2026 │ Exotisch anmutend

Museumsleitung

 

In Japan für den Export hergestellte Porzellan-Untertasse (⦰ 13,2 cm)

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Nach ihrem Aufenthalt in südchinesischen Zen-Klöstern verbreiten japanische Mönche im 12. Jahrhundert die Teezeremonie in Japan mitsamt den dazu gehörenden Utensilien, wozu auch meist aus Porzellan bestehende Teeservices zählen.

Die im Museumsschaufenster des Historischen Museums Hellental präsentierten, mit polychromer Aufglasurmalerei detailreich dekorierten Tassen (⦰ 7,2 - 8,8 cm, H: 3,8 - 4,5 cm) und Untertassen (⦰ 11,2 - 13,2 cm) aus Porzellan eines japanischen Teeservices haben eine exotische Anmutung, die neugierig macht.

Die bunt handbemalten Darstellungen einer pflanzen- und blütenreichen Landschaft (schneebedeckter Gipfel des Fuji), von Bauwerken (Wohnhäuser, Pagoden) und von edlen Hofdamen mit landestypischen japanischen Gewändern wirken harmonisch ruhig und symbolbeladen rätselhaft.

 

In Japan für den Export hergestellte Porzellan-Untertasse (⦰ 13,2 cm)

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Jedoch geben die acht Einzelstücke aus dem Museumsdepot keine in Japan traditionell verwendeten Formen und Dekore wieder.

Bei näherer Betrachtung fällt auf, dass die beiden Tassen für den Teegenuss als dünnwandige Henkeltassen gestaltet wurden und eher kleinen, nicht verzierten europäischen Mokkatassen gleichen.

Die Henkeltassen sind daher untypisch für die klassische japanische Trinkkultur mit Schalen oder henkellosen Koppchen.

 

In Japan für den Export hergestellte Porzellan-Henkeltassen (⦰ 7,2-8,8 cm, H: 3,8-4,5 cm)

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

War die Anschaffung für damalige Verhältnisse einerseits relativ teuer, waren andererseits solche eher überladen und kitschig wirkenden Teegeschirre in den 1950er und 1960er Jahren durchaus beliebt.

Wie die unterschiedlichen, mit Farbstempel vor dem Glasurbrand angebrachten Marken und Symbole am Porzellanboden erkennen lassen, wurde das aus Japan stammende Porzellan dort als Massenware speziell für den Konsum im Ausland angefertigt.

Je nach Blickweise können die Ausstellungsstücke einerseits geringschätzend als kulturell unbedeutend und kommerzialisiert, andererseits aber auch als Zeugnisse des modernen globalen Kultur- und Güteraustauschs interpretiert werden.

Denn seit Jahrhunderten wurde neben China auch in Japan massenhaft Porzellan nach dem Geschmack der Käuferkreise in Übersee produziert.

Das moderne japanische Exportporzellan orientierte sich an europäischen Formen, wie an den Henkeltassen für den heißen Kaffee-, Schokoladen- und Teegenuss.

Hierzu kann angeführt werden, dass im 18. Jahrhundert, dem Goldenen Zeitalter des ostasiatischen Porzellans, auf dem europäischen Markt seit der Jahrhundertmitte bei Wohlhabenden die Koppchen zunehmend durch Kaffee-, Schokoladen- und Teetassen mit einem vertikal gebogenen Griff ersetzt worden waren.

 

In Japan für den Export hergestellte Porzellan-Untertasse (⦰11,2 cm)

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Die exotisch erzählende Szenerie der filigranen Porzellangestaltung wie auch der besondere Eindruck des Perlmuttglanzes der japanischen Exportporzellane waren für bürgerliche Haushalte oft kaufentscheidend, da man sich häufig kein teures Qualitätsporzellan von Porzellanmanufakturen leisten konnte oder aber mit ostasiatisch wirkendem Trinkgeschirr aus Porzellan seine Gäste als weltgewandt beeindrucken wollte.

Letztlich aber konnten sich jene massenhaft hergestellten Importerzeugnisse aus Japan nicht auf Dauer im hiesigen Geschirrmarkt behaupten.

[hmh Inv.-Nr. 5169