Das portugiesische Kolonialreich

Klaus A.E. Weber

 

Portugal – Einst die koloniale Supermacht Europas

Heute „Quelle größten Stolzes“

Ab dem 15. Jahrhundert war Portugaleiner der ersten Förderer und eines der letzten europäischen Länder, das nach blutigen Kriegen ein echtes Kolonialreich in Afrika aufrechterhielt“.[5]

 

Brasilien war einst eine portugiesische Kolonie.

© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

Ein dunkles Kapitel portugiesisch-imperialer und katholischer Geschichte

Im Zeitalter der Entdeckungen während des 15.-16. Jahrhunderts erlangte das katholische Portugal imperialistische Größe als Kolonialmacht durch dem Import von Gewürzen und seiner Dominanz über den europäischen Gewürzhandel, zugleich aber auch als europäisches Zentrum des Sklavenhandels.

 

Padrão dos Descobrimentos in Belém (Lissabon) März 2011

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Das im Jahr 1960 am Ufer des Flusses Tejo während der Diktatur des Salazar-Regimes zur Ehrung von Heinrich dem Seefahrer (1394-1460) in seinem 500. Todesjahr errichtete Padrão dos Descobrimentos (Denkmal der Entdeckungen) im Lissaboner Stadtteil Belém zeigt in westlicher Ansicht Heinrich den Seefahrer als Anführer der portugiesischen Entdecker mit einer Karavelle in seinen Händen.

 

Padrão dos Descobrimentos in Belém (Lissabon) März 2011

Westliche und östliche Ansicht des Entdeckerdenkmals

© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

Der portugiesische Seefahrer Vasco da Gama (um 1469 - 1524) entdeckte den Seeweg um das Kap der Guten Hoffnung nach Indien.

Indien erreichte er erstmals 1498 und wurde der zweite Vizekönig von Portugiesisch-Indien.

 

Ehrengrab von Vasco da Gama im Mosteiro dos Jerónimos in Belém (Lissabon)

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Portugal erwarb bis in das 17. Jahrhundert hinein Kolonien in

  • Amerika

  • Afrika

  • Arabien

  • Indien

  • Südostasien

  • China

 

Sockel des Denkmals von Heinrich dem Seefahrer - "Infante Dom Henrique"

Porto │ Oktober 2013

© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

Ein weiteres Denkmal befindet sich in der nordportugiesischen Hafenstadt Porto, wo Heinrich der Seefahrer Ende des 14. Jahrhunderrts als Sohn des portugiesischen Königs Johann I. und seiner Frau Philippa of Lancaster aus dem Hause Avis geboren wurde.

 

Bronzestatue Infante Dom Henrique von 1960 in Lagos │ März 2011

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Im ausgehenden Mittelalter wurde die südportugiesische Hafenstadt Lagos wegen ihrer strategisch günstigen Lage an den wichtigsten Seewegen zum Ausgangspunkt zahlreicher Expeditionen portugiesischer Schiffe für Entdeckungen, Kolonisierung und Menschenhandel, initiiert von Heinrich der Seefahrer (1394-1460).

Versklavte Afrikaner aus Westafrika waren die ersten, die in Europa verkauft wurden.

Es war der Beginn der europäischen Beteiligung am atlantischen Sklavenhandel, die mehr als vier Jahrhunderte andauern sollte.

Erst um 1820 sollte der Menschenhandel verboten werden.

 

Schattenseite portugiesischer Geschichte

Rekonstruierter Sklavenmarkt in Lagos

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Die Unabhängigkeit Angolas beendet 1975 das portugiesische Weltreich

Am 15. Januar 1975 unterzeichneten an der Algarve die portugiesische Regierung und die drei angolanischen Befreiungsbewegungen Movimento Popular de Libertação de Angola (MPLA), Frente Nacional de Libertação de Angola (FNLA) und União Nacional para a Independência Total de Angola (UNITA) den „Acordo do Alvor“.

Mit dem Alvor-Übereinkommen war eine fast 500jährige Fremdherrschaft der Portugiesen in dem südwestafrikanischen Land beendet.

Die erkämpfte Unabhängigkeit Angolas mit Wirkung zum 11. November 1975 bedeutete zugleich das Ende des nur scheinbar „glorreichen“ portugiesischen Weltreichs.

Selbständigkeit erlangten auch die portugiesischen Kolonien

Nach den Darlegungen von HOEGEN [4] scheint es dem heutigen Portugal schwerzufallen, des kolonialen Erbes zu gedenken und öffentlich auch breit angelegte kritische Debatten über seine rassistische Kolonialzeit zuführen – die Kolonialzeit ist „immer noch ein sehr sensibles Thema“.

Zu sehen ist nach den Recherchen von HOEGEN [4] „ein Zusammenhang zwischen der Nelkenrevolution 1974 und den afrikanischen Kolonialkriegen, die letztlich den Sturz der Diktatur beförderten“.

Die Geschichte Portugals als Kolonialmacht – der „Quelle größten Stolzes“ - ist noch lange nicht aufgearbeitet – was bleibt ist nach HOEGEN [4] eine „gespaltene Erinnerung“.

 

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[1] ZEIT 2024, S. 49.

[2] WIEDEMANN 2019.

[3] EVANS in HESSE 2023d.

[4] HOEGEN 2025.

[5] Blog-Artikel des Schweizerischen Nationalmuseums vom 03. Mair 2024 von Mattia Mahon, Historiker bei der Forschungsstelle Diplomatische Dokumente der Schweiz (Dodis) und Forscher an der Universität Lausanne.