Wassermühle an der Beeke │ 1758-1955

Klaus A.E. Weber

 

Dorfansicht um 1900 - mit der Seitz'schen Wassermühle

© Historisches Museum Hellental

 

Die Hellentaler Wassermühle №ass 2

Die Mahlmühle in Hellental wurde einst an einem Berghang unterhalb der im Oberdorf kräftig schüttenden Bergquelle angelegt, von wo aus dem steil abfließenden Mutterbachlauf in einem Mühlengraben durch die Wiese zur Mühle und zum Wasserrad geleitet wurde.

Der Hauptanteil der "Beeke" floss allerdings fast geradlinig, zwischen ehemaliger Dorfschule und Mühle vorbei, in die Merxhäuser Feldmark im Talgrund zur Helle.

Die Hellentaler Wassermühle diente bis über das 19. Jahrhundert hinaus dem gewerblichen Mahlen von Getreide und als Ölmühle.

Hierbei kann davon ausgegangen werden, dass insbesondere zur Leinölgewinnung der Samen der Leinpflanze gemahlen wurde, aber auch Bucheckern zur Ölgewinnung genutzt wurden.

 

Puchmühle│Steinschleifmühle (?)

Nach LESSMANN [4] soll der mecklenburgische Glasmachermeister Jobst Henrich Gundelach, als er zu Beginn des 18. Jahrhunderts mit seinen Facharbeitern die ortsfeste Glashütte Steinbeke im Hellental errichtete, zugleich auch eine „Puchmühle“ (Pochwerk) erbaut haben.

Das Pochwerk dürfte zur Zerkleinerung von Gesteinsmaterialien zur Quarzsandgewinnung gedient haben, wie dies bei anderen Glashüttenstandorten nachvollziehbar ist.

Im Zusammenhang mit dem Glashüttenstandort Holzen (1744-1768) wurde ebenfalls eine „Puchmühle“ erwähnt.[1]

Vor dem Hintergrund, dass zum Ende des 17. Jahrhunderts Kristall- und Kreideglas aufgekommen ist, dessen dickere Wandstärke sich besonders für Schliff und Schnitt eignete (Pokalgläser), muss aber auch die Frage aufgeworfen werden, ob möglicherweise bei der zu Anfang des 18. Jahrhundert errichteten Glashütte Steinbeke eine Steinschleifmühle zur Glasveredelung betrieben wurde.

Indes können keine belastbaren Nachweise hierfür herangezogen werden.

 

1756 │ Streit um die Erlaubnis zum Bau der Mahlmühle

Im Zuge der im 18. Jahrhundert für den Braunschweiger Weser-Distrikt beschriebenen bodenständigen, merkantilen Wirtschaftsförderung wurde von Herzog Carl I., im Zusammenwirken mit seinem Hofjägermeister Johann Georg v. Langen, auch der ehemalige Glashüttenstandort Steinbeke im Hellental in die staatlichen Planungen einbezogen.

So soll dort bereits 1756 eine Schleifmühle errichtet gewesen sein, die Ausgangsort der neu zu gründenden Mahlmühle werden sollte.[3]

Bevor aber diese staatliche Wirtschaftsplanung umgesetzt werden konnte, war zunächst juristisch abzuklären, ob das der „Bärtling’schen Mühle“ in Merxhausen landesherrlich zugestandene Zwangsrecht, das sowohl für Heinade als auch für Merxhausen galt, auch auf das neu entstandene Sollingdorf Hellental angewandt werden könne.

Bei der rechtlichen Prüfung sei zunächst festgestellt worden, dass das Zwangsrecht schon weit vor dem Dreißigjährigen Krieg, also vor 1618, festgelegt worden war, also zu einer Zeit, wo weder die Glashütte Steinbeke noch das Dorf Hellental bestanden haben.[4]

Für die herzogliche Entscheidung ausschlaggebend war wohl letztlich die Feststellung, dass Hellentaler Kleinstellenbesitzer ohnehin nicht im unmittelbar benachbarten Merxhausen mahlen ließen, sondern im weiter entfernten Mackensen, das bis 1803 zum hannoverschen Bistum Hildesheim gehörte.

Hier soll bereits um 1663 eine alte Erben- und Zwangsmühle betrieben worden sein, seinerzeit als „Ölmühle“ bezeichnet.[5]

Trotz der Argumentation des Wildmeisters Bärtling (Bartling?), Mitinhaber der Merxhäuser Mahlmühle, dass sich zwei Mühlen auf so engem Raum gegenseitig wirtschaftlich behindern würden, sei die landesherrliche Erlaubnis zum Bau der Hellentaler Mühle erteilt worden.

Merkantile staatliche Überlegungen (regelmäßiger Pachtzins an die Herzogliche Kammer des Grundherren) mögen dazu beigetragen haben, fiskalisch dafür zu sorgen, dass die Finanzmittel der Hellentaler Dorfbewohner nicht ins benachbarte, „ausländische” Bistum Hildesheim „transferiert” wurden.[6]

Heute bestehen durch nachfolgende Umbaumaßnahmen kaum noch erkennbare bauliche Hinweise auf den ehemaligen, traditionellen Mahlmühlenbetrieb am Berghang in Hellental.

 

Die gewerblichen Mühlenbesitzer │ seit 1758 [7]

 

Familie Dempewolff

Der Mahlmüller der ehemaligen „Weißen Mühle” bei Denkiehausen, Franz Conrad Dempewolff, soll 1758 beim Braunschweiger Hof den Antrag gestellt haben, ihm das Gelände der ehemaligen Glashütten-Puchmühle sowie das benötigte Bauholz forstzinsfrei zu überlassen.

Zugleich soll sich Dempewolff verpflichtet haben, jährlich Erbzins für die Mühle und Wasserzoll an die Herzogliche Kammer zu entrichten.

Innerhalb weniger Wochen soll die Genehmigung der Kammer eingetroffen sein, so dass mit dem Bau der Hellentaler Mahlmühle 1758 begonnen werden konnte.

Nach einem Kirchenbucheintrag war Franz Conrad Dempewolff 1759-1759 "Mahlmüller zum Hellenthal".

Er heiratete Catharina Sophia Henriette Brinkmann aus Hellental, wobei aus der Ehe zwei Kinder hervorgingen (1756, 1759).

Auch Georg Andreas Dempewolf war Mahlmüller zum Hellenthal.

Er heiratete Sophie Dorothee Meier aus Hellental.

Müllermeister Georg Heinrich Dempewolf ehelichte am am 25. September 1794 in Hellental Sophie Eleonore Hirschberger.

Heinrich Wilhelm Dempewolff war um 1778 Müller in Hellental.

Er war hier mit Catharina Maria Kukuck verheiratet und hatte mit ihr sieben Kinder (1773-1788).

Die Mahlmühle blieb also zunächst im Besitz der Familie Dempewolff (Dempewolf).

 

Familie Düvel (Düwel, Düfel)

Aus der regional weit verbreiteten Müllersippe der Düvels erwarb sie dann 1828 Müllermeister Georg Friedrich Düvel (Düwell; 10. April 1797 – 04. Juni 1861), Sohn des Müllermeisters Johann Heinrich Ludwig Düfel.

Der im Januar 1754 geborene Müllermeister Johann Heinrich Ludwig Düfel war in Hellental, wo er am 10. Januar 1819 starb, mit Maria Dorothea Hentze verheiratet.

Aus dieser Ehe gingen 1792-1804 fünf Kinder hervor, wobei schicksalsschwer die 41-jährige Mutter Maria Dorothea am 01. Februar 1804 „im Wochenbett“ verstarb.

Der Sohn Georg Friedrich Düvel heiratete in erster Ehe die am 14. Februar 1798 in Hellental geborene Maria Catharina Julia Greinert.

 

Familie Ohle

Der 1835 in Einbeck geborene Müller Georg Heinrich Ohle übernahm 1860 die Mühle.

In den „Braunschweigische Anzeigen“ vom Juni 1873 wurde im Rahmen einer fiskalischen Entschädigungsangelegenheit im Amtsgerichtsbezirk Stadtoldendorf Heinrich Ohle, „rect. Erben des Müllers Düwel“ (Ass.-№ 2), angegeben.[9]

 

Familie Seitz

Heinrich Ohle folgte schließlich 1891/1894 Heinrich Karl Friedrich Seitz (23. Mai 1864 – 03. Mai 1936) als Mühlenbesitzer.

Er heiratete am 31. August 1890 in Hellental Berta Friederike Wilhelmine Christiane Müller aus Silberborn.

Karl Seitz folgte der am 25. August 1897 in Hellental geborene Landwirt Otto Albert Erich Seitz (25. August 1897 - 29. Oktober 1959), Vater von Heinrich Seitz (dem heutigen Grundstückseigentümer) und Hermine Seitz.

Erich Seitz war mit der am 30. November 1905 in Mackensen geborenen Hermine Emma Johanne Langheim verheiratet.

 

Wasserführung vom "Sammelteich für die Mühle" zur "Mühle von Seitz"

 

Mahlmühle ab 1828

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts trat Georg Friedrich Düwel (1797-1861) als Besitzer der Mahlmühle auf.

Als 31-jähriger Müllermeister pachtete er 1828 das neu errichtete Gemeinde-Backhaus in Hellental und betrieb als Erster den zentralen Dorfbackofen.

 

1905-1955: Schicksalsjahre der alten Wassermühle

Im 20. Jahrhundert schrotete die vormals gewerbliche Mahlmühle mit einer um 1905 eingebauten Wasserturbine und in einem Schrotgang lediglich nur noch für den Eigenbedarf der Landwirtschaft ihres Besitzers Erich Seitz.

Die Mühle war eine Erbenzinsmühle.[2]

Wie aktenkundig ist, waren die Wasserstände in dem oberhalb der Mühle angelegten Seitz’schen Mühlenteich zu Beginn des 20. Jahrhunderts offenbar recht unterschiedlich.

Wie der Mühlenbesitzer Seitz seinerzeit beklagte, sei der Mühlenbetrieb bei niedrigem Wasserstand gefährdet.

Hinzu kam, dass 1948 der ehemalige Mühlenteich zu einem kommunalen Feuerlöschteich umgewidmet wurde.

Zur weiteren Nutzung des Teichwassers sollten für den Mühlenbesitzer Albert Erich Seitz daraufhin die "Wasserrechte" neu eingerichtet werden, die sich um 1950 auf rund 5.000,- DM belaufen sollten.

Hierdurch wurde die Nutzung des Teichwassers letztlich unrentabel und schließlich 1955 - 50 Jahre nach Einbau der Wasserturbine - der Mühlenbetrieb mit der Schrotmühle endgültig eingestellt.

Das alte Mühlengebäude wurde teils abgerissen, teils umgebaut, damit ein neues, zeitgemäß modernes Wohngebäude entstehen konnte.

Die große, heute bestehende Scheune des ehemaligen Mühlenanwesens wurde 1948 errichtet.

 

Sammel- und Stauteich für die Seitz’sche Mühle

Um 1910 betrug die Wasserfläche des in der Dorfmitte von Hellental angelegten "Feuerteichs" ca. 270 m².

Als Mühlenteich genutzt, lieferte der Sammel- und Stauteich am Berg das Betriebswasser für die unterhalb gelegene Wassermühle №ass 2.

Es ist aktenkundig, dass die Wasserstände ln dem "Seitz’schen Mühlenteich" zu Beginn des 20. Jahrhunderts recht unterschiedlich waren.

Wie der Mühlenbesitzer Seitz seinerzeit beklagte, sei der Mühlenbetrieb bei niedrigem Wasserstand gefährdet.

 

"Infolge knapper Wasserverhältnisse nur sehr geringer Wasserbestand"

Nach einem Schreiben des Braunschweigischen Landbundes e.V. vom 24. Oktober 1932 sei der Mühlenteich von dem Vorbesitzer der Mühle Seitz angelegt und von Heinrich Seitz (1864–1936) erneuert, auf eigene Kosten zementiert und zudem die Unterhaltungskosten durch den Mühlenbesitzer selbst getragen worden.[13]

1948 wurde der Mühlenteich zu einem kommunalen Feuerlöschteich umgewidmet.

Zur weiteren Nutzung des Teichwassers sollten für den Mühlenbesitzer Albert Erich Seitz die "Wasserrechte" neu eingerichtet werden, die sich um 1950 auf rund 5.000,- DM belaufen sollten.

Hierdurch wurde die Nutzung des Teichwassers letztlich unrentabel.

Schließlich wurde 1955 - 50 Jahre nach Einbau der Wasserturbine - der Mühlenbetrieb mit der Schrotmühle endgültig eingestellt.

 

Der "Feuerteich" als Stauteich am "Dorf-Platz" │ um 1910 [11]

 

Blick auf den Dorfteich │ November 2014

© HGV-HHM, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Sicherstellung der „Feuerlöschwasserversorgung“

Einer umfangreichen Akte des Kreisarchivs Holzminden [12] sind zum Hellentaler Feuerlöschteich folgende Feststellungen und Veranlassungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu entnehmen.

Der in der Dorfmitte von Hellental als Stauteich angelegte Feuerlöschteich wurde während des Zweiten Weltkrieges am 18. August 1941 ordnungsbehördlich im Beisein des Gemeindebürgermeisters Eikenberg besichtigt.

Aus dem Vermerk des Landrates Holzminden vom 19. August 1941 und aus weiteren Unterlagen gehen zusammenfassend folgende gravierende Mängel hervor, nämlich dass

  • der Teich „vollständig verschlammt“ ist

  • das Wasser mit Jauche stark durchsetzt ist“, da "Einläufe der Abwässer aus den anliegenden Höfen" bestehen

  • die „zufließende Wassermenge aufgrund der Undichtigkeit der Umfassungsmauern und der Grundbetonierung im vollen Umfange wieder abfließt bzw. versickert“.

Nicht zuletzt zur Sicherung der „Feuerlöschwasserversorgung“ im Hinblick auf die Brandgefahr während des Zweiten Weltkrieges wurden als Auflagen festgehalten

  • die „sofortige Reinigung des Teiches

  • den Teich „in nördlicher Richtung, aus der das Wasser zufließt“, „noch vergrößern zu lassen“;

  • den „im Falle einer Brandgefahr erforderlichen Wasserbedarf“ zu gewährleisten, denn „nach der Zuflußmenge die gesammelte Wassermenge ca. 50 cbm für ihren Verwendungszweck zu gering“ sei.

Zudem wurde darauf hingewiesen, „daß der Mühlenbesitzer Seitz aufgrund des ihm zustehenden Rechts der Wasserentnahme aus dem Teich für seinen Mühlenbetrieb zur Unterhaltung des Teiches gesetzlich verpflichtet sei.“

Der Mühlenbesitzer Otto Albert Erich Seitz (1897-1959) erklärte daraufhin, „daß er den Teich sofort ausfahren und reinigen würde.“

Zugleich machte er darauf aufmerksam, dass „er nur teilweise eine ganz geringe Menge Wasser für seine Turbine benötige und im Übrigen auch die Absicht habe, seinen Betrieb auf elektrische Antriebskraft umzustellen.“

Für den Ausbau des Feuerlöschteiches beantragte der Hellentaler Gemeindebürgermeister Eikenberg am 15. September 1941 bei der Landesbrandversicherungsanstalt in Braunschweig „einen Zuschuss zu gewähren“.

Das geplante Vorhaben umfasste zum einen die „weitere Aushebung des Teiches“, zum anderen die "Herrichtung von Umfassungsmauern in Beton“.

Aufgrund unglücklicher Umstände verzögerte sich allerdings die beantragte Beihilfegewährung zur „Verbesserung der Feuerlöscheinrichtung“ bis zum Jahr 1944.

So wurden sämtliche Akten des Oberpräsidenten der Provinz Hannover bei dem schweren Fliegerangriff auf Hannover am 09. Oktober 1944 vernichtet und eine nochmalige Antragstellung wurde erforderlich.

Schließlich gewährte am 08. März 1944 der Oberpräsident der Provinz Hannover per Verfügung gegenüber dem Kreisführer der Freiwilligen Feuerwehr (Hundertmark) zur „Verbesserung des Feuerlöschwesens“ eine Beihilfe in Höhe von 1.100,- Reichsmark.

Bei "unzureichenden Wasserverhältnissen" wurde 1949 darüber geklagt, dass der nutzungsberechtigte Mühlenbesitzer "nach Belieben" das Wasser aus dem Teich ablassen konnte.

Auch wurde daran erinnert, den Löschteich zu entschlammen, was "mit einem alten Wasserrehct für den Mühlenbesitzer verbundene Pflichtaufgabe" sei.

 

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[1] HENZE 2004, S. 65.

[2] KLEEBERG 1979.

[3] LILGE (o. J.), S.16-18.

[4] LESSMANN 1984, S. 32-34.

[5] CREYDT 1996, S. 8.

[6] LESSMANN 1984.

[7] NÄGELER/WEBER 2004; KLEEBERG 1979; LESSMANN 1984.

[9] Amtsgerichtsbezirk Stadtoldendorf, Juni 1873, 136. Stück, 7461/7462.

[10] BAYERL 2013, S. 115-135.

[11] JÜRGENS 1995, Bild 34.

[12] KA HOL 1056.

[13] KA HOL 1051.