Anlage verbesserter Verkehrswege im Weserdistrikt

Klaus A.E. Weber

 

Da zur Mitte des 18. Jahrhunderts eine günstige Verkehrsanbindung die wesentlichste Voraussetzung für eine Gewerbeansiedlung war, galt auch der Anlage verbesserter Verkehrswege im braunschweigischen Weserdistrikt die besondere Aufmerksamkeit des klugen „Regionalplaners“ Johann Georg von Langen, der 1745 als Hofjägermeister in den Weserdistrikt kam.

Wie MÄRZ [1] in seiner empirischen Regionalstudie aufzeigt, war zu jener Zeit der Flecken Escherhausen ein zentraler Verkehrsknotenpunkt im Weserdistrikt, „insbesondere nachdem auf Initiative des Oberjägermeisters Georg von Langen die direkte Verbindung mit den Gewerbeorten des Amtes Greene (Grünenplan, Delligsen, usw.) über den Ith in der Mitte des Jahrhunderts reaktiviert wurde.

Von Langen initiierte eine Reihe von Ausbesserungen und Erweiterungen bestehender Heerstraßen (u. a. Amt Forst - Rühle, Sollingstraßen, Merxhäuser Chaussee), die die Landverkehrssituation verbesserten.

Die Projekte wurden allerdings nicht nur durch die Ereignisse des Siebenjährigen Krieges unterbrochen, die Finanzierung und Organisation der Arbeiten gestaltete sich grundsätzlich problematisch.

Insbesondere die Nachlässigkeit der im Rahmen ihrer Dienstpflichten zum Wegebau verpflichteten Gemeindeuntertanen ließ die politische Einsicht reifen, dass eine nachhaltige Verbesserung der Verkehrswege nur mit einer Professionalisierung des Straßenbaus und seiner Unterhaltung zu erreichen sei.

Mit der Einrichtung einer speziellen „Wegebesserungskommission“ (1750) und den Plänen einer umfangreichen Finanzierung anstehender Projekte (1788)337 näherte sich die Regierung der Position, die Unterhaltung und den Ausbau der Infrastruktur als hoheitliche Aufgabe zu betrachten“.

Nach MÄRZ [2] wurden im 18. Jahrhundert aufgrund besserer Geländegängigkeit und Wendigkeit für den Lasttransport im südniedersächsischen Berg- und Hügelland einachsige Karren bevorzugt.

 

Sollingallee („von Langen-Allee“) │ Mai 2020

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Eine Aufstellung aller Land- und Heerstraßen im Weserdistrikt vom 08. Oktober 1751 ist erhalten geblieben.[4]

Die erste straßenbauliche Maßnahme von von Langen galt der Verlängerung der Merxhäuser Straße (heute auch „Alte Einbecker Straße“ genannt) in gerader Richtung durch den verkehrstechnisch äußerst ungünstigen Querriegel des Solling-Mittelgebirges.

In der topografischen Solling-Jagdkarte von 1603 wird dieser Weg von Johannes Krabbe (1553-1616) als „Holzminischweg“ ausgewiesen.

Die Verlängerung der Merxhäuser Straße betreffend gab es am 20. November 1745 eine Eingabe von v. Langen und in Erwiderung ein Konzept des herzoglichen Erlasses vom 02. Dezember 1745, die Merxhäuser Straße in der beantragten Weise auszubauen.

Diese von Holzminden ausgehende Straßenanlage diente vornehmlich dem Handelsverkehr von Höxter - Holzminden über Merxhausen - Dassel nach Einbeck – Seesen - Braunschweig und dem Brennholztransport nach Grünenplan und Delligsen.[5]

Johann Georg von Langen war um die Erschließung zur Ansiedlung von bodenständigen Wirtschaftsunternehmen bemüht und an der Gründung von Grünenplan, Hellental, Schorborn und der Porzellanmanufaktur in Fürstenberg maßgeblich beteiligt.

So wurde auf die Initiative von von Langen hin am 11. Januar 1747 durch Anordnung von Herzog Carl I. in dem braunschweigischen Jagdschloss Fürstenberg eine Porzellanmanufaktur gegründet, nach Meißen (gegründet 1710) die zweite fürstliche Porzellanmanufaktur im deutschsprachigen Raum.

Die „Porcelainefabrique“ schuf Arbeit im verarmten Weserdistrikt.

Schließlich brachten die ökonomischen Auswirkungen des globalen Siebenjährigen Krieges (1756-1763) das Verkehrswegevorhaben zum Erliegen.

 

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[1] MÄRZ 2016, S. 89-90.

[2] MÄRZ 2016, S. 90.

[3] durch Eichen markierte „von Langen-Alleen“ im Solling.

[4] HEBBEL 1999, S. 29.

[5] HEBBEL 1999, S. 29.