Nachhaltige Waldbewirtschaftung
Klaus A.E. Weber

Porzellanbüste Johann Georg von Langen │ um 1760
Modell nach Simon Feilner (1726-1798),
Modelleur Walther Nitsche, Porzellanmanufaktur Fürstenberg │ 1947
Museum Schloss Fürstenberg
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
Fortgeschrittener Oberjägermeister
Johann Georg von Langen (1699-1776) gilt als einer der Vordenker moderner Prinzipien der Nachhaltigkeit.
Nach seiner nachhaltigen Wirtschaftsweise sei dem Wald nicht mehr Holz zu entnehmen als nachwachse.
Bereits zuvor, 1713, hatte der kursächsische Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz (1645-1714) in seiner Schrift „Sylvicultura Oeconomica, Oder Haußwirthliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung Zur Wilden Baum-Zucht“ erstmals eine „nachhaltige Nutzung“ des Waldes gefordert..
Johann Georg von Langen versuchte die natürlichen Ressourcen der Wälder zu bewahren, sie ökonomisch zu nutzen und mit sozialen Belangen in Einklang zu bringen, in dem er auch den Aufbau jener gewerblicher Betriebe förderte, welche zum Wohle der Bevölkerung den Rohstoff Holz gewinnbringend verwerteten.

Forstkarte Braunlage [4]
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
Rationelle Forstwirtschaft des "fortgeschrittenen holzgerechten Jägers".
Im Südharz erlernte Johann Georg von Langen die Forstwirtschaft
Als Forstmeister legte er im Jahr 1732 den kartogrfischen "Atlas der unteren Blankenburgischen Forsten" vor - eine der ersten systematischen Kartierungen zur planmäßigen Waldbewirtschaftung [Digitalisate von NLA WO K 20025].
Nachdem Johann Georg von Langen im Jahr 1737 in den Dienst des dänisch-norwegischen Königs Christian VI. (1699-1746) von Dänemark getreten war, erfolgte im Jahr 1739 die Berufung zum Hofjägermeister und Generalforstmeister des neu geschaffenen Generalforstamt Norwegens, wo er das umfassende Reformwerk „Project zu einer erneuerten Forst- und Jagdordnung“ ausarbeitete mit dem Ziel eine geordnete Forstwirtschaft in Norwegen zu etablieren.
Ob seiner großen und vielseitigen Fähigkeiten wurde am 25. September 1745 Johann Georg von Langen von Herzog Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel (1713-1780) als oberster Verwalter der Forsten eingesetzt und mit der Aufsicht über die Forsten des entwicklungsbedürftigen braunschweigischen Weserdistrikts sowie mit deren Vermessung und Einrichtung betraut.[1]
Seine Vermessungen und Einrichtungen von 1745/1746 führten zu einem "entscheidenden Umbruch in der Geschichte der Weserforsten" mit fester, linearer Flächeneinteilung und planmäßiger Verjüngung der Holzbestände.
Hierzu findet sich bei TACKE 1943 eine zusammenfassende kulturgeografische Übersicht.[23]
Herzog Carl I. beauftragte Johann Georg von Langen mit der Ordnung der Forsten (Forstreform) rsp. mit der Einführung einer geordneten Forstwirtschaft (Holzindustrie) im braunschweigischen Weserdistrikt, wo er von 1745-1763 wirkte.
Langfristig sollte es hierdurch zu einer Wende in der forstlichen Bewirtschaftung des Sollings kommen und eine moderne Forstpflege eingeführt werden.
Johann Georg von Langen gilt als der Forstmeister, „der die Kenntnisse und das Geschick besaß, die Ideen und Absichten des Herzogs und seines Ministers auszuführen“. [2][3]
Forstwirtschaftliches und forstwissenschaftliches Wirken │ 1745-1763
Insbesondere galt die Aufmerksamkeit v. Langens dem Holz zur Verwertung als wertvoller Rohstoff und Energielieferant für Industriebetriebe.
Als seine besonderen Verdienste gelten hierbei nach FISCHER [19]
- Waldeinteilung - mit "Haje" als Abteilungen, Schlagordnung
- Künstliche Verjüngung - mittels Planzungen und mittels Saat
- Wertholz vs. Brennholz - strenges Auslesen und Durchforstung
- Niederwald (Wald aus Stockausschlag)
- "v. Langens Mittelwald" - Mittelwaldbewirtschaftung
- Freie Holzpreisgestaltung
- "Gutes Geld für gute Försterarbeit"
- Mischung von Baumarten - Laub- und Nadelbäume
Um Holz einzusparen, war auch bereits 1731 und nochmals 1763 verfügt worden, dass „beim Einfrieden von Gärten keine Zäune gesetzt, sondern lebende Hecken gepflanzt werden sollten“.[18]

Typischer Niederwald am Steilhang │ April 2018
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
Frühzeitig hatte v. Langen forstwirtschaftlich und forstwissenschaftlich Zusammenhänge in der Natur und Landschaft des Sollings erkannt - als "fortgeschrittener holzgerechter Jäger".[19]
Als Konsequenz hieraus entwickelte und implementierte er zukunftsgerichtet eine „nachhaltige Nutzungsplanung zur Waldwirtschaft und Waldnutzung“ für die Sollingregion.
Im Auftrag von Herzog Carl I. führte der „Vater der regelmäßigen Forstwirtschaft” nach 1745 im Solling schrittweise eine planmäßige, geordnete, wie auch später kontrollierte Waldbewirtschaftung ein, die rationellere Forstwirtschaft [15] mit planmäßigem Pflanzen und Abholzen von Waldbeständen auf der Grundlage des Waldzustandes und der Nutzungsmenge.
Auf der Grundlage fester linearer Forstortgrenzen bildete v. Langen Flächeneinteilungen, wobei er eine planmäßige Aufgliederung der Waldgebiete des Sollings in Hauptteile und rechteckige oder quadratische Waldstücke - „Haie, Heye, Hauungen“ - mit Trennung durch geradlinige Schneisen vornehmen und auf einen 50-jährigen Bewirtschaftungsumtrieb einrichten ließ.
So begann man forstamtlich zur Mitte des 18. Jahrhunderts folgerichtig im gesamten Solling mit der künstlichen Waldeinteilung einschließlich Schaffung und Messung regelmäßiger, dauernd feststehender geometrischer Flächen (Wirtschaftsfiguren) mit feststehenden Zeiten von Anwuchs bis Abtrieb (Umtriebszeiten), mit planmäßigem Pflanzen und Abholzen von Baumbeständen.[20]

Fichte (Picea) im Solling - der "Brotbaum" │ Juni 2020
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
Oberjägermeister v. Langen veranlasste die Aufforstung
einerseits
- der Fichte (Picea)
- der Weiß-Tanne (Abies alba)
- der Lärche (Larix),
andererseits
- des Berg-Ahorns (Acer pseudoplatanus)
als "Fußstapfen von v. Langens" im devastierten oberen Solling, auch unter Einbezug von Einwohnern benachbarter Dörfer.
In Folge der gezielten forstwirtschaftlichen Maßnahmen wurde auch die Waldweide erheblich eingeschränkt, alte Hutewälder abgeschafft, der Wald erneuert und die Holznutzung in Eigenregie eingeführt.
Durch jene Maßnahmen erfolgte eine umfassende, aber nicht konfliktfreie Nutzungsplanung für die Braunschweiger Sollingwälder.
Es wurden auch mehr Holzhauer benötigt, was in der Folgezeit auch in Hellental zur verstärkten Ansiedlung von "ordentlichen Holzhauern" führte.
Kilometerlange, breite Eichenalleen markierten die "nachhaltige" Forstwirtschaft von v. Langens.
Sie dienten um 1750 als Wege für den Holztransport.
Kulturhistorisch erinnern noch heute erhalten gebliebene Eichen an die diese forstwirtschaftliche Epoche.
Ausschnitt (Faksimile)
geometrischer Grundriss "derer an den Weser- und Leineflüsse belegenen Landen"
1745/1746
mit festen linearen Forstortgrenzen und der grenznahen "Hell Thal Glashütte"
Museum Schloss Fürstenberg
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
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[1] Es war die Zeit der aufkommenden Wirtschaftsform des „Merkantilismus“, in der das Braunschweiger Land zu seinen Gunsten Produktionsbetriebe förderte bzw. neu gründete mit dem ökonomischen Ziel, durch eine verstärkte Ausfuhr in Verbindung mit eingeschränkter Einfuhr die defizitäre Staatskasse zu füllen („positive Außenhandelsbilanz“).
[2] Minister Bernhard Schrader von Schliestedt.
[3] zit. in TACKE 1943, S. 93.
[4] Abb.: Ausstellung „Johann Georg von Langen - Die Entdeckung der Nachhaltigkeit“ im Heimat- und FIS-Museum Braunlage 17. Mai – 19. Oktober 2026.
[14] zit. in OHLMS 2006, S. 6-7.
[15] BAYERL 2013, S. 70.
[18] RAULS 1974, S. 120.
[19] Vortrag im Schloss Fürstenberg am 15. April 2018 von Dr. Holger Fischer, Oberassistent am Lehrstuhl für Waldbau der Fakultät für Forst-, Geo- und Hydrowissenschaften der Technischen Universität Dresden in Tharandt.
[20] RAULS 1983, S. 137-138.
[23] TACKE 1943, S. 119-128.