Innere Klausur mit Kreuzgang — claustrum

Klaus A.E. Weber

 

Die in der Gründungszeit nach den strengen Ordensgrundsätzen gebotene asketische, benediktinische Schlichtheit und Einfachheit im Leben der Zisterziensermönche wurde seit dem 14. Jahrhundert im Kloster Amelungsborn die spezielle Bautradition der Zisterzienser verlassen, so auch bei der Ausführung der Klosterbauten.

 

Klosterkirche St. Marien │ April 2026

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Klosterkirche St. Marien von Süden │ um 1980 [6]

mit „Stein“ und südlicher Klostermauer

 

Nur beklagenswert wenige Klausurgebäude der alten Klosteranlage sind erhalten geblieben.

Erhalten geblieben sind nur noch der Westflügel der Klausur mit der Konversengasse, das östlich der Klosterkirche gelegene Priorengebäude des 15. Jahrhunderts wie auch die Klostermauer mit dem inneren Torhaus.

Architekturreste aus den unterschiedlichen Abbruchs- und Umbaumaßnahmen „finden sich zweckentfremdet in neuen Bauten wieder, wie z. B. in der Südwand der Kantorey im Fachwerkrestbau des ehemaligen Konventsflügels südlich der Kirche und in den Umfassungsmauern“.[7]

 

Klausur-Bereich 1729

Ausschnitt „Ichnographia Specialis des Klosters Amelunx-Born“

Joh. Arnold Hallensen [1] │ A: Klosterkirche St. Marien │ C: Kreuzgang

D: „Alte Rector Hauß“ │ E: Schule │ F: „Neue Rector- und Cantor Hauß“ („Kantorey“)

 

Mutmaßlich südöstliche Klausurecke

Archäologischliche Untersuchuing im Juli 2024

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Der südlich der Kirche gelegene Kreuzgang

Ein Kreuzgang ist ein offener Anbau mit meist quadratischer Grundfläche, der in Klöstern zu finden ist.

Es handelt sich um einen überdachten Gang, der vierseitig einen kleinen Klostergarten, einen Hof, eine Wiese oder ein Gräberfeld umschließt.

Die vier offenen Innenseiten des Kreuzgangs nennt man Galerien.

Die geschlossenen Wände des Kreuzgangs werden häufig mit Malereien, Säulen oder Epitaphen, welche an Verstorbene erinnern, geschmückt.

Der Kreuzgangverbindet verschiedene Teile des Gebäudekomplexes miteinander: die Kirche mit dem Hauptgebäude oder die Wohnräume mit anderen Nebengebäuden.

Der Gang dient aber auch als Ort der Stille, Meditation und Kontemplation.

Der Name ist von einer Prozession abgeleitet, bei der ein Kreuz vorangetragen wird.“[1]

 

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Der Kreuzgang mit Grabstätten von Adligen aus der Umgebung war am Ende des Dreißigjährigen Krieges um 1648 noch vorhanden; es erfolgten aber keine weiteren Bestattungen mehr.[5]

Die Klausur wurde 1860 bei Instandsetzungsarbeiten abgebrochen.[4]

Der einst verbliebene, parallel zum Kirchengebäude verlaufende Mauerrest der „untergegangenen Kreuzgänge“ wurde bei der Einebnung des Klostergeländes südlich der Kirche entfernt.[3]

So lassen die große Grünfläche wie auch die mit Kiesschüttung neu angelegten Wege an der Südseite des Querhauses den ehemaligen Grundriss des alten Kreuzganges nachempfinden, der seit 1862 völlig verschwunden ist.

 

Romanische Kreuzgangkapitelle

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Löwenkonsole mit Farbfassungsresten

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Nahe der Südwand der Kirche gefundene Gebeine legen nahe, dass ehemals der Kreuzgang auch als Begräbnisstätte diente.[3]

Es ist in Zweifel zu ziehen, ob die vier Kragsteine, die über der romanischen, reich gestuften Kreuzgangpforte am südlichen Querhaus herausragen sowie Balkenlager im Mauerwerk zweifelsfrei der Auflage von Holzbalken der Dachkonstruktion des ehemaligen vierteiligen Kreuzganges im Klausurbereich zugeordnet werden können.

 

Kreuzgangsportal um 1985 [2]

 

Romanische Kreuzgangpforte │ August 2022

vier als "Kragsteine" sekundär verbaute Steine und Balkenlager im Mauerwerk

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

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[1] DENKMALSCHUTZ 2023: Vierseitig! Der Kreuzgang. S. 16.

[2] Abb. aus OSTERMANN/SCHRADER 1985.

[3] OSTERMANN/SCHRADER 1985, S. 75.

[4] OSTERMANN/SCHRADER 1985, S. 94.

[5] RAULS 1974, S. 91.

[6] NLA WO, K 141.

[7] GÖHMANN 1994, S. 39.