Die Nürnberger Prozesse

Klaus A.E. Weber

 

Ganz Deutschland war vom Nationalsozialismus infiziert gewesen ("Nazi-Deutschland").

Am 20. November 1945 begann in Nürnberg der 218 Tage währende Prozess gegen Hauptverantwortliche der monströsen NS-Verbrechen - auch "zur Belehrung für die Zukunft".[1]

Die Nürnberger Prozesse und die sich anschließenden Nachfolgeprozesse richteten sich gegen gesellschaftliche Eliten des "Dritten Reiches" in Partei, Regierung, MiIitär und Terrorapparat.

 

ARTE F 2025

Sendung am 18. November 2025

Auf den Spuren der Geschichte. Die Nürnberger Prozesse (1/2)

 

(1) November 1945

Deutschland liegt in Trümmern, Nürnberg liegt in Trümmern und wird zugleich Schauplatz eines der bedeutendsten Prozesse des Jahrhunderts.

Nürnberg, die Stadt der Reichsparteitage der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), ist nach Ende des Zweiten Weltkriegs zu mehr als 90 Prozent zerstört.

Und doch beginnt inmitten dieser trostlosen Kulisse „der Prozess des Jahrhunderts“.

Erstmals werden führende Vertreter des NS-Regimes für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor laufenden Kameras angeklagt.

Journalisten aus aller Welt berichten: Über 300 Reporter, Schriftsteller und Fotografen kommen nach Nürnberg.

Die US-Armee bringt sie am Stadtrand im Schloss Faber-Castell unter.

Mit dabei: die US-Journalistin Martha Gellhorn, aber auch Zeitzeugen wie Elsa Triolet, John dos Passos, Erika Mann, Ilya Ehrenburg und Joseph Kessel.

Ihre Berichte geben sensible Einblicke in einen der bedeutendsten Gerichtsprozesse und stellen die Weichen für eine neue Weltordnung.

Die Dokumentation greift auf reiches Archivmaterial zurück.

Die Schilderungen aus so unterschiedlichen Blickwinkeln stellen ein eindrucksvolles Dokument dieses „Jahrhundertprozesses“ dar.

Erstmals wurden Politiker und Militärs persönlich zur Verantwortung gezogen und mit ihrer individuellen Schuld konfrontiert.

Die Verhandlung vor dem Internationalen Militärgerichtshof war Wegbereiter für den heutigen Internationalen Strafgerichtshof im niederländischen Den Haag.“

 

(2) Frühling 1946

Die Beweise gegen die führenden Vertreter des NS-Regimes sind erdrückend.

Die in Nürnberg versammelten Journalisten werden Zeugen des Tauziehens zwischen den Westmächten und der Sowjetunion: Die Rivalität zwischen den Verbündeten von einst macht aus den Nürnberger Prozessen auch einen Wettlauf gegen die Zeit.

Die ersten Nürnberger Prozesse gestalten sich langwierig und ziehen sich bis ins Frühjahr 1946.

Die Beweisaufnahme im Verfahren gegen die verantwortlichen Militärs und Politiker des NS-Regimes bringt die monströsen Gräueltaten der Nationalsozialisten ans Licht.

Die im Schloss Faber-Castell untergebrachten Journalisten werden langsam ungeduldig: Wie lange soll es noch dauern, bis endlich Recht gesprochen wird?

Zur gleichen Zeit wächst die Rivalität zwischen den Westmächten und der Sowjetunion.

Die Kriegsverbrecher müssen verurteilt werden, doch die Spannungen zwischen den einstigen Verbündeten sind erste Anzeichen des Kalten Krieges und machen die Verhandlung zu einem Wettlauf gegen die Zeit.

Die Berichte und Analysen der Journalistinnen und Journalisten sowie Schriftstellerinnen und Schriftsteller dokumentieren einen Wendepunkt der Weltgeschichte.

Neben diesem Prozess gegen die „Hauptkriegsverbrecher“ in Nürnberg gab es zwölf weitere Prozesse, die sogenannten „Nachfolgeprozesse“.

Im Hauptkriegsverbrecherprozess klagten die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs (USA, Großbritannien, Sowjetunion und Frankreich) 24 Personen und sechs Organisationen vor dem „International Military Tribunal“ (IMT) in Nürnberg an.

Er dauerte vom 20. November 1945 bis zum 1. Oktober 1946 und endete mit zahlreichen Todesurteilen.

Kriegsverbrecher wie Adolf Hitler, Joseph Goebbels, Hermann Göring oder Heinrich Himmler hatten sich ihrer Bestrafung jedoch zuvor durch Selbstmord entzogen, andere konnten untertauchen und flüchten.“

 

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[1] ULLRICH 2020.