Herrschaft der Edelherren von Homburg

Klaus A.E. Weber

 

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Gesamtansicht Stadt Oldendorf unter Homburg“ 1652 nach Merian [4]

im Hintergrund die „Alte Homburg“ (F)

 

Blick auf den Homburgwald

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

In den Jahren 1126-1128 hatte Graf Siegfried IV. von Boyneburg die Homburg als Höhenburg erbauen lassen und nennt sich im Jahr 1129 erstmals in einer Urkunde „Sifridus de Homborch“ – ein Titel, den 1141 in zwei weiteren Urkunden führt.[17]

Da Siegfried IV. aber die Homburg nicht selber bewohnt, besetzt er diese mit so genannten Burgmannen, also Männern seines Vertrauens.

Die ältesten Zeugnisse zur alten Herrschaft der Homburger und insbesondere zur Siedlung Stadtoldendorf ("Aldenthorp", "Oldendorpe") sind in dem umfassenden „Urkundenbuch der Stadt Stadtoldendorf“ hinterlegt.[1][2][3]

Neben Graf Siegfried IV., dem Besitzer der Burganlage, nennen sich nach PARTISCH [X] „bald einige offenbar mit Verantwortung für die Burg betraute Burgmannen ebenfalls ‚von Homburg‘.

Wahrscheinlich hatten schon unter Siegfried die Burgmannen Bodo und Bertold die Homburg zu Lehen aus der Hand des Besitzers inne, so dass sie sich mit Einverständnis des Grafen Siegfried „Edelherren von Homburg“ nennen konnten.

Die Edelherren von Homburg waren bis zu ihrem Aussterben 1409 stets nur Lehensnehmer der Homburg, nie deren Besitzer, gewesen.“

Spätestens ab etwa 1150 war die Burg Homburg Sitz der gleichnamigen Edelherren.

Nach EGGELING [6] und RAULS [9] sind die Homburger

  • 1150 „liberi homines“, also Freiherrn

  • 1180 "Nobilis vir divina permissione, dominud in Homborch", also Edelherr von Gottes Gnaden, Herr in Homburg

Ein 2025 veröffentlichter Aufsatz von PISCHKE [1] befasst sich mit den Edelherren von Homburg und dem Ausbau der Herrschaft Homburg zwischen Weser und Leine und enthält mehrere Hinweise auf Schriftquellen und Literatur.

Wie STEPHAN [11] ausführt, benannte sich der Eigentümer von Nienover Graf Siegfried von Northeim nach der bei Stadtoldendorf liegenden Homburg, „die für diesen mächtigen sächsischen Fürsten offenbar einer seiner bedeutendsten Herrschaftsmittelpunkte war, und gründete in unmittelbarer Nähe kurz vor 1135 das Zisterzienserkloster Amelungsborn.“

Folgt man RAULS [10], so schufen die Edelherren von Homburg im Verlauf von mehr 200 Jahren durch eine zielbewusste Burgenpolitik und durch Städtegründungen ein abgerundetes Herrschaftsgebiet - mit

  • 6 Burgen

  • 3 Städten

  • ca. 100 Dörfern.

Vorübergehend hatten die Edelherren von Homburg auch die Burgen Everstein in ihrem Besitz.

 

Zum Bau der Homburg

Bei recht wechselvoller Geschichte bestand die Hauptaufgabe der herrschaftsbildenden Homburg darin, „ein befestigtes Herrschaftszentrum für die in der Gegend vorhandenen Besitzungen zu bilden“.[8]

Die Besitzer der Burg waren einst die Edelherren von Homburg, die im 13. und 14. Jahrhundert ihre Herrschaft zwischen Weser und Leine ausbauten.[7][14]

Durch die 1129 erfolgte herrschaftsstrategische Stiftung eines der mächtigsten sächsischen Adligen des 12. Jahrhunderts, des Northeimer Grafen Siegfried IV. (auch "von Homburg" (um 1095-1144)), entstand das Kloster Amelungsborn auf gräflichem Gut.

Wegen der unmittelbaren Nähe zur Burg der Grafen von Everstein ist davon auszugehen, dass die von Siegfried IV. von Northeim errichtete Homburg das auf seinem Eigenbesitz gegründete Zisterzienserkloster Amelungsborn schützen sollte und sie bis zu ihrem Aussterben Förderer des Klosters blieben.[16]

Mit Siegfried IV. starb am 17. Oktober 1144 das bedeutende Northeimer Grafenhaus aus.

Zu dessen Schutz und seiner umliegenden Besitzungen soll die etwa 102 m lange und durchschnittlich 30 m breite Homburg neu aufgebaut worden sein, bestehend aus einer Vorburg mit Brunnen, einer kleinen Hauptburg und zwei unterschiedlich starken Bergfrieden.

 

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Grundriss der 102 m langen "Hohen Burg" (Homburg) [5]

 


Burgruine Homburg │ Luftbild

© Foto: Sebastian Rustenbach, Solling-Vogler-Region im Weserbergland e. V.

 

Auf dem Bergkegel vom Großen Homburg (403 m ü. NN) im Homburgwald befindet sich, in mitten eines Gipsabbaugebietes liegend, die Ruine der mittelalterlichen "Hohen Burg".[12]

Die im 12. Jahrhundert errichtete Burg Homburg [13] wurde 1542 abgebrochen.

 

Burgruine Homburg │ Innenhof

© Foto: Karina Rustenbach, Solling-Vogler-Region im Weserbergland e. V.

 

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[1] HAUPTMEYER 2004, S. 87 f.

[2] PARTISCH 2005, Kapitel A, S. 12 ff.

[3] JARCK/SCHILDT, 2000; BIEGEL 1997.

[4] Abb. aus EGGELING 1936.

[5] EGGELING 1936, S. 289 (aus St., B. u. K. D. IV, 184).

[6] EGGELING 1936, S. 290.

[7] EGGELING 1936, S. 289-294.

[8] RAULS 1974, S. 27.

[9] RAULS 1974, S. 28.

[10] RAULS 1974, S. 34, 47.

[11] in KOCH/KÖNIG/STREICH 2015, S. 33.

[12] STEPHAN 2010, S. 106 Tafel 28a, S. 130 Abb. 53.

[13] DBU 2018, S. 101.

[14] PISCHKE 2025a.

[15] PISCHKE 2025a, S. 1-2.

[16] PISCHKE 2025a, S. 3, 16.

[17] PARTISCH 2005b.