Das Zisterzienserkloster Amelungsborn

Klaus A.E. Weber

 

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Einst Think-Tank und Eigenbetrieb im Konzern der Weißen Mönche

Das Kloster Amelungsborn im Weserbergland

Die mittelalterlichen Beziehungen des Klosters zur weltlichen Macht werden maßgeblich durch dessen Verhältnis zu den teils rivalisierenden Edelherren von Homburg, die auf Reichsebene den Welfen zugeneigt waren, und den den Staufern zuneigenden Grafen von Everstein bestimmt, da deren territoriale Interessensphären mitten durch den Klosterbezirk verliefen.[1]

Vor dem Hintergrund, dass das Zisterzienserkloster ebenso gute Beziehungen zu den Grafen von Everstein pflegte, kommt nach HEUTGER [3] zu dem Schluss, das Kloster habe seine Grenzlage zwischen Edelherren von Homburgern und den Grafen von Everstein zur Sicherung seiner Selbständigkeit genutzt.[1]

Im Rahmen der christianisierenden Ostausdehnung mit Verschiebung der Reichsgrenze unter Heinrich dem Löwen (um 1129/1130-1195) sowie die gute wirtschaftliche Entwicklung des Klosters ermöglichen dem Zisterzienserorden an der Ausbreitung in den Osten teilzunehmen.[1]

 

Rundgang im Klosterbezirk

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Merkmale des Zisterzienserklosters

Das spätromanisch-gotische Kloster Amelungsborn

  • ist eine hochmittelalterliche Gründung (1135) zur ersten Blütezeit der Zisterzienser

  • wurde strategisch in der Grenzlage zwischen zwei herrschaftlichen Einflussbereichen errichtet, am äußersten westlichen Rand des homburgischen Herrschaftsbereiches

  • ist ein frühes Tochterkloster des burgundischen Mutterklosters Morimond (Primarabtei) - Filiale der Abtei Kamp (Altencamp)

  • war ein effektives wirtschaftliches und kulturelles Zentrum
  • erlangte eine hervorgehobene Stellung in der Gemeinschaft des Zisterzienserordens

  • verfügte über eine von Konversen betriebene bzw. beaufsichtigte Klosterwirtschaft und unterhielt Grangien, eigenbewirtschaftete Güter mit großen spezialisierten Wirtschaftshöfen (Ackerbau und Viehzucht)

  • war bedeutend in der regionalen Land- und Wasserwirtschaft (Wasserbau zur Ver- und Entsorgung des Klosters und zur Energiegewinnung, Mühlen)

  • unterhielt eine Teichwirtschaft zur Eigenversorgung mit Speisefisch (Schorborner Teich)

  • verfügte über ertragreiche braunschweigische Güter zur Kultivierung und Waldgebiete zur Versorgung mit Bau- und Brennholz und als wirtschaftliche Quelle

  • betrieb Weinbau im Klosterweinberg bei Holenberg
  • besaß mehrere Stadthöfe als Vermarktungsorte mit Markt-, Gewerbe- und Stapelrechten (z. B. in Einbeck)

  • verfügte über Güter in Mecklenburg, besetzt 1171 dort das Kloster Doberan
  • erlangt durch seine Filiationsgründungen eine erhebliche Bedeutung für die hochmittelalterliche Ostsiedlung

  • verfügt über eine Klosterkirche, bestehend aus romanischem Kirchenschiff und gotischem Chor mit prächtigen mittelalterlichen Glasmalereien

  • besaß eine Klosterschule von besonderer Bedeutung

  • hat einen Weiterbestand nach 1810 und gehört heute zur evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover.

 

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[1] GOHMANN 1999.