Noch alle Tassen im Schrank?

Museumsleitung

 

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Die aktuelle Weltlage könnte zu der umgangssprachlichen Frage nach den Tassen im Schrank beim Finden des Ausstellungstitels angeregt haben, jene Frage also, ob der oder die eine oder andere noch ganz bei Verstand ist.

Doch bei der kleinen Präsentation im Museumsschaufenster und in der Dauerausstellung geht es vielmehr um Tassen, die Kultur, Gesellschaft und persönliche Identität symbolisieren.

Klassische Tassen mit und ohne Henkel sind oben offene, weiße oder farbig gestaltete oder bemalte Trinkgefäße, in der edelsten Form aus Porzellan.

Zwar formenvielfältig, weisen Tassen grundsätzlich zylindrische, bauchige oder konische Formen auf, die unterschiedliche genießerische Wirkungen entfalten.

Größere Tassen werden auch als Becher bezeichnet, in unserer norddeutschen Region auch als Pott.

 

„Mundgerechte Kulturgeschichte“[1]

Durchgängig erzählen Ober- und Untertassen vom gesellschaftlichen und kulturellen Wandel mit allen wechselnden Tisch- und Essgewohnheiten - seit der Herausbildung erster Zivilisationen.

Eine Tasse hat immer eine Geschichte – und die Geschichte der Tasse ist mit der Geschichte des von Chinesen entwickelten Porzellans verbunden.

Gleich welcher Art, eine Tasse ist mehr als ein verlässlicher Begleiter des Alltags, mehr als ein Gegenstand künstlerischer Objektgestaltung oder des Sammelns als Schau- und Erinnerungsstück, mehr als ein Lieblingssouvenir oder ein bedruckter Werbeträger.

Auch dienten Tassen nicht immer nur dafür, um aus ihnen zu trinken, sondern oft goldverziert auf ihnen ein besonderes herrschaftliches Motiv abzubilden.

Neben der Zubereitung entscheiden Material, Form und Größe einer Tasse über den perfekten Genuss des individuell bevorzugten Heißgetränkes.

 

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Daraus ergeben sich für die meisten Kaffeetrinker*innen persönliche Lieblingstassen für den Kaffee zu Hause und als Ausdruck des Individuellen am genormten Arbeitsplatz im Büro.

Als sich seit dem 17. Jahrhundert in Europa die Trinkgewohnheiten durch die aufkommenden kolonialen Heißgetränke Tee, Kaffee und Schokolade verändern und neue funktionelle Trinkgefäße erfordern, gelangt das Wort „Tasse“ in den Bestand der deutschen Sprache.

Ursprünglich kam das Wort „Tasse“ als persisches Wort „ṭašt“ oder als arabisches „ṭās“ vor und etabliert sich zunächst in Italien als „tazza“ und in Frankreich als „tasse“.

Zum kulturellen Durchbruch der Tasse kommt es im 18. Jahrhundert.

Mit der Gründung der sächsischen Porzellan-Manufaktur in Meißen werden ab 1710 erste dünnwandige Porzellangefäße hergestellt, später auch in den Porzellan-Manufakturen Höchst, Fürstenberg und Berlin.

Jenseits moderner To Go Becher sind variantenreiche Tassenformen heute noch vornehmlich klassische

Ein nachempfundener südamerikanischer Keramikbecher „Guaraní“ wird als Gebrauchsgegenstand im kolonialen Kontext ausgestellt.

 

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[1] Hoch die Tassen! Kulturgeschichte mundgerecht - Ausstellung im Badischen Landesmuseum Karlsruhe │ Keramikmuseum Staufen vom 07. Februar bis 30. November 2025.