Käseherstellung auf einer Waldglashütte

Klaus A.E. Weber

 

Historische Käseherstellung

Zur traditionellen Käseherstellung ist anzumerken, dass im Prinzip dann das Endprodukt Käse hergestellt werden kann, wenn Rohmilch sauer wird und sich beim "Dickgelegen" nach einer Zeit des Absetzens die festen Milchbestandteile Eiweiß, Fett, Milchzucker und Mineralstoffe von derflüssigen Molke trennen.

Milchverarbeitung im 18. Jahrhundert – Ein Experiment │ LVR-Freilichtmuseums Kommern

֍ Wie man Käse macht │ SWR 2022

 

Waldglashütte "Oberes Hellental" │ 1. Drittel 17. Jahrhundert

unglasiertes rotes und hellbraunes Bodenfragment

Zeugnisse historischer Milchverarbeitung

© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

Gebrauchskeramische Fragmente der Milchverarbeitung vor 400 Jahren

Die unscheinbaren Bodenfunde außen- und innenseitig unglasierter Fragmente flacher Irdenware werden interpretiert als Gefäßfragmente der historischen Milchverarbeitung auf der dorffernen Waldglashütte im oberen Hellental während des ersten Drittel des 17. Jahrhunderts:

  • fünf rote Bruchstücke irdener, mit Quarzkörnern gemagerter Schalen mit Drehrillen, davon vier mit Löchern

  • ein hart gebranntes, hellbraunes Fragment einer Schale (Wandstärke: 6 mm) mit Drehrillen und scheibengedrehtem Standfuß (Durchmesser: 55 mm); ein Loch zentrisch, ein Loch an dem aufsteigenden Rand.

Die durchlochten Keramikfragmente werden als archäologische Zeugnisse einer Milchverarbeitung bei landesherrlich erlaubter Weideviehhaltung gewertet, die zur Selbstversorgung der Glasmacherfamilien auf der frühneuzeitlichen Waldglashütte betrieben wurde.

Die Gefäßfragmente können am ehesten perforierten Spezialgefäßen zugeordnet werden: Käseabtropfschalen │ Käsesieben.

Die kleinen, gebohrten Löcher am flachen Boden dienten dem Abtropfen der flüssigen Molke.[1]

So konnte mutmaßlich im Sommer aus dickgelegter Schafmilch und/oder aus Ziegenmilch das fermentierte Produkt Käse als haltbares, festes Milcherzeugnis hergestellt und für den Winter konserviert werden.

Das beengte Umfeld des Glashüttenstandortes stellt sich aus heutiger Sicht für eine Beweidung mit Kühen als topografisch ungünstig dar.

 

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[1] vergl. SIUTS 2002, S. 147 Tafel 82 Nr. 100, 101.