Besitz, Bewirtschaftung, Grangien

Klaus A.E. Weber

 

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Nord-südliche Blickrichtung auf den Klosterbezirk Amelungsborn

Kupferstich Closter Amelunxborn

Merian Topographia 1654 Blatt 39

 

Landbesitz des Zistrerzienserklosters

Der Landbesitz des Amlungsborner Klosters war verteilt und diversifiziert; die Klosterhöfe erfüllten wirtschaftliche Funktionen..

Da es sich nach GOHMANN [4] bei den Ländereien auf dem Odfeld - dem „predium“ Amelungsborn - um den geringfügigen Grundbesitz einer kleinen dörflichen Siedlung handelt, konnte keine klösterlichen Agrarwirtschaft aufrechterhalten werden.

Obgleich Siegfried IV. seine Klosterstiftung zusätzlich mit der Übertragung der nahe bei dem Kloster gelegenen Erbgüter ausstattete, lagen sie nach GOHMANN zu weit entfernt, um vom Kloster nutzbringend bewirtschaftet werden zu können:

nördliche Feldmark

  • Helichnisse

  • Quathagen

  • Cogrove

  • Buttesdorpe

  • curtis Brochove – vom Kloster gegen die villa bune eingetauscht [5]

  • Hittfeld (bei Harburg)

südliche Feldmark

  • Hier stand das Hooptal als natürliche Barriere entgegen.

östliche Feldmark:

  • Brochove

westliche Feldmark:

  • villa Bune bei der Homburg

Bei Helichnisse handelt es sich um die im Allodienverzeichnis Siegfrieds aufgeführte curtis Halgenesse, die jedoch ebenso wie Quathagen, ein von niederländischen Einwanderern angelegter Einzelhof oder kleiner Ort, nicht lange existiert haben“, ebenso nicht viel länger Cogrove und Buttesdorpe.[4]

So sind die Bewirtschaftungsaktivitäten zunächst auf die nähere Umgebung des Klosterstandortes beschränkt.

Wie für Zisterzienser üblich, unterhielt das Kloster als kirchlicher Grundherr in eigener, durch Laienmönche (Konverse) betriebene bzw. beaufsichtigte Bewirtschaftung in der Region.

Wie GOHMANN [4] ausführt, habe etwa 20 Jahre nach seiner Gründung das Kloster damit begonnen, „seinen Besitz nach ökonomischen Gesichtspunkten zu gliedern“ und durch Tausch und Verkauf seinen Streubesitz sowie abgelegene Güter wie Hittfeld abgestoßen und ganze Dörfer in Klosternähe in seinen Besitz zu bringen.

Das Kloster kann etwa 1000 Schafe, 100 Stück Rindvieh und 200 Schweine halten.[4]

 

Domäne Amelungsborn │ um 1930 [1]

 

Die Zisterzienser implementieren eine Art Domänenwirtschaft mit einem Gutshof als klösterlich-herrschaftliches landwirtschaftliches Anwesen mit Eigenproduktion und Eigenversorgung, wodurch das Kloster wirtschaftlich autark war.[4]

Erwirtschaftete Überschüsse nutzt das Kloster zum Erwerb neuer Produktionsmittel, wobei die Erträge in der zentralen Klosterverwaltung zusammenlaufen.

Die Freiheit vom Zehnt trug zur Förderung der wirtschaftlichen Tätigkeit des Klosters bei.

 

„Bauernlegen“

Durch das „Bauernlegen“, das oftmals mit der Anwendung von Druckmitteln einherging, wurde Gutsland von Bauern in Grangien umgewandelt.

Wie GOHMANN [4] hierzu vermerkt, seien "die Mittel zum Erwerb" oft "Versprechungen zum Seelenheil“ gewesen, wobei die Bauernhöfe "aufgekauft, vertauscht, geschenkt oder verpfändet“ wurden.

Der Rest der freien Bauern begab sich gewöhnlich in den Schutz des Klosters; so wuchs der Klosterbesitz von Jahrzehnt zu Jahrzehnt.“

 

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Über 400 Jahre Geschichte des Stiftungsguts Allersheim

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Grangien

Ein charakteristisches Merkmal des cisterciensischen Wirtschaftslebens sind die Eigenhöfe oder Grangien“, die höchstens einen Tagesmarsch voneinander entfernt liegen sollten.[8]

Die Grangien zählten zum Klosterbesitz und bewirtschaften als Außenstellen der klösterlichen Wirtschaft das umliegende Klosterland.

Sie waren eine besondere, spezialisierte Form landwirtschaftlicher Großbetriebe mit Wirtschaftshöfen von 500-700 Morgen.[2]

Dabei war es ein wirtschaftliches Ziel, möglichst viel Land um die Grangien herum (wie auch immer) zu erwerben.

Die Grangien waren einem „Rector“ oder Hofmeister unterstellt, der die dort vom Kloster beschäftigten Konversen anleitete, die als zu Gehorsam und Ehelosigkeit verpflichtete Laienbrüder eine besondere Tracht trugen.[4]

Grangien wurden von Seiten des Zisterzienserklosters auch im nördlichen Sollingvorland an der Stelle bzw. innerhalb älterer Siedlungen angelegt.[3]

Die Folgen des „Bauernlegens“ und das Errichten durch Laienmönche betriebene bzw. beaufsichtigte große Wirtschaftshöfe, dürfte auch zur vollständigen oder teilweisen Verödung älterer Siedlungen beigetragen haben.

So war beispielsweise die im 14. Jahrhundert wüst gefallene, große Hägersiedlung Holtensen ein Amlungsborner Klosterdorf.

Die Standorte Erzhausen (Kloster) und Allersheim wurden zu zisterziensischen Grangien ausgebaut.

Ein Klosterhof befand sich auch in der ostwestfälischen Stadt Höxter, fast unmittelbar angrenzend an die Hausstätte des dortigen Kaufmanns Cort Boger.

Nach RÜTHING [7] vermachte der Bürgermeister Cort Boger, der ohne männlichen Nachfolger blieb, dem Kloster Amelungsborn eine umfassende Stiftung in Höhe von 100 Gulden („et uput nos memoriam perpetuam meruerunt“) und ist im Totenbuch des Klosters mit seiner Frau Gerborg als „familiares“ geführt.

Zu wichtigen Klosterdörfer [4] ausgebeut wurden die Siedlungen

  • Holenberg - seit 1493 vollständig zum Kloster Amelungsborn gehörend

  • Lobach - erstmals 1202 erwähnt

  • Negenborn - zur Wiederbesiedlung 1490 dem Kloster überlassen

Zum bedeutendsten landwirtschaftlichen Großbetrieb mit 1.500 Morgen Land und Wiesen wurde der Außenhof Allersheim, wobei die dort wohnenden Bauernfamilien ausnahmslos ihr Land verloren.

 

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[1] KREISDIREKTION HOLZMINDEN 1932, Abb. S. 54.

[2] STEPHAN 2010, S. 91-92.

[3] STEPHAN 2010, S. 73.

[4] GOHMANN 1999.

[5] RUSTENBACH 1909, S. 21 ff.

[6] RÜTHING 1986, S. 288.

[7] RÜTHING 1986, S. 288, 333, 436.

[8] zit. in KIRSCHE 2005, S. 31.