Die afrikanischen Sklaven von Lagos

Klaus A.E. Weber

 

Die südportugiesische Hafenstadt Lagos

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Die südportugiesische Hafenstadt Lagos an der westlichen Algarveküste entwickelte sich aufgrund ihrer strategischen Lage an den wichtigsten Seewegen im ausgehenden Mittelalter zu einem großen maritimen Zentrum, das mit der Westküste Afrikas handelte.

Der Hafen wurde zum Ausgangspunkt zahlreicher Expeditionen portugiesischer Schiffe für Entdeckungen, Kolonisierung und Menschenhandel, initiiert von Heinrich der Seefahrer (1394-1460).

 

Heinrich der Seefahrer mit einer Karavelle in den Händen haltend

Padrão dos Descobrimentos in Belém (Lissabon)

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Einhergehend mit ersten portugiesischen Sklavenüberfällen in Afrika wurde der Hafen im 15. Jahrhundert ein zentraler Anlaufpunkt für Sklavenschiffe aus Afrika und zu einem der Hauptumschlagplätze für die Be- und Entladung der in Afrika gefangenen oder gekauften Sklaven.

Die ersten Sklaven aus Subsahara-Afrika, 235 Sklaven aus Guinea und dem Senegal, wurden durch Karavellen im Jahr 1444 nach Lagos gebracht und noch auf dem Rossio da Trindade am Stadttor von Lagos versteigert, bevor sie in Portugal und in andere Teile Europas weiter verteilt wurden.

Als sich der Menschenhandel mit afrikanischen Sklaven mit großem Gewinn für die katholische portugiesische Monarchie und die Händler von Lagos entwickelte, wurde auf Befehl von Heinrich dem Seefahrer in Lagos 1444 der erste Sklavenmarkt im neuzeitlichen Europa gegründet.

Ausgangshafen der Sklaventransporte für den südportugiesischen Sklavenmarkt in Lagos war die afrikanische Stadt Lagos an der Küste des Golfs von Guinea.

 

Rekonstruierter historischer Sklavenmarkt (Mercado de Escravos) in Lagos │ März 2011

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

֍ Die Sklaven von Lagos

Beim Bau eines unterirdischen Parkhauses in Valle da Gafaria wurden bei einer Notgrabung im Jahr 2009 zahlreiche Menschen-Skelette entdeckt.

Hierbei handelt es sich um Überreste von 158 zentralafrikanischen versklavten Personen aus Valle da Gafaria.

Exhumiert von einer städtischen Mülldeponie aus dem 15.-17. Jahrhundert vor der mittelalterlichen Stadtmauer von Lagos werden sie in der Universität Coimbra anthropologisch untersucht.

 

Zeugnis menschlichen Leids im historischen Zentrum von Lagos

Der rekonstruierte historische Sklavenmarkt - der Mercado de Escravos - befindet sich an der Praça Infante Dom Henrique in Lagos.

Es ist ein historischer Ort, an dem zahllose Menschen in der dunklen Zeit der Sklaverei ihr Leben verloren haben.

Das heute auf dem Gelände des ersten Sklavenmarkt Europas stehende weiße, symbolträchtige Gebäude hat im Laufe der Geschichte viele Veränderungen erfahren, da es im Laufe der Zeit verschiedenen Zwecken diente.

Der heutige, erst 1691 nach einem Erdbeben, das einen Großteil der Altstadt von Lagos zerstörte, wieder aufgebaute Arkadenbau geht also nicht unmittelbar auf die Ankunft der Sklaven in Lagos zurück, da von 1512 an Sklaven in Lissabon angelandet werden konnten.

Gleichwohl verweist das symbolträchtige Bauwerk mit zwei Etagen auf das grausame wie profitable Geschäft der portugiesischen Monarchie und der Sklavenhändler.

 

Arkadenbau der rekonstruierten Sklavenhalle im historischen Zentrum von Lagos März 2011

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Der untere Gebäudeteil wird als 400 Jahre alt beschrieben, gebaut für den Sklavenmarkt.

Der erste Stock diente militärischen Verwaltungszwecken und ab 1755 als Zollhaus für Lagos.

Seit 2016 ist das rekonstruierte historische Gebäude aus dem Jahr 1691 ein Denkmal und ein Museum, das sich der Geschichte der Sklaverei und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft widmet.