erlangt die NSDAP die Mehrheit und muss beim Ermächtigungsgesetz nur sozialdemokratische Gegenstimmen zur Kenntnis nehmen.
Abgeordnete anderer Fraktionen sind eingeschwenkt, befinden sich in Gefängnissen oder im Exil.“
֍ Teil 2
„Berlin, Ende April 1933.
Seit drei Monaten sind die Nationalsozialisten unter Adolf Hitler an der Macht.
Im März haben sie zusammen mit den Deutschnationalen unter Alfred Hugenberg knapp die Wahl zum Reichstag gewonnen.
Die Abgeordneten der KPD, der SPD und des katholischen Zentrums werden verfolgt und bedroht.
Tausende Sozialdemokraten und Kommunisten verschwinden in Gefängnissen und wilden Konzentrationslagern, andere fliehen aus dem Land, vor allem Intellektuelle – nach Prag, Paris oder Wien.
Juden erhalten Berufsverbote, ihre Geschäfte werden boykottiert, Gesetze schließen sie aus der Gesellschaft aus.
Hakenkreuzfahnen überall. Presse, Rundfunk, Film und Theater sind der Zensur unterworfen.
Nationalsozialisten gelangen an die wichtigsten Positionen im Machtapparat.
Im Mai werden die Gewerkschaften verboten, deren Anführer verhaftet.
Im Juni wird die SPD endgültig verboten.
Andere Parteien als die NSDAP werden verboten, Neugründungen nicht erlaubt.
Ein Netz von Konzentrationslagern entsteht, in denen Menschen zu Tode kommen.
Die Medien werden aus dem Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda dirigiert.
Ab Oktober wird die Reichswehr heimlich aufgerüstet.
Im November stimmen fast 90 Prozent der Wählerinnen und Wähler für die NSDAP und für den Austritt aus dem Völkerbund.
Im Dezember wird die Einheit von Staat und Partei verkündet, die Menschen auch in ihrer Freizeit kontrolliert.
Als das Jahr sich dem Ende neigt, hat sich im Deutsche Reich eine neue Realität etabliert, die Realität des Dritten Reiches – ein Gebilde aus Wahn und Gewalt, aus Terror und Propaganda.
Adolf Hitler verkündet den Anfang eines Dritten Reiches, das tausend Jahre bestehen würde.
Aus dem Spuk ist Wirklichkeit geworden, aber keine Wirklichkeit hält ewig.“
Die NS-Justiz: Recht des Unrechts
ARTE F 2023 │ Sendung am 05. Mai 2026
„Die Zerstörung der traditionellen Rechtsordnung gehört vermutlich zu den weniger bekannten und dennoch wesentlichen Zielen des NS-Staates.
Es galt, durch die Unterwerfung des Justizapparates die Vorherrschaft der "Volksgemeinschaft" über den Einzelnen zu etablieren.
Die Doku betrachtet die Werdegänge von vier Menschen, die aktiv mitwirkten oder zu Opfern wurden.
Als erbitterte Gegner des römischen Rechts, der Philosophie der Aufklärung und der von der Französischen Revolution getragenen Werte wollten sie ihre Vorstellungen von der Rolle der Justiz um jeden Preis durchsetzen.
Die Etablierung einer starken nationalsozialistischen Rechtspflege wurde zur vorrangigen Aufgabe, bildete sie doch die Grundlage der "neuen Welt", die das Tausendjährige Reich hervorbringen sollte.
Die Gleichschaltung der Justiz begann in Deutschland und zielte auf die Errichtung einer durch Blut- und Rassegesetze bestimmten Gesellschaft.
Vor der Kulisse von Fritz Langs Film "M" erzählt der Dokumentarfilm die Geschichte der radikalen Umformung der Justiz.
An vier Einzelschicksalen werden Triebkräfte und ideologische Hintergründe erforscht.
Wie gelang es Hitler und seinen Gefolgsleuten, die Rechtsordnung derart auszuhöhlen und durch die schrittweise Unterwerfung des gesamten Justizapparates die Vorherrschaft der "Volksgemeinschaft" über das Individuum durchzusetzen?
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Neben dem Werdegang des bayerischen Scharfrichters Johann Reichhart, der über 3.000 Todesurteile vollstreckte (darunter auch das der Geschwister Scholl),
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schildert die Dokumentation das Schicksal der Gerichtsreferendarin und Widerstandskämpferin Elisabeth Gloeden,
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des hochrangigen NS-Juristen und Polizeichefs Werner Best
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und des Rechtsanwalts und Nazi-Gegners Hans Litten.
In der zwölfjährigen NS-Ära (1933-1945) verhängten Hitlers Gerichte etwa 16.000 Todesurteile, weitere 30.000 wurden von Militärgerichten ausgesprochen.
Der Justizterror diente zunächst der Ausschaltung und Vernichtung des inneren Feindes und kündigte zugleich die kommenden Eroberungskriege und den Schrecken des Holocaust an.
Die Zerstörung von Recht und Justiz endete 1946 mit den Nürnberger Prozessen und der Einführung neuer internationaler Regeln.“
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[1] KREIKEBAUM 2026.