Ein "Vierpfünder" im abgelegenen Hellental

Klaus A.E. Weber

 

Im Schreckensjahr 1761

Über ein Gefecht im Siebenjährigen Krieg bei Neuhaus im Solling in der Nacht vom 13./14. September 1761 berichten ausführlich CREYDT/SCHAMETAT.[1][2]

Am 13. September 1761 schickt Hilmar Leopold von Mansberg, General unter Herzog Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel (1721-1792), von Anhöhen bei Neuhaus/Wildenkiel aus seinem Corps eine Patrouille nach Merxhausen, eine weitere nach Sievershausen und Dassel.

Beide Patrouillen wurden jedoch von französischen Truppen vollständig ausgehoben und kehrten nicht zurück.“[2]

 

Kanonenkugel - dorfnaher Fund bei Hellental

Als mögliches materielles Zeugnis des Schreckensjahres 1761 kann die wahrscheinlich von französischen Soldaten in der Nähe von Hellental abgeschossene oder verloren gegangene Kanonenkugel angesprochen werden, da seinerzeit französische Feld-Kanonen vierpfündige Kugeln abfeuerten.[1][2]

Im Gegensatz hierzu verfügte die braunschweigische Artillerie nur zwei- und dreipfündige Geschütze.

Der Fund der Kanonenkugel aus Eisen [3], mutmaßlich einem 4-pfündigen Geschütz zuordenbar, kann in den Zeitraum 1757-1761 datiert werden.[1]

Am Osthang des mittleren Hellentals, unweit des heutigen Dorfeingangs von Hellental, soll am dort verlaufenden Mittelweg einst ein tief abgesenkter "Franzosengraben" [4] bestanden haben.

Ob hierbei möglicherweise ein historischer Zusammenhang mit Kampfereignissen des Siebenjährigen Krieges gesehen werden kann, ist bislang nicht zweifelsfrei geklärt.

 

∎ Gegossene vierpfündige Eisenkugel

ca. 1757-1761

Kanonenkugel einer französischen Artillerie (?)

Gewicht: 2.230 g │ Durchmesser: 77 mm

[hmh Inv.-Nr. 1084

 

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[1] CREYDT/SCHAMETAT 2020, S. 51-52; CREYDT 2020c, S. 37-90.

[2] CREYDT/SCHAMETAT 2022.

[3] Die Eisenkugel wurde 2015 von Susanne Meyer (Hellental) dorfnah in der Helle gefunden. │ Untersuchung und Zuordnung durch Magnus Kliewe (Einbeck).

[4] Franzosengraben ist eine häufig gebrauchte, unbestimmte Bezeichnung.