Trichinenschau und Fleischhgiene

Klaus A.E. Weber

 

Beobachtung durch Glaslinsen

Das Mikroskop nahm eine zentrale Rolle bei der Erkennung und Erforschung von Krankheitserregern ein, wie hier bei der weit verbreiteten "Trichinenkranklheit".

In den 1860er-Jahren hatte die Trichinose als Infektionskrankheit mit epidemischem Potential im Herzogtum Braunschweig eine hervorgehobene bevölkerungsmedizinische Bedeutung, vor allem der hohe Verbreitungsgrad beim Schweine- und Wildschweinfleisch.

 

Trichinen-Mikroskop │ um 1903

verwendet von Wilhelm Schattenberg im Schaubezirk Merxhausen

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Trichinen-Mikroskop │ um 1903

Normalstativ für Fleischbeschauer

Messing - zaponiert, geschwärzt und lackiert

lackiertes Gusseisen

Holzkasten

[hmh Inv.-Nr. 1320

Das 17,5 cm hohe Reise-Lichtmikroskop mit kleinem Objekttisch wurde um 1903 von dem als Fleischbeschauer und Trichinenschauer bestellten Schuhmacher Wilhelm Schattenberg (1873-1956) im damaligen Schaubezirk Merxhausen verwendet.

Die Innenseite des mit blauer Stempelfarbe befleckten oberen Kastendeckels weist Inschriften auf, aus denen hervorgeht, dass das Mikroskop von H. Schulze in Stadtoldendorf bezogen und am 05. November 1899 vom Kreistierarzt Dr. Fischer der Herzoglichen Kreisdirektion Holzminden für „gut“ befunden und damit zugelassen wurde.[1]

Zur Trichinenuntersuchung waren standardisiert weitere „Hülfsinstrumente“ vorgegeben, wie beispielsweise als Objektträger zwei „Kompressorien“ aus durch Schrauben gegeneinander zusammendrückbaren Glasplatten.

 

∎ Reise-Fleischbeschau-Lichtmikroskop │ um 1960

[hmh Inv.-Nr. 1328

schwarz lackiertes Durchlicht-Mikroskop der Firma Ernst Leitz GmbH │ Wetzlar │ Germany

Seriennummer Nr. 497695

mit Original-Holzkasten und Zubehör, incl. Präparierbesteck

zur lichtmikroskopischen Untersuchung von „Quetschproben“

Grobtrieb über zwei seitliche Rändelräder

vormals im Bestand des Landkreises Holzminden, eingesetzt zur obligatorischen Fleischbeschau (Trichinenschau) im Schaubezirk Bessingen[1]

Optisches System

  • Okular: TK 10x Ernst Leitz Wetzlar

  • Objektiv: 3. T. K. 35 u. 100x Ernst Leitz Wetzlar

  • integrierter Kondensator im Schiebetubus

Beleuchtung des Präparats

  • drehbarer Beleuchtungsspiegel mit planer Seite

  • Blende

Objekttisch

  • unbeweglich

Chemikalien

  • im Holzkasten stehen in hölzernen Fächern zwei nichtbeschriftete Glasfläschchen (ehemals mit Essigsäure und Kalilauge gefüllt?)

Präparier-Kästen AESKULAP

zwei Instrumenten-Holzboxen mit Präparier-Bestecken:

  • Präparierschere

  • Pinzette

  • Präpariernadel

  • Präparierlanzette

  • kleines skalpellartiges Messer

Trichinenkompressorien als Objektträger

  • zwei rechteckige, dicke Glasplatten 23 x 5 cm mit28 nummerierten Feldern der Firma Hauptner

  • als „Quetschgläser" wurden die Glasplatten mit Schrauben an einander gepresst, um Tierfleischproben nach Trichinen mittels lichtmikroskopischen Durchmusterung zu untersuchen (Trichinoskopie)

Beschaustempelkasten

Fleischbeschaustempel für Fleischuntersuchungen zur Kennzeichnung der Genusstauglichkeit

rechteckige Metallbox mit 3 Metallstempeln:

  • runder Messingstempel: BESSINGEN

  • dreieckiger verchromter Messingstempel: BESSINGEN

  • rechteckiger verchromter Messingstempel: Trichinenfrei BESSINGEN

 

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[1] Bessingen kam 1973 im Rahmen eines Gebietstauschs vom Landkreis Holzminden zum Landkreis Hameln-Pyrmont und wurde zu einem Ortsteil des Fleckens Coppenbrügge.