Braunschweigischer-hannoverscher-preußischer Grenzraum

Klaus A.E. Weber

 

Der „Hellentaler Graben“

Ein Jahrhunderte alter Grenzraum in der Sollingregion

Bereits im Mittelalter markierte die naturräumliche Kammerung des lang gestreckten Sollingtals mit dem Helle-Bach – im Dorf die „Grenze“ genannt - eine alte Landesgrenze im Solling - mit unterschiedlichen Grenzzeichen.

Später wurde sie durch das Setzen hoheitlicher Grenzsteine festgelegt, die im langgestreckten Hellental verlaufende Landesgrenze zwischen dem Herzogtum Braunschweig (HB, später B) und dem Königreich Hannover (KH) markieren - ab 1866 als preußische Provinz (P).

Bei der Grenzfeststellung von 1901 erfuhr die Landesgrenze zwischen dem Herzogtum Braunschweig und dem Königreich Preußen entlang der Tiefenlinie des Hellentals erstmals eine durchgehende braunschweigische Versteinung - mit eingehauenen Hoheitszeichen

  • westlich: »B« für das Herzogtum Braunschweig mit fortlaufender Nummerierung
  • östlich: »P« für das Preußen.

Denn am 03. Juli 1866 hatte Preußen im Deutschen Krieg die Großmacht Österreich und dessen Verbündete im Deutschen Bund in der Schlacht bei Königgrätz besiegt.

Als Kriegsgegner wurde das Königreich Hannover, das seit 1815 ein Gliedstaat im Deutschen Bund war, von Preußen besetzt, am 01. Oktober 1866 annektiert und bis 1846 als preußische Provinz Hannover verwaltet.

Als kulturhistorische Relikte sind die Grenzsteine ein maßgeblicher Teil der Hellentaler Orts- und Braunschweiger Landesgeschichte.

Die Grenzlage begünstigte ehemals den lukrativen Schleichhandel und die im Solling ausgeprägte Wilddieberei.

 

"Höllenthal" in der Übersichtskarte des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel [1]

Als Übersichtskarte zählt die "Gerlachsche Karte" von 1763-1775 mit ihren "verkehrs- und wirtschaftsgeografischen Erscheinungen" für die braunschweigische Landesverwaltung "zu den Maßnahmen des ökonomischen Landesausbaues".[2]

 

Faksimile

Plan des Weser=Districts zum Herzogthum Braunschweig Wolfenbüttel [1][2]

Die den Solling querende Grenze des alten Landes Braunschweig

roter Kreis: Lage des Dorfes "Höllenthal"

© Historisches Museum Hellental, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Zwischenläufer P│B № 15

Der als Relikt der Zeit um 1901 ausgestellte, relativ kleine Grenzstein besteht aus maschinell gesägtem Buntsandstein, versehen mit den Buchstaben »P« (Rückseite) und »B« sowie mit der № 15 (Vorderseite).

H: 47,5 cm │ B: 23,0 cm │ T: 14,5 cm

[hmh Inv.-Nr. 9021

Durch landwirtschaftliche Grünlandnutzung mehrfach umgestürzt, disloziert und beschädigt, wurde das kartierte Steinfragment - mit Zustimmung der zuständigen Katasterbehörde – zu seiner Erhaltung im Juli 2011 geborgen und dokumentiert.

 

֍ Habsburg gegen Hohenzollern - Die Schlacht bei Königgrätz

ZDF 2026 │ Sendung ARTE vom 22. August 2026

Am 3. Juli 1866 besiegt Preußen überraschend den Platzhirsch Österreich.

Wer hat unter den deutschsprachigen Ländern das Sagen?

Um diese Frage führen Habsburger und Hohenzollern im Sommer 1866 Krieg.

Beim böhmischen Königgrätz wird er am 3. Juli 1866 entschieden.

In einer der größten Feldschlachten der Geschichte besiegt der Herausforderer Preußen überraschend den Platzhirsch Österreich.

Die Niederlage beendet die habsburgische Dominanz in Mitteleuropa, ebnet den Weg zu einem geeinten deutschen Nationalstaat und schürt die Rivalität zwischen Frankreich und Deutschland.

Fazit: Der Weg zu beiden Weltkriegen beginnt bei Königgrätz.

Das überlegene Zündnadelgewehr, die Rolle der Eisenbahn, das Genie des preußischen Generalstabschef Moltke: Das Dokudrama "Habsburg gegen Hohenzollern – Die Schlacht bei Königgrätz" räumt mit alten Mythen auf.

Persönliche Aufzeichnungen eröffnen zudem neue Perspektiven auf diesen "Bruderkrieg": Tatsächlich ziehen die preußischen Brüder Heinrich und Karl von Gablenz gegen ihren jüngsten Bruder in die Schlacht.

Er kämpft auf der Seite Österreichs – ebenso wie der Ehemann ihrer Schwester Antonie.

Der Infanterist Ladislav Prokop indes kämpft in seiner böhmischen Heimat ums Überleben.

Deren Verwüstung durch Kanonen und Cholera erlebt auch der Bauernsohn Josef Volf aus nächster Nähe mit.

Er wird später zum wichtigsten Chronisten der Schlacht bei Königgrätz, deren Folgen bis weit ins 20. Jahrhundert nachhallen.“

 

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[1] ARNOLDT/CASEMIR/OHAINSKI 2006.

[2] KRUEGER/LINNEMANN 2013, S.12-13.