Klimaschutz und Nachhaltigkeit
Museumsleitung
Das Historische Museum Hellental agiert als LandMuseum im Spannungsfeld der Dimensionen der Nachhaltigkeit – ökologisch, sozial und ökonomisch.
Eine der Hauptaufgaben des LandMuseums ist, seine Sammlungsobjekte langfristig zu bewahren und diese für künftige Generationen zugänglich zu machen.
In diesem Sinne ist das LandMuseum eine nachhaltige Kultureinrichtung.
Ökologische Nachhaltigkeit - So haben wir einfach angefangen
Gleichwohl ist sich das LandMuseum bewusst, zugleich auch zum Klimawandel durch seine, wenn eingegrenzten direkten und indirekten Treibhausgasemissionen beizutragen.
Das LandMuseum strebt dabei zu förderst an, in beiden Museumshäusern ökologisch nachhaltig und klimagerecht zu arbeiten.
So verfolgt es den Ansatz, in einem auf Dauer angelegten Prozess zur ökologischen Nachhaltigkeit und zum Klima- und Umweltschutz einen aktiven Beitrag zu leisten mit dem Ziel, in der Museumsarbeit kontinuierlich
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ressourcenschonend zu arbeiten und nachhaltig zu Bauen und zu Sanieren
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Güter und Dienstleistungen nachhaltig zu beschaffen
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Ausstellungsmobiliar wiederzuverwenden
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Außenflächen zu begrünen
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den Energie- und Ressourcenverbrauch zu reduzieren, insbesondere die CO2-Emissionen und den Wasserverbrauch
- die Aufgaben des LandMuseums in hoher Qualität weiterzuführen und sie dennoch ökologisch nachhaltig zu gestalten.
CO2-Emissionsquellen
Zu den CO2-Emissionsquellen des LandMuseums zählen im Wesentlichen
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die Museumsarbeit
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der Publikumsverkehr
- der elektrische Energieverbrauch.
Gleichwohl beide Museumshäuser keine energieintensiven Gebäude darstellen und keine Klimatisierung durch Voll- und Teilklimaanlagen aufweisen, werden klimabilanzierend CO₂e-Emissionen (CO₂-Äquivalente) erzeugt, die es nachhaltig zu reduzieren bzw. zu vermeiden gilt:
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direkte Treibhausgasemissionen: Kraftfahrzeuge
- indirekte Treibhausgasemissionen: Erzeugung und Transport von Strom / Fortbildungs- und Tagungsreisen / Objekttransporte / Anfahrtswege von Mitarbeiter*innen und der Besucher*innen / beschaffte Güter und Dienstleistungen / Abfall.
Nachhaltiges Bauen und Sanieren
Backhaus │ 2006-2007
Im Rahmen des Qualifizierungsprojektes der Kreisvolkshochschule Holzminden Umbau und Sanierung des ehemaligen Backhauses in Hellental / Dorfmuseum Hellental wurden verschiedene Einzelmaßnahmen verwirklicht.
Neben der Sicherung der alten Bausubstanz erfolgten ein nutzungsgerechter Umbau von zwei Gebäudeteilen (Wohnhaus und Mittelbau) sowie die Instandsetzung des Steinbackofens.
Ökobaustoffe und deren Wiederverwendung
Die beiden Gebäudeteile beschränkten sich in ihrer teils historischen Authentizität auf wenige Materialien.
Durch eine reflektierte Verwendung von „modernen und gängigen“ Baustoffen im Zusammenspiel der Rückbesinnung auf „materialgerechte“ Baustoffe konnte bei der Bausanierung in den Jahren 2006-2007 zum einen der späteren Nutzung, zum anderen der Denkmalpflege Rechnung getragen werden.
Die erste Etage der beiden Gebäudeteile musste grundsaniert werden.
Priorität hatte hierbei die Erhaltung der Originalsubstanz, allerdings mussten bei tragenden Fachwerkwänden und im Deckenbereich die Gefache entkernt werden, um die Tragfähigkeit der vorhandenen Hölzer sicher zu stellen.
Dabei wurde das wieder verwendbare Baumaterial (Lehmsteine, Bruchstein) gesammelt.
Im Sinne der Neukonzeptionierung der Räumlichkeiten und nach Überprüfung der vorhandenen Bausubstanz wurden die Gefache soweit möglich mit „alten“ Materialien wieder geschlossen.
Sollinghaus │ seit 2013
Das freistehende Gebäudeensemble des Sollinghauses wird seit 2013 weitgehend CO2-neutral betrieben.
Die bauliche Sanierung und Umgestaltung des 2013 erworbenen historischen Gebäudeensembles war eng verknüpft mit seiner inhaltlichen und strukturellen Erneuerung als Museumshaus zur regionalen Alltagskultur.
Hierzu zählte auch die Sanierung der Außenfassaden.
Der Umgang mit dem umgewidmeten Gebäudeensemble setzte im Sinne eines ökologisch nachhaltigen Handelns bei der umfangreichen Sanierung auf nachwachsende, regionale Baumaterialien.
Bei den vorgefundenen, teils langlebigen Roh- und Baustoffen galt es museumsspezifische Nutzungsanforderungen zu berücksichtigen.
Revitalisierung eines kulturellen Erbes
Vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Nachhaltigkeitsdebatte zeichnet sich das Gebäudeensemble des Sollinghauses durch Langlebigkeit sowie durch Reparatur- und Wartungsfähigkeit aus, verbunden mit einer positiven Ökobilanz und Ressourcenschonung.
Die bauliche Sanierung und Umgestaltung des Wohnhauses und der Tenne war eng verknüpft mit deren inhaltlichen und strukturellen Erneuerung als Museumshaus.
Das zu einem Museumshaus umgewidmete Gebäudeensemble setzte im nachhaltigen Umgang mit dem regionalen kulturellen Erbe bei der umfangreichen Sanierung auf nachwachsende, möglichst natürliche und regionale Baumaterialien sowie auf den sorgfältigen Einsatz traditioneller handwerklicher Techniken von Handwerker*innen der Region.
So wurden auch unter glasgeschichtlichem Aspekt beispielsweise die alten, nach außen zu öffnenden Holzflügelfenster mit durch Holzsprossen unterteilter Originalverglasung (einfachverglaste Sprossenfenster) des Wohnhauses von 1884 als historische Bauteile restauriert und wiederverwendet.
Ohnehin gelten nach außen zu öffnende Fenster symbolisch als das „Sich-nach-außen-Öffnen“, was den öffentlichen Museumscharakter des Sollinghauses deutlich unterstreicht.
Ökobaustoffe und deren Wiederverwendung
Zur Verwendung kamen vorgefundene Roh- und Baustoffe (Wiederverwendung) und regionale natürliche Materialien, wie der in der Sollingregion nachwachsende Rohstoff Holz, wie auch langlebige Produkte, die wiederverwendet, umfunktioniert, repariert oder vollständig recycelt werden können:
Baukalk
- Putze und Anstriche im Innenbereich
Eichen- oder Nadelholz
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tragende Fachwerkkonstruktion und Lehmausfachung
- Bauelemente, wie Dachstuhl, Treppen, Fußbodenbeläge, Klappen, Fassadenverkleidung, Fensterrahmen, Türen und Tore
Glas
- ·Fensterglas und Glasbausteine
Lehm
- ·Wände und Decken
Leinölfarbe
- Holzschutz im Außen- und Innenbereich
Mauerziegel │ robuste und beständige Backsteine
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Mauerwerksbau und Gefachausmauerung
- Hausschornsteine
Solling-Buntsandstein
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·Sockelmauerwerk │ Wandbehang und Fußbodenbelag
- ·die ursprüngliche traditionelle Dacheindeckung aus „Sollingplatten" wurde in den 1980er Jahre durch moderne Betondachsteine „Frankfurter Pfanne" der Firma Braas Dachsystem ersetzt
Stroh
- Zuschlag für Lehm
Klimarelevante Sanierungsaspekte
Unter Berücksichtigung der historischen Bausubstanz werden der Energie- und Ressourcenverbrauch sowie die CO2-Emission des Gebäudeensembles minimiert.
Dabei dient im Rahmen einer naturnahen Sanierung die teils großflächige Holzverbauung als CO2-Specher.
Die ressourcenschonende Wiederverwendung der alten Flügelfenster mit Originalverglasung (Sprossenfenster) erfolgte in Kombination mit den vorgefundenen neuen Fenstern des Wohnhauses.
So wurden wärmespeichernd die vormals vorhandenen „neuen" Fenster ohne Sprossen innenseitig eingebaut, so dass quasi doppelverglaste Fenster aufgebaut werden konnten.
Die traditionelle Beheizung des Kücheneinzelofens und der beiden Kachelöfen mit fossilen Energieträgern (Kohle) und Holz wurde durch deren Stilllegung eingestellt.
Zudem wurden, nicht zuletzt auch aus Sicherheitsgründen bei Extremwetterereignissen, im Juli 2022 die beiden unter der Verkleidung „abgewirtschafteten“ Köpfe der stillgelegten Hausschornsteine fachgerecht entfernt und zurückgebaut.
Die in der ersten Etage vorhandenen elektrischen Speicherheizgeräte (Wärmespeicher elthermat®) werden beibehalten und unter Temperaturkontrolle nur bedarfsweise eingeschaltet:
- zugekaufte Energie in Form von Heizstrom, bislang kein ausschließliches Ökostromprodukt.
Museumsspezifische Maßnahmen
Begrünung von Außenflächen
Zum Außenbereich des Sollinghauses gehören zwei begrünte Freiflächen von insgesamt rund 360 m². Jede neue Bepflanzung der Außenflächen erfolgt mit einheimischen, an den Standort angepassten Pflanzenarten.
CO₂e-Einsparpotenzial
Im Sollinghaus kommen keine fossilen Brennstoffe oder Holz zum Einsatz.
Die Raumbeheizung erfolgt ausschließlich elektrisch.
Auch im Backhaus werden keine fossilen Brennstoffe eingesetzt.
Örtliches Buchenholz wird an den ausgewählten öffentlichen Brotbacktagen zum Aufheizen des Museumsbackofens verwendet.
Energieverbrauch minimieren
In den beiden Gebäuden des LandMuseums besteht keine Museumsklimatisierung durch Errichtung einer Voll- und Teilklimaanlage (raumlufttechnische Anlage), nicht zuletzt auch aufgrund der Machbarkeit, der historischen Bausubstanz, der Wartungserfordernis und der Finanzierbarkeit.
Das Museum verfügt nicht über eine IT-Infrastruktur.
Museumsspezifische Maßnahmen zur Energieeinsparung sind
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Notwendigkeit zur Energieeinsparung zu sensibilisieren
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vorhandene Sonnenschutzeinrichtungen bei Beginn der Sonneneinstrahlung geschlossen zu halten
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wo es möglich ist, die Raumtemperatur abzusenken
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Beleuchtung und sonstige Wärme abgebende Geräte abzuschalten
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Lüften als Stoßlüften (kurzfristiges Öffnen des gesamten Fensters) erfolgen zu lassen
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Geräteeinstellungen zu kontrollieren
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alle technischen Geräte bei Nichtnutzung auszuschalten und nur dann einschalten, wenn sie benutzt werden
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das repräsentative Anstrahlen des Backhauses zu minimieren
- weiter schrittweise auf eine energiesparende Beleuchtungstechnik umzustellen.
Die Beachtung der Energieeinsparmaßnahmen führte bereits zur Senkung von Betriebskosten.
So ergab die Absenkung der Raumtemperatur im Sollinghaus im Zeitraum 2022/2023 eine Energieeinsparung von rund 30 % gegenüber den Jahren 2020/2021.
Wasserverbrauch minimieren
Das nachhaltige Wassermanagement des LandMuseums umfasst
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sensibilisieren der Mitarbeiter*innen und Besucher*innen für die Notwendigkeit des Wassersparens
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verwenden biologisch abbaubarer, Umweltzeichen-zertifizierter Reinigungsmittel und Hygieneprodukte
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einführen wassersparender Sanitäreinrichtungen (Spülstopptasten)
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regelmäßiges Kontrollieren von Armaturen, Sanitäranlagen sowie wassernutzende Geräte, um Defekte schnell erkennen und beheben zu können
- vermeiden von Wasserverunreinigungen.
Ökologisch-nachhaltiges Materialmanagement
Nachhaltiges Materialmanagement bedeutet in den beiden Museumsgebäuden, konsequent auf
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Wiederverwendbarkeit
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Recycelbarkeit
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Reparierbarkeit
- Langlebigkeit
zu achten.
Hierzu zählt auch, Abfall zu vermeiden oder zu reduzieren, eine sachgerechte Entsorgung und konsequente Mülltrennung von Abfallprodukten, um Restmüll zu vermeiden.
Mobilität - ökologisch-nachhaltig gestalten
Für das LandMuseum kommen folgende Schritte zur ökologisch-nachhaltigen Gestaltung einer CO₂e-sparenden Mobilität zur Anwendung:
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den Bahnverkehr oder öffentlichen Nahverkehr bevorzugen
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bei langen Anfahrtswegen die Möglichkeit der digitalen Kommunikation anstelle der persönlichen Anreise prüfen
- bei der Ausstellungsplanung einen Blick in die eigene Sammlung oder weitere lokale Sammlungen werfen, um lange Transportwege zu vermeiden.
Klimafolgenanpassung
Nach aktueller Darlegung in der Website des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie und Klimaschutz zeigt sich „im Zeitraum 1881 bis heute eine Temperaturzunahme von etwa 1,7 °C im Jahresdurchschnitt, also signifikant mehr als im globalen Durch. 2020 war mit einer Mitteltemperatur von 10,9 °C das bisher wärmste Jahr in Niedersachsen, dicht gefolgt von 2014 mit 10,8 °C.
Die Jahresniederschlagssummen sind von 1881 bis heute um gut 80 mm gestiegen.
Die Zunahme zeigt sich besonders im Herbst und Winter.
Gleichzeitig sind trockenere Frühjahre und Sommer mit einzelnen Starkregenereignissen zu beobachten.“
Wetteraufzeichnungen im Landkreis Holzminden belegen wiederholt, dass im Vergleich mit anderen Standorten in der Region im Hellental die meisten Regenfälle zu verzeichnen sind (www.dwd.de/DE/wetter).
Das LandMuseum geht davon aus, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in der nördlichen Sollingregion Extremwetterereignisse, wie Hitzewellen, starke lokale, unvorhersehbare Winde oder Starkregen, häufiger auftreten werden.
Um die Herausforderungen der notwendigen Klimaanpassung zu bewältigen, werden für das LandMuseum zunächst die folgenden Maßnahmen aufgegriffen:
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sich über die zu erwartenden Extremwetterereignisse in der Region informieren: Landesregierung Niedersachsen: Seite Klimaanpassung in Niedersachsen / Niedersächsische Kompetenzzentrum Klimawandel (NIKO)
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bei Veranstaltungen Extremwetterereignisse mit einplanen
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schattige Aufenthaltsorte und Plätze zum Ausruhen bereitstellen
- Vorsorge für Extremwettereignisse an den Gebäuden treffen.
Drei schattige Aufenthaltsbereiche zum Ausruhen bestehen im Sollinghaus.