Irreführend konnotierte Frauenstatuetten
Klaus A.E. Weber
„Venus-Schwestern“ von Frankreich bis Russland
gefertigt aus Stein, Elfenbein oder Keramik
Naturhistorisches Museum Wien
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
Ausgestellte Nachbildungen paläolithischer Frauenstatuetten
Der Name „Venus“ für die ältesten bekannten Frauenstatuetten ist ein sexuell konnotiertes Klischee, eine irreführende Fehldeutung und Beschreibung aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert.
Fern von heute nicht mehr haltbaren prähistorischen Rollenzuschreibungen besteht in der Altsteinzeit eine egalitäre Organisation der mobilen Gemeinschaften, insbesondere um in Konflikten überleben zu können.
Die kulturelle Bedeutung der paläolithischen Frauenstatuetten ("Venusfigurinen") ist von Hypothesen bestimmt.

Frauenstatuette "Venus vom Hohle Fels" │ Nachbildung
älteste bekannte Menschendarstellung der Welt
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
∎ Frauenstatuette "Venus vom Hohle Fels"
Nachbildung der "Venus vom Hohle Fels"
aus Mammut-Elfenbein geschnitzte Figurine
33,3 g schwer, 59,7 mm hoch, 34,6 mm breit, 31,3 mm dick
ca. 43.000 Jahre alt
Original: urmu - Urgeschichtliches Museum Blaubeuren
[hmh Inv.-Nr. 2019
Die nahezu vollständig erhaltene vollplastische Frauenfigur wurde 2008 in der Höhle „Hohle Fels bei Schelklingen“ gefunden.
An Stelle des Kopfes besteht eine quer durchlochte Öse.
Die mit sorgfältig ausgeführten anatomischen Details imponierende paläolithische Figurine gilt als die älteste bekannte Menschendarstellung der Welt.
Die Rätselhafte
Die Epoche der jüngeren Altsteinzeit (Gravettien) fällt klimageschichtlich in die Abkühlungsphase vor dem zweiten Kältemaximum der Weichsel-/Würm-Kaltzeit - etwa 115.000-10.000 Jahre v. Chr.
In jener Glazialzeit entsteht die einst dick mit der Mineralfarbe Rötel, einem natürlichen roten Farbstoff, bedeckte Statuette einer nackten Frau in halbsitzender Haltung, mit Gesichtslosigkeit und stark betonten weiblichen Proportionen.
Die 29.500 Jahre alte "Venus von Willendorf" gilt als vollendetes Meisterwerk altsteinzeitlicher Plastik.
Bei der im August 1908 bei Bauarbeiten zur Donauuferbahn in Willendorf in der Wachau gefundenen, aus oolithischem Kalkstein symmetrisch geschnitzten Figurine handelt es sich um eine vollständig erhaltene Skulptur aus der Zeit um 35.000-27.000 v. Chr.


Frauenstatuette "Venus von Willendorf"
ca. 29.000 Jahre alte Figur aus oolithischem Kalkstein
Naturhistorisches Museum Wien
oben: Original │ unten: Original-Abguss
© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber
∎ Frauenstatuette "Venus von Willendorf"
Nachbildung der rund 11 cm großen "Venus von Willendorf" │ Original-Abguss [1]
ca. 29.500 Jahre alt
oolithischer Kalkstein
Original: Naturhistorisches Museum Wien
[hmh Inv.-Nr. 9019
Vom altsteinzeitlichen Fundort der "Venus von Willendorf" │ Niederösterreich:
Klingen aus hochweritgem mährischem Feuerstein
Naturhistorisches Museum Wien
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
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[1] Abguss der "Venus von Willendorf" aus der exklusiv für die Anthropologische Gesellschaft in Wien vom Original abgenommenen Form, angefertigt unter Kontrolle der Prähistorischen Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien.