„Wir, Wilhelm II.“

Klaus A.E. Weber

 

"Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen"

Drei Jahrzehnte lang Deutscher Kaiser und König von Preußen – „in der Kontinuität von Bismarck zu Hitler“[3]

Kaiser Wilhelm I. verstarb mit fast 91 Jahren am 09. März 1888 in Berlin.

Als Deutscher Kaiser folgte ihm sein Sohn, der preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm (1831-1888).

Der bereits bei seiner Thronbesteigung 1888 krebskranke Friedrich III., der als liberal und anglophil eingestuft wurde, regierte nicht einmal vier Monate (99 Tage), so dass sein „kaiserliches Profil“ historisch nur wenig hervortritt.

 

Kaiser Wilhelm II.

Die daraufhin rasch folgende Regierungszeit von Wilhelm II. von 1888 bis 1918 wird auch als „Wilhelmische Eüpoche“ bezeichnet.

  • Friedrich Wilhelm Viktor Albert von Preußen war als Wilhelm II. ein militaristischer, absolutistischer preußischer König – und ein in der Kindheit schwer traumatisierter Kaiser, den man an die Hand nehmen musste.

  • Mit einer persönlichen Monarchie regierend, war er in gefährlichem Maße geprägt von persönlicher Willkür.

  • Aus englischer Sicht war Wilhelm II. ein Kriegsverbrecher.

Wilhelm II. (1859–1941) war der älteste Sohn von Kaiser Friedrich III. und seiner Gemahlin Viktoria, Tochter der britischen Königin.

Das Berliner Schloss war die offizielle Residenz von Kaiser Wilhelm II.

Während der Epoche von 1890-1914 entwickelte das politische, soziale und kulturelle Leben charakteristische Ausdrucksformen, das „wilhelminische Vorspiel“.[14]

Der „Wilhelminismus“ war gekennzeichnet von einer vom Volk gleichsam vergötterten und kollektiv aufgeblasenen Kaiserfigur, von dem Hang zur Selbstdarstellung und zu Uniformen, von der Pflicht zur guten Laune und letztlich von einer pompösen kaiserlichen Weltpolitik mit der Hand am Degen.

Aus Mangel strebte er zum Militär, eingekeilt zwischen einem schwachen Vater und einer fordernden Mutter“ [13] - die auffällige Persönlichkeit des Monarchen Wilhelm II., seine problematische Kindheit und Jugendzeit, seine Rolle und Verantwortung in der jüngeren deutschen Geschichte, insbesondere aber die für die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ waren und sind noch immer Gegenstand intensiver deutscher wie internationaler Forschungen, deren Ergebnisse, je nach Standpunkt, nicht immer unumstritten eingeschätzt werden.[16]

Ebenso intensiv werden zudem auch die vielschichtigen Verhältnisse der politischen Fehlentwicklungen untersucht, die letztlich in den Ersten Weltkrieg hineinführten.

Der von Geburt an durch einen verkürzten linken Arm behinderte, in freudloser Jugend aufgewachsene, soldatisch gedrillte Hohenzoller - „Wir, Wilhelm II.“ - war 1888 mit 29 Jahren König von Preußen und Deutscher Kaiser geworden.

Wilhelm II. regierte mit seinem „Willen zur Macht“ neoabsolutistisch und träumte als Fantast von einer eigenen deutschen Weltmacht.

Sein Charakter und Verhalten gelten gemeinhin als auffällig: launen- und sprunghaft, im Wechsel zwanghaft getrieben und starr und antriebslos, rücksichtslos und unberechenbar – für Freund wie Feind.

Auch nach eigener ärztlicher Betrachtung geht der Autor davon aus, dass Wilhelm II. mit hoher Wahrscheinlichkeit an einer nicht unerheblichen bipolaren psychischen Störung erkrankt war, mit weitreichenden nationalen und internationalen Folgen.

Nach Einschätzung des anerkannten zeitgenössischen Psychiaters Emil Kraepelin war Wilhelm II. „ein typischer Fall periodischen Gestörtseins“ mit manischen und depressiven Phasen.[9]

Es stellt sich daher bis heute noch immer die Frage, warum die beachtliche Mehrzahl der Menschen im Reich „Seiner Majestät“ einem psychopathologisch auffälligen Kaiser Wilhelm II. so unkritisch und frenetisch zujubelten, nicht zuletzt wohl auch in der hier betrachteten Dorf:Region.

Eine der wesentlichen Antworten auf diese zentrale Frage mag nach auch darin liegen, dass sich selten eine Epoche „so restlos in ihrem Monarchen dargestellt“ hat [9], einschließlich ihrer „wilhelminischen“ Gemütsverfassung.

Die widersprüchliche bipolare gesellschaftliche Realität des deutschen Kaiserreiches spiegelte sich gleichsam in der psychisch erheblich alterierten Person des verehrten Monarchen wider, dem letztlich Uniformen und soldatischer Drill die erforderliche Sicherheit gaben – ihm wie seinem Volk.

Über Deutschland lag um die Jahrhundertwende „ein explosives Gemisch aus Endzeitstimmung und Fortschrittsglauben, aus technischem Schub und gesellschaftlichem Stillstand, aus Aufbruch und Niedergang.

Das junge Reich strebt zu neuen Ufern und igelt sich dabei in Traditionen ein, greift nach den Sternen und erstarrt unter der Pickelhaube“.[9]

Das Herrschaftssystem des deutschen Kaiserreiches mit großer Machtstellung des Kaisers zentrierte sich ganz auf den Monarchen selbst und „machte es nicht nur den deutschen Führungsschichten schwer“.[5][13]

Unter der selbstherrlichen und oft auch willkürlichen Regentschaft von Wihlem II. scheiterte die deutsche Außenpolitik in den letzten Jahrzehnten vor 1914.

Das "lange Scheitern des letzten deutschen Kaisers" mündete letztendlich darin, dass er nicht abdanken und realitätsfern noch im niederländischen Exil in Dorn unbedingt an der Spitze seiner Truppen zurückkehren wollte.[5]

Im Innern des konservativen Kaiserreiches kam es zu verhängnisvollen Entwicklungen, so unter anderem auch machtpolitisch zur Entlassung des preußischen Reichskanzlers, des „Eisernen Kanzlers“ Otto von. Bismarck, dem einst machtvollen wie rücksichtslosen Gründer des deutschen Nationalstaates.[21]

Exportorientiert drängen unter Wilhelm II. im deutschen Kaiserreich

  • Stinnes

  • Krupp

  • Siemens

  • AEG

vehement auf den Weltmarkt, riefen nach dem deutschen Imperium, einem kolonialen „Platz an der Sonne“.

Dabei wurde Friedrich Krupp AG die wichtigste Waffenschmiede im Kaiserreich.[22]

 

__________________________________________________________

[3] RÖHL 2019.

[5] HESSE 2018; HESSE 2023.

[9] ALBIG 2005, S. 52.

[13] MOMMSEN 2004.

[14] KROCKOW 1992.

[16] Wilhelm-Karl Prinz von Preußen 1994.

[21] v. Bismarck schrieb am 18. März 1890 sein Entlassungsgesuch.

[22] Blog-Artikel des Schweizerischen Nationalmuseums vom 21.März 2025 von Kurt Messmer, Historiker mit Schwerpunkt Geschichte im öffentlichen Raum.