Lange Wilddiebstradition im Solling

Klaus A.E. Weber

 

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Ganz frei von Wilddieben war der Solling nie – und ist es vielleicht auch heute noch nicht.“[4]

 

Im Schutze von Nacht und Nebel heimlich auf „Pirsch gehen“

Die im entlegenen Hellental verlaufende Landesgrenze zwischen dem Herzogtum Braunschweig und dem Königreich Hannover (ab 1866 preußische Provinz) war ehemals berüchtigt, wegen der häufigen, polizeilich verfolgten Wilddieberei in dieser exponierten Sollingregion.

Neben dem Wildern mit der Schusswaffe, das vornehmlich dem Erbeuten von Rehen und Hirsche galt, konnten „auch harmlos wirkende Dorfbewohner dem illegalen Gewerbe mit Schlingen und Netzen nachgehen“.[5]

 

Ehemalige Jagdtziele von Wilderern im Solling │ September 2021

besonders der Rothirsch (Cervus elaphus), seltener das Wildschwein (Sus scrofa)

Wildpark Neuhaus │ September 2021

© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

Nächtliche Freijagden der Solling-Wilderer

Gelegentlich wird noch heute in Hellental über die landläufige Wilddieberei berichtet, zum einen angesichts des Verlaufes „der Grenze“, dem Grenzbach Helle im Talgrund und der damit verbundenen naturräumlichen Territorialgrenze, zum anderen in Verbindung mit der vorherrschenden bitteren Armut und Not in der Dorfbevölkerung jener Tage.

Ein Sprung im Schutze des dichten Talnebels oder der nächtlichen Dunkelheit über den Helle-Bach - über „Die Grenze” - war damals gleichbedeutend mit einem zunächst sicheren Sprung in eine andere polizeibehördliche Zuständigkeit eines anderen Landes bzw. Amtes und Gerichtes.

Dies erschwerte die Strafverfolgung von Wilddieben erheblich und begünstigte geradezu die Wilddieberei in dieser alten natürlichen Grenzregion.

 

"Im Rausch des Unerlaubten - Wilddiebe im Solling"

Waren die Wilddiebe im Solling Schwerverbrecher oder edle Räuber wie einst Robin Hood?

Dieser Frage ging der Vortrag von Daniel Althaus (Uslar-Ahlbershausen) in Hellental am 12. März 2010 nach, der sich im Rahmen seiner Magisterarbeit intensiv mit dem Thema beschäftigt hat.

Der Schwerpunkt seiner Untersuchungen lag auf dem 18. und 19. Jahrhundert, wobei sein Blick auch über diesen Zeitrahmen hinausschweifte.

Die Taten fast legendärer Wilddiebe, wie Schöatchen Bartels aus Sievershausen, wurden ebenso beleuchtet wie das Leben der vielen unbekannten Wildschützen, die ihre Spuren in den Archivalien der Staatsarchive, Zeitungsberichten oder den Aufzeichnungen Heinrich Sohnreys hinterlassen haben.

Dargestellt wurden die Lebenswelt der Sollinger und die Beweggründe, die einige von ihnen in die Illegalität trieb.

Es fehlten natürlich auch nicht ihre Gegenspieler, die Forstbeamten, die im „Kampf gegen das Wilderertum“ Leib und Leben riskierten und nur wenig Verständnis dafür aufbrachten, wenn der Wilderer unter den kleinen Leuten ein gewisses Ansehen genoss.

Die Weitentwicklungen der Kriminaltechnik, vor allem die immer professionellere Spurensicherung, führten zu immer besseren Aufklärungsraten.

Wenn die Beamten einen Wilddieb ergriffen, drohten diesem schwere Strafen, wobei auch die Beurteilung des Straftatbestands im Laufe der Zeit einem kontinuierlichen Wandel unterlag.

Auch dieser Aspekt des Themas kam in dem Vortrag nicht zu kurz.

 

Wandteller "Hirschhatz im Gebirge"

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

∎ Gusseiserner Wandteller, schwarz

„Hirschhatz im Gebirge“

Durchbruchteller, Eisen-Kunstguss

Eisengießerei O. Gattermann, Dassel

[hmh Inv.-Nr. 1266

 

Schnitzarbeit „Der Wilddieb“

um 1980

 

Der Sollingwald als Hochburg der Wilddieberei

Im Solling hat das Wildern eine lange Tradition und besonders im 18. und 19. Jahrhundert gehörte dieses Phänomen noch zum jagdlichen Alltag.“[5]

Über Jahrhunderte hinweg war das Jagen in den ausgedehnten Wäldern des Sollings ein ausschließliches Privileg des Landesfürsten und des Adels, während die Dorfbevölkerung häufig unter großer Armut und Hungersnot litt und zudem Wildschäden entschädigungslos hinzunehmen waren.

Dass ein Wild-oder Jagdschaden stets von den Landbesitzern entschädigungslos hinzunehmen war, verweist auf ein drängendes Problem jener Zeit, welches erst im 19. Jahrhundert gelöst werden sollte.

"Der Ackerbau liefert geringen Ertrag.

Der Boden der hochliegenden, den Ostwinden ausgesetzten Feldmark ist kalt, und es mangelt an Dünger.

Ackerland, Gärten und Wiesen sind im Verhältnis zu der Bevölkerung zu gering und außerdem ist der Wildschaden beträchtlich. (…)

Die Bevölkerung des unglücklichen Ortes stützt sich aber nicht nur auf erlaubte Beschäftigung.

Verbrechen und Betrügerei bilden Erwerbszweige.

Die Wilddieberei ist durch ernstliche Maßregeln unterdrückt."

Die Wilderei weist im braunschweigschen wie im hannoverschen Solling eine lange Tradition auf.

 

Kupferstich „Hirschjagd“ von Jost Amman, um 1560 [1]

 

Dem herrschaftlichen Jagdprivileg der Obrigkeit und deren Jagdgesetzen widersetzten sich immer wieder Wilderer als „Rebellen des Waldes“ [15], deren Spuren mehr als drei Jahrhunderte zurückreichen – und zu einer Vielzahl von „erlebten und erlauschten“ Erzählungen, Wilddiebs- und Kriminalgeschichten Anlass gaben.[16]

Die Spuren der „Rebellen des Waldes“ reichen im Solling mehr als drei Jahrhunderte zurück.[25]

Trotz ihrer Verfolgung durch Gendarmen und Forstbeamte konnten die meisten Solling-Wildschützen listig über lange Zeiten hinweg erfolgreich auf die nächtliche Pirsch gehen, da sie von einem dicht geflochtenen sozialen Netzwerk im Dorf wirksam unterstützt wurden.[26]

Im Zusammenhang mit der landläufigen Wilddieberei werden vornehmlich die am östlichen Sollingrand liegenden Walddörfer Abbecke, Sievershausen [27] und Schönhagen erwähnt.

Gerade das unweit von Hellental im ehemals hannoverschen Bereich des Sollings gelegene, von bitterer Armut geprägte Dorf Sievershausen galt zur Mitte des 19. Jahrhunderts als Hochburg der Wildschützen.

Die überwiegende Zahl der Wilderer jagte weidgerecht mit der Büchse, die für den Wilddieb von zentraler Bedeutung war.

Der Besitz eines eigenen Steinschloss-, später Perkussionsgewehres verlieh ihm ein gewisses Sozialprestige in seiner Umgebung.

Verständlicherweise bevorzugten die meisten Wilddiebe relativ kurze oder leicht zerlegbare Gewehre, die sie unauffällig verstauen und mitführen konnten.

Für die armen „kleinen Leute“ der Sollingregion, für die Kleinbauern und Waldarbeiter, war es recht schwer gewesen, sich überhaupt eine eigene Büchse zu leisten.

Meistens wurde die Büchse vom Vater auf den Sohn vererbt oder aber von Freunden geliehen.

Als die besten „Waffenlieferanten“ sollten sich immer wieder die großen Kriege erweisen – vom Dreißigjähren Krieg (1618–1648), über den Ersten Weltkrieg (1914-1918) bis hin zum Zweiten Weltkrieg (1939–1945).

Frischfleisch und Fleischprodukte waren bei den „kleinen Landleuten“ des Sollings stets knapp; sie konnten sich nicht dem Luxusbedürfnis eines Reh- oder Wildschweinbratens hingeben.

Viele Wilderer konnten billig frisches Wildfleisch lieferten, manchmal auch auf Bestellung, weshalb sie in der einheimischen Bevölkerung beliebt waren.

Zu den Kunden der Wilddiebe zählten u.a. auch Gastwirtschaften in der Region.

Hierbei sei auf die alte Beschreibung von LAMBRECHT [2] hingewiesen , wonach in der Nähe des Sollingdorfes Hellental noch Löcher waren (Wolfskuhlen), in denen die letzten im Solling noch vorhandenen Wölfe gefangen worden seien.

Neben dem billigen "Stück Wilt" und verschiedenen Naturheilmitteln, warf bei der örtlichen Volksmedizin insbesondere der aus Hirschfett hergestellte Hirschtalg für Wildschützen einen guten Nebenverdienst ab.

Die Hirschtalgsalbe wurde im 19. Jahrhundert über Medicinhändler als Wundermittel verkauft.[28]

Solling-Wilderer gerieten – teils einzeln, teils in Banden [17] - wiederholt in dem wilden Waldgebiet des Sollings in teils abenteuerliche, gelegentlich auch blutige bis hin tödlich endende Konflikte mit den Jagdherren und deren Bedienstete (Jäger und Förster).

Es war ein langer, oft auch unbarmherzig von Feuergefechten blutig begleiteter Kampf zwischen Jäger und Gejagtem, zwischen legalen Förstern als Gesetzeshüter und illegalen Wilderern.

Abhängig von den Lebensumständen handelten die „Rebellen des Waldes“ nach recht unterschiedlichen Motiven - und vor allem pragmatisch.

So versuchten einige der Wilderer, ihre Äcker vor Wildtieren zu schützen, ihre kargen finanziellen Einkünfte oder ihre Ernährungssituation zu verbessern, andere hingegen gingen nur ihrer persönlichen Jagdleidenschaft oder sozialen Rebellion nach.

Hierzu ist das aktenkundige Schicksal der Gebrüder Frommen als Großköthner in Heinade (Amt Wickensen) ein beredtes Beispiel des Jahres 1779, die sich als vermeintliche Wilddiebsbrüder über die nahe Landesgrenze nach Dassel ins Bistum Hildesheim absetzten.[3]

Die wegen Wilddieberei gesuchten Gebrüder Frommen richteten 1779 eine Bittschrift der Gebrüder Frommen an den Herzog von Braunschweig mit dem Hinweis, dass sie Haus und Hof, Ehefrauen und acht unmündige Kinder in Heinade zu versorgen hätten.

Als Begründung für ihr Vorgehen als vermeintliche Wilddiebe führten sie aktenkundig aus:

Wir besitzen in der Heinader Feldmark vor dem Holtze, der Gänse Fuß genannt, einen vier Morgen haltenden Acker Land, den wir zur künftigen Erndte mit Winter-Frucht bestellet, und besaamet, und wie wir bemerkten daß uns das Wild am der aufgegangenen Saat viel Schaden zufügte, so gingen wir am Sonntage, […] kurtz vor Anbruch des Tages mit geladenem Gewehr nach dem Lande, um das Wild daselbst durch blinde Schüsse zu verscheuchen

Wir fanden auch einige Rehe auf dem Lande, und wie wir unsere Flinten ohne Ziel und Absicht etwas zu treffen, oder zu erlegen, loos feuerten, schossen wir gleichwohl zum Unglück ein Reh in den Lauf, verfolgten auch dasselbe in der Übereilung und warffen das verwundete Reh in den Bäumchen des Holtzes mit einem Stein zu Tode.

Wir hatten uns schon vereinbarrt, daß wir das tactum, so wie es sich zugetragen, denen Forstbediensteten melden und das mit einem Stein zu Tode geworffene Reh gehörig bezahlen wollten, als des Försters Langhelds Lehrbursche [der 19-jährige Bursche Meyer] daher kam, und uns bey dem todten Reh stehend antraf.“

Zur Frage, welche Strafen die von Jagd- und Forstbeamten vor Ort gefassten Wilddiebe in früheren Zeiten, im 18. und 19. Jahrhundert, offiziell zu erwarten hatten, kann einer zusammenfassenden Veröffentlichung von ALTHAUS [6] entnommen werden.

Nacht für Nacht zogen teils auch herrschaftlich gezüchtete Hirsche und Wildschweine die ohnehin dürftige Feldmark schwer in Mitleidenschaft, so dass existentiell bedrohten Dorfbewohner*innen im Freischützen sympathisierend gewissermaßen einen Dorfhelden sahen.

Ein Überleben der „kleinen Landleute“ in den Sollingdörfern war in jener armen Zeit letztlich nur durch Gesetzesübertretungen möglich.[18]

Der Solling galt mit seinen dichten und wildreichen Waldbeständen für lange Zeit als Hochburg der grenzenlosen Wilddieberei, die sich - aus sozialgeschichtlicher Perspektive - als so genannte Freijagd im 19.-21. Jahrhundert bei schwierigen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Hintergründen entfaltete.

Vor allem in den verarmten Walddörfern des Sollings wurde die „Freijagd“ von den Dorfbewohner*innen unterstützt.

Wilderer, meist Waldarbeiter, wurden oft gar zu Helden der kleinen Landleute hochstilisiert gefeiert und literarisch wie durch Lieder romantisierend verklärt dargestellt, indem die „Helden der Nacht“ zugleich auch als "Rebellen" gegen die landesherrliche Obrigkeit angesehen wurden, die das einst genommene alte Recht auf freie Jagdausübung für alle zurückforderten.[19]

In den Jahren zwischen 1840 und 1880 herrschte im gesamten Solling eine schwere Wirtschaftskrise, die zur Blütezeit der „Freijagd“ in den Sollingwäldern führte.

Insbesondere das deutsche „Revolutionsjahr“ von 1848 gilt als das Jahr der Solling-Wilderer.

So wurden allein im braunschweigischen Solling 1848/1849 etwa 500 Stück Rotwild erlegt.

Als sich während des Ersten Weltkrieges (1914–1918) ziemlich rasch eine einschneidende Ernährungskrise entwickelte, kam es erneut zur Zunahme der Wilderei in dem wald- und wildreichen Mittelgebirge des Sollings.

Zudem brachten nach Kriegsende 1918 viele heimkehrende Soldaten ihre Karabiner und wohl auch entsprechende Munition mit nach Hause, die sie auch privat zu nutzen wussten.

In den Jahren 1927/1928 fanden die „großen Sollinger Wilderer-Prozesse“ statt.

Am 30. Oktober 1927 berichtete das Göttinger „Volksblatt“ anlässlich einer Gerichtsverhandlung wegen Wilddieberei im Solling anschaulich über die zu Beginn des 20. Jahrhunderts vorherrschende, sozial äußerst problematische Lebenssituation wildernder Waldarbeiter in der abgelegenen Sollingregion:[30]

"Auch die trostlose soziale Lage treibt Forstarbeiter oftmals zur Wilderei.

Man muß sich einmal die ärmlichen Wohnungen ansehen, den kärglichen Lohn in Betracht ziehen und bedenken, daß der größte Teil des erbeuteten Wildes in den Haushaltungen der Angeklagten verzehrt ist, und man weiß, daß eine andere Triebfeder zum Wildern die soziale Notlage ist. …"

 

Herzogliche Verordnung von 1771 [7]

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Herzogliche Verordnungen

"die Wilddieberey im Weser-District betreffend"

Im Lauf der Jahrhunderte waren im Herzogtum Braunschweig mehrere Verordnungen gegen die Wilddieberei erlassen worden.

Das Wilddiebswesen muss während der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in den Braunschweiger Forstrevieren des Sollings ein solch bedrohliches Ausmaß angenommen haben, dass es Herzog Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel (reg. 1735-1780) für dringend geboten ansah, in den Jahren 1767 und 1771 Verordnungen zu erlassen, betreffend "die Wilddieberey im Weser-District".

Verschärfend erging am 30. Dezember 1771 die "ernstliche" herzogliche "gnädigste Verordnung, die Wilddieberey im Weser-District betreffend" mit Schießbefehl:[20]

 

Von Gottes Gnaden,

Wir, CARL, Herzog

zu Braunschweig und Lüneb.

fügen hiemit zu wissen: Demnach die Wild=

dieberey zum größten Schaden und Ver=

derben Unsrer Wildbahn im Sollinger=Walde

und andern dort herumliegenden Forsten,

abermals dergestalt überhand genommen hat,

daß Wir Uns genöthiget sehen, dagegen die

strengsten Mittel vorzukehren; so befehlen

Wir hiedurch Unsern dasigen Jagd- und Forstbe=

dienten, auf jeden, den sie in der Wildbahn

mit einem Schießgewehr betreffen, sogleich

scharf zu schiessen, wenn er nicht auf das

erste Anrufen solches von sich wirft und ste

hen bleibt. Hingegen wollen Wir demjeni-

gen welcher Gelegenheit giebt, daß ein Wild=

dieb betroffen und zur Haft gebracht

werden kann, mit Verschweigung seines Names

eine Belohnung von zwanzig Reichsthalern

reichen lassen, auch ihn mit aller Strafe ver-

schonen, wenn er sich etwan selbst der Wilddieb-

erey schuldig gemacht hat.

Damit nun diese Unsre ernstliche Willens=

meynung zu jedermanns Wissenschaft kom=

me, und sich keiner mit der Unwissenheit ent=

schuldigen könne; so ist selbige an den ge=

wöhnlichen öffentlichen Oertern anzuschla=

gen, von den Bauermeistern den Einwohnern

ihres Dorfes, von den Predigern aber alle

Vierteljahr in den Kirchen vorzulesen, und

haben diese dabey die große Sünde vorzustel=

len, derer sich die Wilddiebe sowol überhaupt,

als besonders dadurch schuldig machen, daß

sie ihr Leben in Gefahr setzen. Urkundlich

Unsrer eigenhändigen Unterschrift und bey-

gedruckten Fürstl. Geheimen=Canzleysiegels. Gegeben Braunschweig, den 30. Dec. 1771.

CARL

Herz. z. Br. u. L.

(L.S.)

[H. B. v. Schliestedt.]

 

Seine Vorgängerverordnung [22] von 1767 besagte bereits:

Wer zum Wildschießen auszieht, ohne es ausgeführt zu haben, sol mit einigen Monaten, wer aber wirklich geschossen hat, mit einigen Jahren oder auf Lebenszeit mit dem großen Karren [23] bestraft werden.

Wer bei der Arrettierung Feuer gegeben hat, auch wenn niemand beschädigt ist, auf den soll die Todesstrafe erkannt werden.

Somit sollte auf Wilddiebe, die nach Anruf nicht stehen blieben oder sich wehrten, sofort geschossen werden.

Eine Gefängnisstrafe erhielt bereits derjenige, der auf dem Weg zur Wilddieberei angetroffen wurde, ohne bereits einen Schuss abgegeben zu haben.

Umgekehrt waren manche Wilderer nicht zögerlich, bei ihren nächtlichen „Freijagden“ im Solling auch auf landesherrliche Jagdbedienstete (Förster) mit ihren alten Steinschlossgewehren und später mit ihren modernen Perkussionsgewehren zu schießen.

Einige Denksteine für die von Wilderern erschossenen Förster stehen als Gedenksteine (Jagddenksteine) in der Sollingregion.[24]

 

Aufgebrochenes Wildschwein

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Wilddiebe nach Ende des Zweiten Weltkrieges

Im umgebenden Sollingforst ("Mackensches Holz") lagen zahlreich weggeworfene Waffen aus dem Zweiten Weltkrieg umher.

Dadurch waren im Dorf Hellental einige Wilddiebe zugegen, die sich der Schusswaffen bedienten.

In der "Englischen Besatzungszone" gelegen, mussten später alle Waffen an die englischen Streitkräfte abgegeben werden.

 

Literaturhinweise

ALTHAUS, DANIEL: Wilderer im Solling und der Versuch ihrer Bekämpfung im 18. und 19. Jahrhundert.
Holzminden: Mitzkat 2006.

CREYDT, DETLEF: Begegnungen auf Leben und Tod: Förster und Wilderer im Solling. Jagd-, Wild- und Waldgeschichten im Laufe der Jahrhunderte.
Holzminden: Mitzkat 2010.

 

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[1] Abb. in: Lesebuch 1937, S. 253 │ Einzelblatt Kupferstich-Kabinett, Berlin.

[2] LAMBRECHT 1863.

[3] ALTHAUS 2019; ALTHAUS 2025, S 31; NLA Wolfenbüttel, 4 Alt 10 lI Nr. 164b.

[4] ALTHAUS 2025, S. 35.

[5] ALTHAUS 2025, S 27.

[6] ALTHAUS 2025: S. 33-35.

[7] Abb. aus der Hinterlassenschaft des ehemaligen Wald- und Löns-Museums Hellental von Willi Lessmann.

[15] „Rebellen des Waldes – Die Geschichte der Wilderer im Solling“, Ausstellung im Museum Uslar vom 10.09.–14.11.2004. Eine umfassende Darstellung der „Wilderer im Solling“ mit Dokumentation aktenkundiger Fälle, ihres Umfeldes und des behördlichen Versuches der Wildererbekämpfung im 18./19. Jahrhundert ist der gleichnamigen Monographie von ALTHAUS 2006 sowie von ALTHAUS 2025 zu entnehmen.

[16] BLIESCHIES 1978, S. 38-48.

[17] nach BLIESCHIES 1978, S. 43: oft 10-15 Mann starke Wildererrotten (Treibjagden).

[18] SPIEKER/SCHÄFER 2000, S. 208.

[19] ALTHAUS 2006, S. 8; SOHNREY 1929, S. 323-358.

[20] zitiert in SOHNREY 1929, S. 323-324; Abb. aus der Hinterlassenschaft des ehemaligen Wald- und Löns-Museums Hellental von Willi Lessmann.

[21] Fürstliches Kanzleisiegel.

[22] zitiert in RAULS 1983, S. 326.

[23] Zuchthaus.

[24] BLIESCHIES 1978, S. 43.

[25] „Rebellen des Waldes – Die Geschichte der Wilderer im Solling“, Ausstellung im Museum Uslar vom 10. September – 14. November 2004.

[26] nach BLIESCHIES 1978, S. 38-48; SOHNREY 1929, S. 343-344: Die bekanntesten Solling-Wilderer waren u.a. Papenberg, Schmidtmann, Johann Reinhold, Gömann, Schlimme, Kilalli und „Schätchen“ Bartels (Schüttgen-Bartels).

[27] etwa 6 km Luftlinie von Hellental entfernt.

[28] SCHÄFER 2003, S. 64. Hirschtalg wurde als Universalbe seit alters her bei Hautverletzungen und gegen besonders trockene, rissige Haut eingesetzt.

[29] Ein zusammenfassender lokal- und regionalhistorischer Überblick über das vielseitige Spektrum der „revolutionären“ Entwicklung des Jahres 1848 im Königreich Hannover und im Herzogtum Braunschweig ist dem 1999 erschienenen Sammelband von SEELIGER „1848 – (K)eine Revolution an Weser und Leine“ zu entnehmen.

[30] aus „Rebellen des Waldes – Die Geschichte der Wilderer im Solling“, Ausstellung im Stadtmuseum Uslar vom 10.09.–14.11.2004.

[35] NÄGELER/WEBER 2004, S, 145, 711; CREYDT 2010, S. 132.

[36] * 03. November 1820 in Merxhausen – Heirat in Hellental am 02. April 1848; aus der Ehe gingen 1846-1861 sieben Kinder hervor.

[40] hinterlegt bei SOHNREY 1929, S. 324-325.