Hethis │ 815 - mutmaßlich ein Ort im Solling
Klaus A.E. Weber

Blick von Corvey auf den Solling │ Mai 2024
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
Mißglückter Gründungsversuch im Solling
Auf Initiative des Corbier Interimsabtes Adalhard der Jüngere und mit Zustimmung des Reichstages zu Paderborn im Jahre 815 gründeten im ersten Versuch um das Jahr 816 Mönche aus dem nahe der Stadt Amiens gelegenen Kloster Corbie an der Somme (Département Somme, Picardie) an einem im Wald gelegenen Ort namens Hethis (Heth, Hetha, Hethie, Hechi) ein Mönchskloster in Sachsen.
Mit den Bau des Filialklosters wurde noch 815 in Hethis begonnen, dessen Lage im nahegelegenen Solling vermutet wird, am ehesten zwischen Neuhaus und Silberborn.
Die Missionszelle mit Klosterschule für begabte Knaben wurde mit sächsischem Besitz des nord-französischen Kloster Corbie ausgestattet.
Das Kloster Hethis gilt als erste Wirkstätte des Benediktinerordens im Weserraum und als erstes Mönchskloster in Niedersachsen.
Ein Propst ist vor 822 nachzuweisen.
Obgleich der Konvent anscheinend schnell anwuchs, erwies sich der Ort als geographisch und wirtschaftlich ungünstig, so dass das Kloster von Lieferungen aus Corbie abhängig blieb.
„Wohl hatte man für die neue Ansiedelung einen verhältnismäßig günstigen Ort ausgewählt, doch erwies sich der Boden zu unfruchtbar und das Klima zu rauh, um einer größeren Anzahl von Mönchen dauernden Aufenthalt ohne Hülfe von außerhalb gewähren zu können, und da auch die Wasserverhältnisse ungünstig sich gestalteten, so dachte man schon sehr bald daran, nach einem günstiger gelegenen Orte überzusiedeln.“[1]
„Ein fürchterliches Unwetter mit Erdbeben verbunden“ soll im Sollingwald den „Bach, an dem das Kloster stand“ verschüttet und zum Versiegen der Quelle beigetragen haben.[2]
Unter Propst Adalbert kam es um 820 wegen der Versorgungsprobleme zu Streitigkeiten zwischen den Mönchen, die schließlich in drei Gruppen unter einem jeweils eigenen Prior zerfielen.
Erste Umzugsplanungen wurden daraufhin angestellt mit dem Beschluss, das Kloster an den Weserbogen bei Höxter zu verlegen.
Nach mehr als sechsjährigem Aufenthalt verlegten im Jahr 822 die Mönche das Kloster vom "rauhen Solling" an das "liebliche Wesertal", um dort mit einen Neuanfang zu beginnen.
Bis heute ist es nicht gelungen, den Klosterstandort von Hethis eindeutig zu ermitteln, wobei fachlich mehrheitlich von einer Lage im Solling (bei Silberborn, Neuhaus oder südlich von Neuhaus) ausgegangen wird.
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[1] HANEMANN 1921, S. 2.
[2] HAASE 1922, S. 16.