Fürstlicher Landesausbau im Weserdistrikt
Klaus A.E. Weber
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„Plan des Weser-Districts nebst allen nächst angrenzenden Dörffern“
Kolorierte Planzeichnung, um 1755 [5]
Während der Regierungszeit von Herzog Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel - 1731 bis 1780 - entstanden im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel zahlreiche Manufakturen (u. a. Glasmanufakturen), Leihäuser (u. a. in Holzminden) und (Brand-)Versicherungsanstalten etablierten sich.
In jener regionalhistorisch bedeutenden Epoche galt als übergeordnetes obrigkeitliches Ziel im Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel die „Verbesserung“ der wirtschaftlichen Situation, wie im Weserdistrikt, der „mit seinen Land- und Wasserverkehrswegen in das enge Netz überregionaler Fernverkehrsverbindungen im frühneuzeitlichen Norddeutschland eingebunden“ war.[10]
Ökonomische Initiativen seitens des Braunschweiger Hofes erlangten im Kontext der Staatswissenschaften bzw. des Kameralismus/Merkantilismus ihre spezifische Ausformung mit dem in der historischen Literatur als mustergültig angesehenen Landesausbau - dem "Neuen Anbau auf dem Lande" zur „Befoerderung des commerce“.
Als exemplarisch für den Weserdistrikt als Wirtschafts. und Sozialraum kann in der Dorf:Region der systematische und zielgerichtete "Anbau zu Hellenthale" im Solling angesehen werden.
Um den Entstehungs- und Besiedlungsprozess des Dorfes Hellental in seinem historischen Kontext zu Beginn der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nachvollziehen zu können, bedarf es zunächst einer kursorischen Betrachtung der damaligen aufgeklärten, kameralistischen/merkantilistischen Wirtschafts- und Bevölkerungspolitik [4] am Hofe des Herzogs Carl I. zu Beginn seiner absolutistischen Regierungszeit (reg. 1735–1780).
Herzog Carl I. ermunterte bereits 1747 in einem Gnadenbrief protestantisch-reformierte Familien, sich in Braunschweig anzusiedeln.
Die ersten Familien aus der Pfalz trafen im Herzogtum Braunschweig um 1749/1750 ein.
Der Braunschweiger Weserdistrikt unter Herzog Carl I.
Der Weserdistrikt mit den Städten Holzminden und Stadtoldendorf machte rund 20 % der Braunschweiger Gesamtlande aus - mit 18,1 % der Bevölkerung.[8]
Der Verwaltungsbezirk wird großenteils durch den Weserverlauf und den Ith-Hils-Elfas-Solling-Höhenzug natürlich begrenzt.
MÄRZ [2] beschreibt in seiner empirischen Regionalstudie den Weserdistrikt in der Mitte des 18. Jahrhunderts als „ein relativ kleines, naturräumlich, politisch-territorial und wirtschaftlich homogenes“ Untersuchungsgebiet, einhergehend mit Geschlossenheit des Untersuchungsraumes und spezifischer Siedlungsstruktur.
Im Hinblicke auf das Braunschweiger Stammterritorium befand sich der Braunschweiger Weserdistrikt geografisch am südwestlichen Rand des Herzogtums Braunschweig-Wolfenbüttel; seine Lage war durch das Hochstift Hildesheim getrennt.[3]
Im aufkommenden Kameralismus/Merkantilismus des 18. Jahrhunderts befürwortete Herzog Carl I.l (1713-1780) in den 1740er Jahren die Gründung von Glasmanufakturen sowie anderen Holz verbrauchenden Gewerbezweigen in der zwar ressourcenreichen, aber ökonomisch vernachlässigten Sollingregion im damaligen Weserdistrikt.
Literatur
Empirische Regionalstudie zur Wirtschafts-, Sozial- und Raumstruktur städtischer, stadtähnlicher und ländlicher Siedlungen des Braunschweiger Weserdistrikts in der Mitte es 18. Jahrhunderts
Olaf März: Fließende Übergänge. Stadt – Flecken – Dorf im Braunschweiger Weserdistrikt in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Ein GIS-gestützter Vergleich der Wirtschafts- und Sozialstruktur. Dissertation Universität Hannover 2016.
Zusammenfassung "Arbeit, Holz und Porzellan"
Thomas Krueger: Arbeit, Holz und Porzellan. Herzog Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel und die Wirtschaftspolitik im 18. Jahrhundert. Der Weserdistrict. Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Museum im Schloss der Porzellanmanufaktur Fürstenberg. 23. März bis 06. Oktober 2013. Holzminden 2013.
Randlage im Weserdistrikt
Politisch-administrativ war die Dorf:Region im 18. Jahrhundert dem Weserdistrikt zugeordnet [1], dessen Flächenausdehnung sich annähernd mit der des heutigen Landkreises Holzminden von 694,27 km² deckt.
Ab dem Jahr 1753 erfolgte am östlichen Rand des peripheren Verwaltungsbezirks die systematische Anlage des gewerblichen Dorfes Hellental zur „Beförderung des commerce“ im Braunschweiger Solling - geografisch in Grenzlage zum Königreich Hannover.

Ämterkarte von TACKE 1943 [6]
Der Weserdistrikt setzte sich am Ende des 18. Jahrhunderts administrativ aus
den drei Stadtgerichten
-
Holzminden
-
Stadtoldendorf
- Eschershausen
dem Klostergericht Amelungsborn
den sechs Ämtern
-
Allersheim
-
Forst
-
Fürstenberg
-
Greene
-
Ottenstein
-
Wickensen
den beiden fürstlichen Gerichten
-
Bevern
-
Grünenplan
sowie den sechs adeligen Gerichten
-
Bisperode
-
Brunkensen
-
Deensen
-
Harderode
-
Hehlen
-
Meinbrexen
zusammen.[9]
Als Stadt an der Weser war Holzminden ein zentraler Ort im Weserdistrikt mit verkehrsgünstiger Lage und daher einer der wichtigsten Warenumschlagsplätze.
Das Amtsgebiet von Holzminden umfasste im 16. Jahrhundert bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts nur die Stadt Holzminden sowie das vorgelagerte Altendorf.
Nach der Erweiterung des Amtsgebietes von Holzminden im Jahr 1649 um die Dörfer Arholzen, Braak, Merxhausen, Deensen und den Hof Allersheim, wurde der Amtssitz 1654 nach Allersheim verlegt.[9]
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Nach MÄRZ [11] trägt die dritte und wohl umfassendste Personenzählung den Titel „Summarische Nachricht aller im Jahre 1774 lebenden Einwohner im Weeser-District. Bey dem Schluß dieses Jahres waren am Leben“.
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[1] Die Ausführungen beziehen sich auf Ausführungen in der empirischen Regionalstudie von MÄRZ 2016.
[2] MÄRZ 2016, S. 16.
[3] MÄRZ 2016, S. 32 Ziff. 133.
[4] MÄRZ 2016, S. 82.
[5] Abb. aus KRUEGER 2013, S. 8.
[6] Abb. aus TACKE 1943, S. 10, Abb. 1, bearb. von Klaus A.E. Weber.
[7] MÄRZ 2016, S. 88.
[8] ALBRECHT 2020, S. 1.
[9] MÄRZ 2016, S. 95.
[10] MÄRZ 2016, S. 89.
[11] MÄRZ 2016, S. 99.

