Stadtmühle Dassel │ 1588-1969

Klaus A.E. Weber

 

Der ehemals im Keller eingemauerte Gründungstein mit Inschrift

„Anno dmi 1588 Julius Dux Bruns.“

Massiv gebaute Stadtmühle mit Nordgiebel zur Mühlenstraße │ Dezember 2025

Nebenflügel mit Mühlentechnik, Obergeschoss in Fachwerk

geschosshohe, breite Gaube unter Schleppdach

© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

Von der Herzoglichen Mühle zur Stadtmühle Heuer

Die zunächst landesherrliche Mühle gilt als die bedeutendste Mühle der Stadt Dassel am Solling.[4]

LETZNER [1] erwähnt 1596 eine "mühle" innerhalb der damaligen Stadt Dassel, gespeist von dem Spüligbach.

Der heutige zweiflügelige Massivbau aus Bruch- und Hausteinmauerwerk (Buntsandstein) mit Eckquaderung geht in seinem ursprünglichen Kern auf eine Mahl- und Ölmühle zurück, welche 1588 im Auftrag von Herzog Julius (1528-1589) von Braunschweig-Wolfenbüttel am Marktplatz von Dassel errichtet wurde.

 

Der Marktplatz von Dassel mit dem Rathaus │ Dezember 2025

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Die zunächst herzogliche Mühle, verbunden mit einem herrschaftlichen Mahlzwang für die Dassler Stadtbevölkerung, gelangte später in städtischen Besitz.

Nach CREYDT [2] wurde zwischen der Stadt Dassel und dem Müller Theodor Dubenkrop 1853 der letzte Pachtvertrag geschlossen, der u. a.

  • zwei Mühlengänge

  • einen Ölgang

  • Wasserrechte

  • Ländereien

umfasste.

Nachdem Theodor Dubenkrop 1863 die Mühle erworben hatte, verkaufte er diese bereits 1869 an den Müllermeister Dörries, welcher 1886 die Mühle an Heinrich Köhler veräußerte.

Das ursprünglich einstöckige Gebäude lässt Heinrich Köhler, der die Mühle bis 1905 in seinem Besitz hatte, um ein zweites Stockwerk erweitern.

Heute ist das ehemalige Mühlengebäude als "Stadtmühle Heuer" ein Einzeldenkmal und steht unter Denkmalschutz gem. § 3 Abs. 2 NDSchG.

 

Vorderhaus auf Quadersockel, traufständig zum Marktplatz │ Dezember 2025

Klassizistischer Bruchsteinbau mit Dreiecksgaube

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Das einst einzige massive Steinhaus von Dassel imponiert in seinem heutigen Erscheinungsbild als klassizistischer Bruchsteinbau mit Eckquaderung und Sollingsteindeckung der Dächer und Dreiecksgiebeln, geschaffen bei einem Umbau Ende des 19. Jahrhunderts.

Die Fassade des Vorderhauses (Wohntrakt) zum Marktplatz wurde vom Müllermeister Heinrich Köhler aufgestockt mit einer frontispizhaften Gaube.

Sie ist gekennzeichnet durch Werksteineinfassungen der axial angeordneten Fenster und durch einen Werkstein mit Hauszeichen in der Mittelachse.[3]

Der ursprünglich eingeschossige Nebenflügel beheimatete Mühlentechnik.[3]

 

Werkstein mit Hauszeichen in der Mittelachse des Vorderhauses

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Der Mühlengraben

In der heutigen Mühlenstraße befand sich ursprünglich ein Graben, in dem das Wasser des Spüligbachs innerstädtisch offen über Ritterstraße und Poststraße an die Mühle herangeführt wurde.[3][4]

An der Ostseite des Mühlengebäudes befand sich einst eine mit Buntsandstein-Mauerwerk eingefasste Radkammer mit zwei Mühlenrädern, die vom Spüligbach angetrieben wurden.

Nach Beendigung des Mühlenbetriebs im Jahr 1969 wurde der Mühlengraben zugeschüttet und der Wasserlauf des Spüligbachs überbaut und somit unterirdisch weitergeführt.

 

Stadtmühle Heuer

Als Getreide-/Mehlmühle wurde die Stadtmühle rund vier Jahrzehnte lang bis 1969 von Fritz Heuer betrieben, der die Mühle 1927 übernommen hatte.

 

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

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[1] LETZNER 1596: „Das achte Buch │ Das siebende Capitel │ Von der Spöling │ S. 145-146. Digitalisat.

[2] CREYDT 1996, S. 60-61.

[3] Angaben im Denkmalatlas Niedersachsen des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege.

[4] PLÜMER 1965, S. 79.