Unverdächtig, unangenehm - daher vergessen!?
Klaus A.E. Weber
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
Die Errichtung des Wohngebäudes im Jahr 1884, das heute das Museum der Alltagskultur beheimatet, erfolgte in dem Jahr des formalen Beginns der kolonialen Eroberungen des Deutschen Kaiserreichs.
Am 15. November 2024 jährte sich zum 140. Mal der Beginn der historischen Berliner Konferenz, der "Kongokonferenz".
Die Nebenausstellung will dafür sensibilisieren, wie profitable Luxuskonsumgüter - Kolonialwaren - aus kolonialem Machtkontext zu unangefochtenen Massenprodukten im Alltagsleben werden konnten.

Kompakt ausgestellt
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
Wie wir im Alltag von lukrativen Agrargütern des Kolonialzeitalter profitier(t)en
Nicht völlig überraschend hatte auch die Alltagskultur der Bewohner*innen des abgelegenen Bergdorfes Hellental im Solling ehemals engen Bezug zu herrschaftlichen kolonialen Verhältnissen gegenüber unterworfenen außereuropäischen Gesellschaften.
Noch heute prägt der Kolonialismus unseren Lebens- und Arbeitsalltag.
Dabei führen koloniale Spuren auch in das ländliche Handwerk und Gewerbe.
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Leuchtreklame „Edeka“ │ 1950er Jahre [2]
StadtMuseum Einbeck │ 2025
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Eine solche Spur ist die Einkaufsgenossenschaft, wo sich 21 Händler von Kolonialwaren aus dem Deutschen Reich 1898 in Berlin zur „Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler im Halleschen Torbezirk zu Berlin“ zunächst unter der Abkürzung „E. d. K.“ zusammenschlossen.
1911 wurde aus dieser Abkürzung der bis heute gültige Firmen- und Markenname EDEKA gebildet – ein Unternehmens, das im Zusammenhang mit der deutschen Kolonialgeschichte steht.
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Schaukasten Kolonialwaren: Erzeugnisse deutscher Kolonien
Sonderausstellung „100% Baumwolle“ 2022-2023
Übersee-Museum Bremen
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Profitable Kolonialwaren
Triebfedern des Kolonialismus, erbarmungsloser Kolonialverbrechen und der Sklaverei
Als Kolonialwaren wurden gewinnbringende überseeische Lebens- und Genussmittel bezeichnet, wie die Erzeugnisse deutscher Kolonien:
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Bananen
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Baumwolle
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Elfenbein
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Gewürze
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Holz
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Kaffee
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Kakao (Schokolade)
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Kautschuk
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Kokospalme/Kokosfett
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Palmöl
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Reis
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Sisal
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Tabak
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Tee
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Zucker.
Diese Profit versprechenden Erzeugnisse aus überseeischen Kolonien erreichten mit dem Kolonialhandel nach und nach breitere gesellschaftliche Schichten, wodurch der Kolonialismus Einlass in die Konsumkultur fand – so auch in den dörflichen Alltag.
Strategisches Ziel europäischer Handelsgesellschaften – der Ostindienkompanien – war der Raum Indien sowie Südost- und Ostasien, um mit begehrten Kolonialwaren, wie Gewürzen, aber auch mit Sklaven zu handeln.
Die Gewinnung und der Gebrauch kolonialer Rohstoffe belegen die finstere Seite der technischen Entwicklung des globalen Nordens.
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[1] Globale Verwerfungen, geostrategische Kriege und geoökonomischen Machtkämpfe, anhaltender Rassismus, imperialistische Destruenten, antidemokratische Strömungen, insbesondere aber der weltweit entstehende rechtsextreme Backlash, erfordern es, sich mit belastenden geschichtlichen und kontroversen Themen auseinanderzusetzen, wie Imperialismus, Kolonialismus, Sklaverei, Völkermord und Nationalsozialismus.
[2] Leuchtschild über dem Schaufenster eines kleinen Gemischtwarenladens in Einbeck │ 1950er Jahre - Sonderausstellung „Einkaufsgeschichten aus Einbeck und den Dörfern“ im StadtMuseum Einbeck │ 2025.

