Die regionale Brauerei Allersheim

Klaus A.E. Weber

 

Baumgarten’s Brauerei Allersheim-Holzminden │ Brauerei Allersheim - seit 1854

 

© Archiv Historisches Museum Hellental

 

Einst regionale Traditionsbrauerei - seit 1854

Die lange und erfolgreiche Geschichte der Allersheimer Brauerei im Landkreis Holzminden beginnt damit, dass im Zuge der Industrialisierung die „Baumgarten’s Brauerei Allersheim-Holzminden“ vom damaligen Pächter der Domäne Allersheim, dem Amtsrat Otto Baumgarten, im Jahr 1854 gegründet wird.

Ziel ist es, neben dem wenig ertragreichen Ackerbau durch den Brauereibetrieb ein zweites Standbein für die Allersheimer Domäne zu etablieren.

Unter Verwendung von frischem Quellwasser aus dem Solling führt Baumgarten, der in München die Braukunst erlernt hatte, das untergärige „Allersheimer Lagerbier“ ein.

Die Gerste zum Bierbrauen wird zunächst auf dem Allersheimer Domänenland angebaut.

Wurde der Hopfen eingangs zugekauft, so kann er später auf dem Burgberg nördlich von Bevern in einem Hopfengarten von 1¼ Hektar angebaut werden.

Bei steter Weiterentwicklung braut die Brauerei Allersheim erfolgreich ein klassisches untergäriges Vollbier nach Pilsener Brauart.

 

Wandteller „125 Jahre Allersheimer Bier 1854 - 1979“

Porzellanmanufaktur Fürstenberg

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Mit dem Ausbau der Kapazitäten wird 1900-1901 mit erstmals 40.000 Hektoliter eine Verdoppelung des Bierausstoßes gegenüber den Vorjahren erzielt.[3]

Im Jahr 1929 wird die 1876 in der Stadt Holzminden gegründete Brauerei Hodapp und ab 1912 als Brauerei Hodapp & Decker geführte Konkurrenzbrauerei aufgekauft und in der Folgezeit geschlossen.

Um 1950 wird das Allersheimer Bier mit neun Lastkraftwagen und fünf Pferdegespannen ausgeliefert.

Die 1978 erworbene Brauerei Förster & Brecke in Hameln wird 1985 geschlossen.

1979 erhält die „Baumgarten’s Brauerei“ den heutigen Namen „Brauerei Allersheim“.

Zwei Jahre später wird die 0,33 Liter-Bügelflasche wiedereingeführt.

Im Zeitraum 1978 bis 2009 werden 3,015 Millionen Hektoliter Bier in den Handel gebracht.[3]

 

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Das „Gold des Weserberglandes“

Das herb, bitter und stark nach Hopfen schmeckende „Allersheimer Urpils“ weist eine helle, goldgelbe Farbe auf, worauf im Marketing die Beschreibung „Gold des Weserberglandes“ beruht.

Die regional prägende Traditions-Brauerei Allersheim GmbH, die das mehrfach ausgezeichnete Allersheimer Urpils [1] braute, stellt ihren Braubetrieb im Sommer 2024 nach 170 Jahren am alten Standort in Allersheim bei Holzminden ein.

Nach 170 Jahren wurde im Jahr 2024 di Brauereibetrieb von der Brauerei Westheim übernommen.

Zwei Jahre später wird am 27. Juli 2026 bekannt, dass ein Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung mit einer unternehmerischen Neuausrichtung eingeleitet wurde.[2][3]

 

 

∎ Werbetafel „Brauerei Allersheim“ │ 1970er Jahre

"Auch hier gibt es Allersheimer Bier"

Allersheimer Pilz │ Allersheimer Märzen-Export

Kunststoff │ Verkaufsstelle Hempel in Hellental │ 1970er Jahre

 

Werbetafel "Allersheimer Bier" │ 1970er Jahre

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Freiwillige Feuerwehr Hellenthal │ 1911

Gebauchtes Bierfass mit der Aufschrift „§ 11“

© Historisches Museum Hellental

 

∎ Gebauchtes Eichenfass │ 53 Liter │ 1960er Jahre

Historisches Fass aus Eichenholz der Brauerei Allersheim für Fassbier

Fassdauben und Bodenbretter der Deckel aus Eichenholz, maschinengesägt

vier Fassreifen aus Eisen, nicht vernietet

seitlich ein offenes Spundloch mit Innengewinde

Metallbuchse als Zapfhahnloch

eingeschlagene Stempel auf dem oberen Fassdeckel:

  • Fasszahl: 5861

  • Volumenangabe: 53 l

  • DR 5 │ 70 = Fasseichmarke: Eichbehörde, geeicht bis 1970

Maße:

  • Höhe: 55 cm │ Umfang: 160 cm │ Durchmesser Deckel: 43 cm

Eichenholz, Eisen

[hmh Inv.-Nr. 1372

 

Gebauchtes Eichenfass Allersheim │ 1960er Jahre

© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

Seit Jahrhunderten war Eichenholz wegen seiner Holzstruktur als masssives Hartholz der bevorzugte Werkstoff für Bierfässer, die dauerhaften Beanspruchungen standhalten müssen, da die dichten Jahresringe, die natürlichen Gerbstoffe (Tannine) sowie die feinporige Oberfläche das Eichenholz widerstandsfähig gegenüber Feuchtigkeit, Temperaturschwankungen und mechanische Belastung machen.

Zwischen 1960 und 1970 wurden die Holzfässer gegen leichtere Aluminium-Fässer ausgetauscht.

 

Natureiskiste „Allersheim │ um 1905

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

∎ Natureiskiste „Allersheim" │ um 1905

Eiskiste mit der Brauerei-Markierung „Allersheim │ 62 │ 157“

ehemaliger Standort im Keller der Timmermannschen Gastwirtschaft in Hellental │ um 1905

[hmh Inv.-Nr. 1334

  • dicht gearbeitete Holzkiste mit Deckel, um im Keller der Gastwirtschaft in den Sommermonaten Natureisblöcke zu lagern, die mutmaßlich aus einem der im 19. Jahrhundert angelegten Felsenkeller des Bierberges bei Dassel angeliefert wurden

  • innen ausgeschlagen mit Zinkblech und Auslauf

  • zwei Holztragegriffe │ Eisenbeschläge

  • Maße: Länge: 120 cm │ Breite: 52 cm │ Höhe: 46 cm

  • Fichtenholz │ Eisen

Blechschild mit Herstellerangaben:

"Kramer & Schroeder │ Dortmund-Dorstfeld │ Tel. 64603"

Die Entwicklung und Verbreitung von Kühlanlagen und Kühlschränken beendete diese Form der Konservierung.

 

In der Schausammlung

∎ Bierflasche Allersheim „Haustrunk“ │ um 1960

Pressglas, farblos

Aufdruck (hellblau, durch Bodenlagerung verändert):

HAUSTRUNK Brauerei Allersheim Holzminden

Flaschenboden: 0,5

Glasmarke Kleeblattsymbol - Herstellerkennzeichen für die Glashütte Heye in Obernkirchen/Weser

FO: Waldboden im Hellental/Solling

[hmh Inv.-Nr. 4196

 

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[1] DÖRRIES 2026.

[2] WENZEL 2026.

[3] LUBINA 2026.