Wasser zum vielfältigen Gebrauch
Klaus A.E. Weber
Das tägliche Wasser - existentiell
Ausreichend Trink- und Brauchwasser verfügbar zu haben, wird in den kommenden Jahren zu einer der größten Herausforderungen – in Stadt und Land.
Im Sollinghaus Weber │ Museum der Alltagskultur wird der Frage nach der Bedeutung des täglichen Gebrauchs, der Gewinnung und Verfügbarkeit sowie des Schutzes von Wasser zum menschlichen Bedarf nachgegangen.[1]
So können in dem agrarisch-handwerklichen Gebäudeensemble des Museums die vielfältigen Zwecke von Wasser durch seine frühere Nutzung zur Trinkwasserversorgung von Mensch und Tier und zur Hygiene aus dem späten 19. Jahrhundert entdecken werden – mindestens an 20 überraschenden Stellen im Haus.
Die Trinkwasserqualität wird in der Verordnung über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch (Trinkwasserverordnung) geregelt.
Wasser ist die Grundlage allen irdischen Lebens und daher ein Teil der Daseinsvorsorge.
Es ist nicht nur als tägliches Lebensmittel, zur Reinigung und Hygiene und als Löschwasser von Bedeutung, sondern seit alters her auch als Energieträger und Betriebswasser für das Gewerbe und die Wirtschaft - dabei ist Trinkwasser störanfällig.[2]
Unser aller Leben wird maßgeblich vom Wasser beeinflusst, teils grundlegend, teils dramatisch.
Abhängig von seiner Menge kann Wasser hilfreich oder auch zerstörend sein, wie lokal die Heinrichsflut vom Juli 1965 in Merxhausen.

Wasserholen an einem Hellentaler Brunnenpfosten │ um 1950
© Historisches Museum Hellental
Das Bergdorf Hellental im Solling wird erst seit Ende der 1960er Jahre gesichert mit genügend sauberem Wasser versorgt.
Zuvor war es nicht unüblich, auch das Wasser aus dem Hellebach zu nutzen.
Aus dem zentralen Gemeindebrunnen oder von einem Brunnenpfosten wurde Wasser geschöpft und nach Hause getragen.
Diese beschwerliche Aufgabe oblag zumeist Frauen.
Nach dem Wasserholen erhitzten sie zuhause das Wasser über dem Feuer des Küchenherdes.
Heute wird ganz bequem ein Wasserhahn aufgedreht, denn Wasser als Alltagsressource ist anscheinend grenzenlos verfügbar, zumindest bei uns.
Betriebliche Wassernutzung
Als Brauchwasser konnte Wasser vielfältig gewerblich genutzt werden
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zum Mahlen
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zum Schleifen
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zum Brauen
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zur Reinigung
Neben vom Wind angetriebenen Windmühlen war ehemals das wasserbauliche Anlegen von Wassermühlen mit großen Mühen und Kosten verbunden.
Zum Betreiben der Mühlen war die kinetische Energie eines Fließgewässers in mechanische Energie umzuwandeln.
Daher wurden üblicherweise in der Berglandschaft des Sollings und im Sollingvorland nur solche Mühlen errichtet, die zum Mahlen weitgehend die regenerative Energie der Wasserkraft der zahlreichen Bäche nutzen konnten.
Die wesentliche Voraussetzung hierbei war ein günstiges Gefälle des Fließgewässers, um möglichst viel von der Reliefenergie in Arbeitsenergie umsetzen zu können.
Meist lag daher der Standort von Wassermühlen außerhalb geschlossener Ortschaften.
Zisterziensermönche konnten Wasservorkommen aufgrund ihrer ausgeklügelten klösterlichen Wasserbaukunst vielfältig nutzten.
Wasser - grenzenlos verfügbar?
Die dominierende Sicht einer scheinbar grenzenlosen Verfügbarkeit des Wassers für die Landwirtschaft, Handwerk und Industrie, aber auch für den Gebrauch im privaten Bereich ist etwa seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zunehmend in Frage gestellt worden – angesichts der Zerstörung der Umwelt, die auch vor dem Wasser nicht Halt macht.
Zudem haben in den vergangenen Jahren von Menschen verursachte oder beschleunigte Extremwetterereignisse, wie Starkregen, Überschwemmungen, Hitze, Wasserknappheit, Grundwasserrückgang und Trockenheit, aber auch zunehmende Trinkwasserbelastungen durch Schadstoffeinträge, zu Sorgen und einem stärkeren Bewusstsein beim Umgang mit dem Gemeingut Wasser und seinem Kreislauf geführt.
Notfall 2009: „Nur noch für drei Tage Trinkwasser“
Für das abgelegene Sollingdorf Hellental war es am 18. Oktober 2009 zu einem einschneidende Ereignis gekommen:
Am Sonntagnachmittag war unvermittelt ein außergewöhnlicher Notfall in der Trinkwasserversorgung des Dorfes Hellental mit damals rund 320 Einwohner*innen aufgetreten.
Die Wasserreserve des Hellentaler Hochbehälters konnte nur noch 4 – 5 Tage Trinkwasser bereitstellen.
Zur Sicherstellung einer einwandfreien Trinkwasserversorgung der Hellentaler Dorfbevölkerung erfolgte vom 20. – 30. Oktober 2009 erstmalig in Deutschland ein aufwändiger Echteinsatz einer mobilen modularen Trinkwasser-Aufbereitungspilotanlage (TWAA 15) der Fachgruppe Trinkwasserversorgung des THW-Ortsverbandes Wolfenbüttel.
THW-Fachgruppe Trinkwasserversorgung im Oktober 2009
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© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
Mit der Trinkwasseraufbereitungsanlage UF15 wurde mit den Ultrafiltrationsmodulen vom Typ Berkefeld mit UV-Anlage, Chlor- Dosierungsanlage und Flockungsfiltration mit/ohne Aktivkohlestufe hatten eine Leistung von ca. 5 – 10 - 15 m³/h.
Über die Erfahrungen mit einem THW-Echteinsatz mit Ultrafiltrationsmodulen wurde bei der Fortbildungstagung für Wasserfachleute beim WaBoLu-Wasserkurs im November 2010 in Berlin amtsärztlich berichtet.[3]
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[1] Sonderführung 2024 „20mal Wasser“ im Sollinghaus Weber │ Museum der Alltagskultur.
[2] Weber, Klaus A.E., Uwe Brinkmann: Trinkwasser-Störfall in einer südniedersächsischen Gemeinde. Gesundheitswesen 59 (1997), S. 609-612.
[3] Weber, Klaus A.E.: "Nur noch für drei Tage Trinkwasser" - Erfahrungen mit einem THW-Echteinsatz mit Ultrafiltrationsmodulen. WaBoLu-Wasserkurs 2010. Fortbildungstagung für Wasserfachleute. 2.-4. November 2010, Berlin. Schriftenreihe des Vereins für Wasser-, Boden und Lufthygiene e.V. Bd. 139 (CD-ROM), V 10.
