Siedehütten und Salinenasche

Klaus A.E. Weber

 

Söltjerbrunnen vor dem Rathaus in Bad Münder

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Rohstoff Salinenasche

Nebenprodukt als Flussmittel

Die "gute" Holzasche, die im Siedeprozeß bei der Befeuerung der Siedepannen in den Salinen entstand, war reich an Kaliumcarbonat (K2CO3), weshalb sie als Nebenprodukt an Glashütten verkauft wurde.[15][17]

In den Glashütten wurde die „Salz-Sieder-Asche“ als Flussmittel umfangreich genutzt.

Nach LOIBL [8] war die Salinenasche "in Glashütten als Flussmittel besonders begehrt, da diese aufgrund des hohen Natriumanteils mehr Quarzsand zum Schmelzen brachte, als jede andere Aschensorte.“

Im Einzelnen führt LOIBL hierzu weiter aus:

Da die enorme Energiegewinnung zur Erhitzung der Sudpfannen auf allen Salinen durch Holz erfolgte, produzierten die Salzsiedereien in den Salzorten – quasi als Abfallprodukt – riesige Quantitäten an Holzasche, die sich Glashütten zunutze machen konnten.

Die hervorragende Wirkung als Flussmittel resultierte wahrscheinlich aus den getrockneten Salzresten, die beim Erhitzen der Sudpfannen durch Überkochen, Unachtsamkeit oder undichte Gefäße in die Asche gelangt waren und dadurch den Natriumgehalt der Verbrennungsrückstände wesentlich erhöht hatten.

Möglicherweise begünstigten die Prozeduren der Salzsieder die Bildung von Natriumkarbonat (Na2CO3) in der Asche, wodurch beim Glashütteneinsatz “eine ähnliche Flussmittel-Wirkung wie bei der Soda erzielt worden wäre.

Vermieden wurden damit offenbar die negativen Begleiterscheinungen des Kochsalzes, das auf Glashütten immer wieder vergeblich als Flussmittel versucht worden war.“

 

Salz und mittelalterliches Holzasche-Glas

Zum Einsatz von Kochsalz bei der Herstellung von mittelalterlichem Holzasche-Glas führt BERGMANN [1] aus, dass regional mit einem Zusatz von 5-8 % Kochsalz ein Defizit an Kalium durch die wertlosere Holzasche kompensiert wurde.

Dies sei an einem Rest von 0,7-1 % Chlor zu erkennen, nach dem der Kochsalzzusatz beim Erhitzen zum Teil verdampfte.

Bei ALMELING [4] werden als Minorbestandteile in zwei Glasproben um 1600 0,02 % und 0,07 % Chlor angegeben.

Analysen von Buchenasche von verschiedenen Standorten erbrachten den, wenn auch geringen Nachweis an Natriumchlorid.[2]

Wie bei STEPHAN [6] ausgeführt wird, ergaben Probeanalysen des „Holzasche-Kalk-Glastyps aus Wittenberg“, dass bei deren Herstellung eine erhebliche Salzzugabe – Kochsalz (NaCl) und Natriumsulfat (Na2SO4) als Beimengung erfolgte, um den Natriumgehalt der Glasschmelze anzureichern.

 

1868 errichtetes, scheunenartiges Fachwerkgebäude mit zwei hölzernen Solebehältern

Saline Salzderhelden │ Oktober 2021

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Saline Salzderhelden in der Leineniederung

Der Solling mit seinem Umland bot im Mittelalter günstige Standorte mit Salzquellen zur wirtschaftlichen Solenutzung.[3]

In dem zuvor beschriiebenen Kontext findet um 1760 auch die "genehme" Salinenasche aus der Saline Salzderhelden Beachtung, die sich allerdings außerhalb der Kurfürstlichen Kammer in Hannover befindet.[15]

Zeichnerische Rekonstruktion von Wolfgang Braun

 

Wie STROHMEIER [13] ausführt, befindet sich unter dem Leinetal in dem Raum Sülbeck [14], Salzderhelden und Vogelbeck "ein mächtiger aufgestiegener Salzkörper aus Zechstein-Salzen der Ober-Perm".

In dem historisch bedeutenden Salzwerk im alten Ortskern von Salzderhelden wurde bereits im 12. Jahrhundert aus einem Brunnen eine etwa 6%ige Sole geschöpft und in 15 Salzkoten (Salzsiedepfannen) zu Salz gesiedet.

Zwischen den beiden Salzwerken Sülbeck (Saline mit stärkerer Solequelle) und Salzderhelden (verkehrsgünstigere Lage nach Einbeck) bestand eine andauernde wirtschaftliche Konkurrenz, einhergehend mit historisch bedingten Ressentiments.[14]

Bislang ungeklärt ist noch die Frage, welche Bedeutung „Salz-Sieder-Asche“ aus Salzderhelden möglichweise für die relativ nahe gelegenen Waldglashütten im Umfeld des Hellentals im Solling gehabt haben.

 

Museum Salzderhelden

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Bekannt ist, dass von Salzhemmendorf - auch im Schleichhandel - Salinenasche zur geografisch nahen, besser bezahlenden Glasmanufaktur Schorborn im benachbarten Herzogtum Braunschweig gelangte.[10]

Für die Schorborner Filialglashütte am Pilgrimsteich ist belegt, dass 1802 "besonders Salzasche ... von Nordheim, Eimbeck und aus dem Hildesheimschen … hergeholt" worden war.[11]

 

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[1] BERGMANN 2008, S. 89.

[2] LOIBL 1996, S. 28.

[3] STEPHAN 2010, S. 143-144.

[4] ALMELING 2006, S. 33 Abb. 10, 34.

[6] STEPHAN 2021, S. 285.

[8] LOIBL 1996, S. 61.

[10] JARCK/SCHILDT 2000, S. 501-502.

[11] HASSEL/BEGE 1802, S. 164-165 (3).

[13] STROHMEIER 2003, S. 11.

[14] Zusammenfassung der Geschichte der Saline Sülbeck: STROHMEIER 2003, S. 11-33.

[15] STROHMEIER 2003, S. 14,16.

[17] GEBHARDT 2021b, S. 58.