Der Wasserflus Spöling/Spoeling um 1574/1596
Klaus A.E. Weber

Verlauf des Spüligbaches │ „De Kutten spuel flu:“ │ mit Wassermühle (?)
Atlas von Gottfried Mascop im Jahr 1574 [3]
In den Jahren 1572-1574 fertigte der Kartograf MASCOP (vor 1550 - nach 1603) im Auftrag von Herzog Julius von Braunschweig-Lüneburg „Landtafeln“ (Übersichtskarten) des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel an.
Mit seinem großformatigen Atlas von 1574 entstand die älteste Karte des ehemaligen Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel.
Den frühesten Visualisierungen ist der „Landtafel" des Amtes Fürstenberg der Verlauf des Spüligbaches - „De Kutten spuel flu:“ - mit einer Wassermühle (?) zu entnehmen.[3]
Der von LETZNER vor über 420 Jahren (1596) veröffentlichten „Dasselische vnd Einbeckische Chronica“ ist zum Wasserlauf des Spüligbaches im Sollingvorland die folgende Abhandlung im Originaltext zu entnehmen, die auch für weiterführende historische Regionalbetrachtungen herangezogen werden kann.[1]
„Der Wasserflus Spöling genandt / nimt seinen ohrsprung in dem Sollinger Walde / an einem gar wonsam und freudigen Ortht aus dem schönen Pilgrimmen Brun / vnd streichet en Thal vnd neben dem Dorffe Heina hinab / auff das Dorff Marxhausen / da vorzeiten neben diesem Wasser / ein grosser Hütten handel gewesen ist / wie das daselbst die vestigia und die grossen gewaltigen Schlackenhauffen anzeigen.
Dieser Fluß aber Spöling genandt / wird aus dem Helden Thal gestercket vnd ergrössert / giebt zimliche grosse Fische / vnd machet zu Maryxhaen ein Mühle / vnd baldt noch eine zu Mackhausen.
Ich kan aber hie von wunderswegen / zu ermelden nicht unterlassen / das ober den Dorff Marxhausen / aus dem Sollinger Waldte / einen Thal herunter / eine zimliche starcke Bach Steinlage genandt / gewaldiglich daher pranget vnd rauchet / vnd aber nahe am wege zusehens geschwinde / widerumb in die Erden fallet / also das niemandt der Orter eigentlich vnd mit gründlicher warheit sagen vnd berichten kann / wolhin diese starcke rauschend Bach fliessen vnd komen müge / darübersich Männiglichen so dieses siehet / nicht vnbellich verwundern mus. Es berichten wol etzliche alte Leute etwas / es ist aber darauff nicht zu gründen.
Es wird aber die obbemelte Spoeling / zwischen Mackenhausen vnd Dassel aus dem Sollingerwalde / mit dem Wind Pockelems Brunn / dem Hungerborn vnd der Steinbach zimlich gestercket / ergössertvnd verbessert. Also kommen auch etliche Quellen vnd Sieche / doch ohne Namen / aus dem hohen Holzhäuser Berge / neben dem Dorff Heina herumb in die Spoelingge / wie auch der finster Brunn vnd ander Quellen ohn Namen / aus der Ruscheplaten Gehölz / mit der Bach / so durch Denckihausen fleusset / in die Teiche / zu welcher Ausfluß sich die alte Träncke vom Hundeßrück herab mit dem Pockelers Brunn gesellet / vund also mit dem allen der Spoeling einen zimlichen Zusatz geben.
Mit einer Stadtmauer befestigte Dasseler Altstadt
mit Durchfluss eines Teils des Spüligbaches
Darstellung bei LETZNER 1596 [2]
Also pranget und fleusset die Spoeling durch die Wiesen hinnab auff die Stadt Dassel / vnd theilet sich daselbst von einander / Der eine Theil dringet durch die Stadtmawr / bey dem Wasserthurm in die Stadt / fleusset durch die Ritterstraß / zwischen der von Germissen vnd der Hacken Hoffen / vnd ferner neben dem Kirchhoffe vnd Brawhause auff die Mühle / von dannen zur Badestuben / vnd endlich durch die Stadtmawr bey Delkens Höle hinaus / da dan als bald der ander abgescheidener Theil sich wider zu diesem Theil gesellet / fleusset also zu der Steinbrück vor dem vntern Thor hinunter / vn kömpt mit beraubung ihres Namens im Mülllerwege / da vor Alters nicht weit eine Mühle gestanden / zu der Ilme / dadurch die fast viel verbessert vnd ergrössert wird.
Dieser Wasserfluß die Spoeling genandt / hat den Namen mit der That / dan sie spület / das ist / sie weschet / saubert / reiniget vun nimpt fast viel Unflats mit sich aus dieser Stadt hinweg / aber doch nicht allen Unflat / es bleibet doch noch mancher Unflat / welches man gemeiniglich deß Abends auff der Gassen / vnd deß Nachts in den Zechen erfahren vnd vernemen kann.“
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[1] LETZNER 1596: „Das achte Buch │ Das siebende Capitel │ Von der Spöling │ S. 145-146.
[2] LETZNER 1596 Digitalisat.
[3] OHAINSKI/REITEMEIER 2012, Tafel 6 Amt Fürstenberg, S. 186-187 │ NLA HA Karten – Mappen, Mappe Nr. 2082
