Blankschmiede Neimke │ 1727/1728-1874

Klaus A.E. Weber

 

Am Teichplatz in Dassel

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts - um 1727/1728 - soll der Blankschmied Jürgen Wißroth eine vom Dasseler Stadtrat genehmigte Blankschiede „vor dem Untern Thor“ errichtet haben.[1][2][4]

Später wurde, abgezweigt vom Wasser des Spüligbaches, die Blankschmiede Neimke von 1772 bis 1874 als wasserbetriebene Hammerschmiede mit kleinbäuerlicher Nutzung im Nebenerwerb in Dassel betrieben.

Der Verlauf des Spüligbaches selbst führt unmittelbar an der nordöstlichen Traufseite der Schmiede vorbei.

Das Wasser aus dem Mühlbaches der aus der Altstadt von Dassel kommt, wird in einem westlich vorgelagerten Mühlteich vor dem Nordwestgiebel der Schmiede angestaut und in einem Kanal unter dem Schmiedegebäude und unter dem südöstlich gelegenen Nachbarhaus durchgeleitet.

Heute mündet der jetzt unterirdisch geführte Mühlengraben in den oberirdisch kanalisierten Spüligbach.

Im Jahr 1782 wird mit Just Conrad Neimke der erste Besitzer aus der Familie Neimke in einer Urkunde fassbar.[1]

Der Schmiedebetrieb wurde 1985 eingestellt.

Die ehemalige Blankschmiede mit ihren funktionsfähigen Schmiedeeinrichtungen ist ein Einzeldenkmal und steht unter Denkmalschutz gem. § 3 Abs. 2 NDSchG.

Die Blankschmiede lag ursprünglich außerhalb der Stadtmauer vor dem „Unteren Tor“ am östlichen Rand des historischen Stadtkerns von Dassel.

 

Blankschmiede am „Unteren Tor“ mit Gustav Neimke um 1900 [3]

 

Der als verkleidetes Fachwerkhaus erstellte Streckhof, einer planmäßige landwirtschaftliche Bauform, umfasst das Gebäude der Schmiede unter einem Dach eng hintereinander angebaut, den Betrieb und die Wohn- und Stallräume.[3]

 

Blankschmiede Neimke mit Mühlteich │ Dezember 2025

Wassereintrittsseite des Schmiedegebäudes

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Mittels Stauwasser des Mühlteichs mit regulierbarem Stauwehr wurden über ein Wasserrad zwei Eisenhämmer angetrieben, ebenso auch die Schleifsteine in der Ende des 19. Jahrhunderts an der Rückseite der Blankschmiede angebauten Schleifanlage.

An der nordöstlichen Traufseite der zweigeschossigen Schmiede befindet sich unter einem Pultdach der eingeschossige Anbau.[2]

Mit den Schleifsteinen wurden landwirtschaftliche Geräts blank geschliffen, woraus der Name „Blankschmiede“ abgeleitet werden kann.

 

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Der zweistöckige Fachwerkbau der Blankschmiede von 1896 steht auf Sockel aus Sandsteinquadern.

Das Satteldach ist mit Sandsteinplatten gedeckt, der Nordwestgiebel mit Sandsteinen behängt und der Kamin mit Sandsteinplatten verkleidet [2], die ortstypisch aus den Buntsandsteinbrüchen des Sollings stammen.

Am Verlauf der mit rekonstruierten grauen Zinkblechplatten behängten Südwestfassade ist erkennbar, dass das Schmiedegebäude mehrfach erweitert und umgebaut wurde.

Auf eine Erweiterung (Wohntrakt [1]) verweist die Inschrift von 1794 auf einem in der Diele aufbewahrten Balken.

 

Inschrift auf dem Sturz des Dielentors von 1874

© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

Eine Erneuerung nach der Brandzerstörung von 1852 legt die Inschrift "A NEIMKE . i.L . BRÜCCEMANN. VERH:N. 1874" auf dem Sturz des zweiteiligen Dielentors mit dem Baujahr 1874 nahe.[2]

Seit 1993 ist die Blankschmiede am Teichplatz in Dassel ein Historisches Technikmuseum - in unmittelbarer Nachbarschaft des Museums Grafschaft Dassel.

Im Jahr 2009 wurden in dem Technikmuseum Blankschmiede die beiden Wasserräder und die Schütztafeln erneuert.[2]

 

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[1] Aufsatz von Hans-Norbert Mittendorf in CREYDT 1996, S. 15-19.

[2] Angaben im Denkmalatlas Niedersachsen des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege.

[3] Foto: Stadt Dassel, vergl. Abb. CREYDT 1996, S. 13.

[4] CREYDT 1996, S. 13.