Der Solling mit Vorland │ Eine Landschaft als Ressource

Klaus A.E. Weber

 

Wandel des Sollings zur Kulturlandschaft

Der Solling zählt zu dem 960 km² großen Kulturlandschaftsraum K37 "Solling, Bram- und Kaufunger Wald" in der Naturräumlichen Region "Weser- und Weser-Leinebergland" im Südwesten Niedersachsens - mit den Historischen Kulturlandschaften (HK) HK60, HK61, HK70 und HK 71.[9][11]

Naturräumlich gleicht dessen vorwiegend aus Buntsandstein aufgebaute Kuppe im Relief einem umgedrehten Teller ("umgedrehte Untertasse") mit

  • wenig Reliefenergie

  • kaum markanten Erhöhungen

  • steil abfallenden Seiten

  • relativ steilen Hängen zur Weser

  • vielen weitgehend ebenen Kernbereichen der Höhenzüge.[10]

Sein Buntsandstein-Untergrund wird von Silikat haltigen sauren Böden überdeckt.

Durch die Geologie des Buntsandsteingewölbes bedingt herrschen keineswegs schroffe Höhenzüge, sondern allmählich ansteigende, als Kuppen ausgebildete und zwischen diesen gelegene oder innerhalb von diesen eher sanft ausgeprägte lange, nur stellenweise etwas markanter ausgeprägte Täler vor.“[4]

Einst galt nach SCHUBERT [8] das etwa 500 km² große Mittelgebirge Solling als „menschenarmes Waldplateau in dicht besiedelter Umgebung“.

Noch heute bestehende Still- und Fließgewässer und vermoorte Gebiete lassen den Namen „Solling“ auf ein ehemaliges Sumpfgebiet zurückführen.

Die jeweiligen Landesherren schätzten seit jeher den Solling wegen seiner Jagdgründe, weshalb er auch zwischen der Braunschweiger und der Calenberger Linie der Welfen aufgeteilt wurde.

 

Geobasisdaten Niedersachsen

Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen (LGLN)

 

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Beschreibung des Sollings um 1953 │ Uslar

 

Eine Kulturlandschaft als Ressource

Eine umfassende gutachtliche Erfassung, Darstellung und Bewertung der 42 individuellen Kulturlandschaftsräume und historischen Kulturlandschaften von landesweiter Bedeutung in Niedersachsen findet sich in der Publikation von WIEGAND 2019:

  • Der 960 km² große Kulturlandschaftsraum K37 "Solling, Bram- und Kauffunger Wald" im Südwesten Niedersachsens [23]24]

Neben Unterschieden im Relief und in der Geologie sind bei WIEGAND [23] kennzeichnende Merkmale dieses Kulturlandschaftsraums:

  • geringer Grad der Besiedlung

  • geringe verkehrliche Erschließung

  • flächenmäßig untergeordnete Rolle der Landwirtschaft

  • bedeutende Rolle der Forstwirtschaft.

Ein Ausschnitt aus der aktuellen Kulturlandschaft ist die historische Kulturlandschaft, die definitionsgemäß "sehr stark durch historische Elemente und Strukturen geprägt wird" und deren Strukturen und Elemente "aus einer abgeschlossenen Geschichtsepoche stammen".[22]

"Kulturlandschaften, deren geschichtliche Entwicklung in ihrem heutigen Erscheinungsbild sichtbar geblieben ist, geben dem Menschen die Möglichkeit, die Gegenwart als ein Resultat der Vergangenheit zu betrachten."[20]

 

Trockenmauer im Hellental

© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

Durch vielfältige Landnutzung historisch gewachsene Elemente und Strukturen

Die Landschaft des langgestreckten Sollingtals Hellental im Naturschutzgebiet "Moore und Wälder im Hochsolling, Hellental" wurde vormals und wird noch heute im steten Wandel sowohl von natürlich bestimmten als auch von menschlich geprägten Prozessen fortlaufend verändert.

Insbesondere das Wirken zugewanderter Menschen prägte über Jahrhunderte aus ökonomischen wie sozialen Gründen das heutige Landschaftsbild des Hellentals im Hochsolling.

Abhängig vom den naturräumlich gegebenen Standorteigenschaften entstand so in den zurückliegenden Geschichtsepochen eine regional einzigartige Kulturlandschaft innerhalb des Sollings in der naturräumlichen Region des Weser-Leineberglandes.[21]

Typische historische Kulturlandschaftselemente des Hellentals im Solling sind das schmale Wiesental, Glashütten, (Bunt-)Sandsteinbrüche und Meilerplätze, Natursteinmauern, ein Mühlteich, Fachwerkgebäude mit Sandsteinplatten als Dachdeckung und Wandverkleidung.

 

Wiesentypen im Hellental │ WildparkHaus [19]

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Als prägende historische Elemente und Strukturen des kulturhistorischen Landschaftsbildes eines extensiv bewirtschafteten Dauergrünlandes gelten

  • markante Schattbäume, Sträucher, Hecken und Streuobstwiesen
  • Zuleitungsgräben ("Fleuegräben") eines früheren Wiesenbewässerungssystems
  • Furten durch die Helle
  • besondere Flurformen mit Ackerterassen
  • zahlreiche, langgestreckte Trockenmauern
  • Relikte alter Flachsrotten
  • Standorte des Holzkohle produzierenden Köhlergewerbes
  • Relikt eines neuzeitlichen Kalkofens bei Merxhausen
  • Grenzsteine als stille Zeugen eines alten Grenzraums

 

"Wenig Reliefenergie"- Linearer Höhenzug des Sollings

von Fredelsloh aus gesehen  │ August 2021

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Solling sylva - Eine historische gewachsene Kulturlandschaft

Die bis 527,8 m ü. NHN hohe Mittelgebirgslandschaft des Sollings im südniedersächsischen Bergland eine Flächengröße von rund 440 km² auf.

Der Solling ist noch heute eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete in Deutschland.

1823 umfasste der braunschweigische Teil des Sollings ein herrschaftliches Waldareal von 12.592,25 ha.[13]

Der Solling befindet sich im 750 km² großen Naturpark Solling-Vogler.

Das zweigrößte Waldgebiet Niedersachsens liegt östlich des Wesertals und grenzt an die Bundesländer Hessen und Nordrhein-Westfalen.

Als historisch-landeskundlicher Kernsatz gilt für den Solling, dass die unwirtlichen Höhenzüge des Mittelgebirges für eine dauerhafte Siedlung wenig geeignet waren; Waldgebiete blieben über einen längeren Zeitraum unerschlossen.[12]

Das Landschaftsbild des Sollings ist „eine harmonische Kulturlandschaft, die in mannigfachem Wandel in Vergangenheit und Gegenwart geformt wurde“.[6]

Die historische Entwicklung des über 38.000 Hektar großen Sollings wurde maßgeblich von der vielfältigen Waldnutzung und deren Geschichte geprägt – vom Mittelalter bis in unsere Zeit des beginnenden 21. Jahrhunderts.

Ohne steile Erhebungen ist das geschlossene Waldgebiet mit über 500 Höhenmeter die zweithöchste Erhebung in Niedersachsen, geprägt von

  • der Formation des Mittleren Buntsandsteins
  • einer hohen Niederschlagsmenge im Hochsolling (bis zu 1.000 mm Niederschlag pro Jahr), einhergehend mit einem eher humiden Klima
  • der Rotbuche (Fagus sylvatica), teilweise noch von Eichen (Quercus).

 

Eichenalleen prägen das Landschaftsbild des Sollings [14] │ Mai 2020

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Das schöne Waldgebirge

Waldgebiet des Jahres 2013

Der Südwesten Niedersachsens ist von einem waldreichen Kulturlandschaftsraum im dortigen Hügel- und Bergland von Tälern, Becken und Höhenzügen geprägt, wobei das Buntsandsteingebiet zu den Besonderheiten zählt.

Der annähernd kreisrunde, etwa 20 km im Durchmesser große Mittelgebirgszug des "Söllings" ist ein Teilgebiet des südniedersächsischen Kulturlandschaftsraumes "Solling, Bram- und Kaufunger Wald" in der Naturräumlichen Region "Weser- und Weser-Leinebergland".

Das „schöne Waldgebirge“ war „nach dem Harze die bedeutendste Erhebung“ des ehemaligen Braunschweiger Landes.

Die Oberfläche des von allen Seiten sanft ansteigenden Gebirges bildet eine weite Hochebene, über welche die flachen Kuppen der Berge emporragen“.[15]

Die höchste, kaum erkennbare Erhebung ist mit 527,8 m ü. NN die Große Blöße im Obersolling.

Im Scheitel vom Mittleren Buntsandstein gebildet, besitzt dieser, trotz relativ deutlicher Höhendifferenzen, „ganz den Charakter einer einförmigen, gipfellosen Hochfläche“.[16]

Massige Bänke des nutzbaren Bausandsteins wurden früher und werden noch heute als Bau-Werksteine genutzt.

LICHTENHAHN [18] mutmaßte, dass die Rodungen der Sollingtäler wahrscheinlich bereits im frühen Mittelalter erfolgt sein sollen.

Das große nordöstliche Sollingtal, das Hellental, erlangte vom Mittelalter bis zur zur ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts hier nur die Glasherstellung in zahlreichen Waldglashütten eine überregionale wirtschaftliche Bedeutung.

Ansonsten herrschten die Forst- und Landwirtschaft und das direkt daran gebundene Verarbeitungsgewerbe auf Grund des eingeschränkten regionalen Naturpotentials vor.

Der Grenzraum der „Hellental-Merxhausener-Senke”, insbesondere aber die Orts- und Sozialgeschichte des mittelalterlichen Bauerndorfes Merxhausen sowie des Glasmacherortes und späteren Arbeiter- und Handwerkerdorfes Hellental, sind tief eingebettet in die niedersächsische, vormals Braunschweiger Landesgeschichte.

Das kleine Bergdorf Hellental und seine Einwohner*innen wurden von ihr seit 1753 bis in die heutige Zeit nachhaltig prägend beeinflusst.

 

Der „sagenhafte“ Solling

Der Solling und seine Randgebiete - wie das übrige Weserbergland - zeichnen sich als alte, vorwiegend bäuerlich geprägte Kulturlandschaft aus, in der über Jahrhunderte hinweg heute weitgehend vergessene Sagen und Märchen mündlich überliefert wurden.

So konnte in der Region des niedersächsischen Berglandes ein wertvoller Sagenschatz mit zahlreichen Sagenfiguren entstehen.

Der dominierende, dichte Wald mit seinen angrenzenden Naturräumen und seine Bewohner*innen stehen dabei hauptsächlich im Mittelpunkt jener mythisch-magischen Geschichten und Volkserzählüberlieferungen, die letztlich um Geheimnisse des menschlichen Lebens kreisen.[17]

Wie andere Bergwälder, so gilt auch der abseits gelegene Solling seit langem als unheimlich und gefährlich - und auch als Aufenthaltsgebiet böser Geister.

Nach LILGE fürchteten Männer wie Frauen in den "Zwölften", in den 12 Nächten nach Weihnachten den sagenhaften Wilden Jäger Hanns von Hackelberg (1521-1581?) - den Geist eines Oberjägermeistes -, "der dann durch die Lüfte zog und diejenigen strafte, die in diesen Tagen Wäsche wuschen, backten oder sich vorwitzig zeigten".[7]

 

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[4] vergl. WIEGAND 2019, S. 9, Karte 1 (8.2).

[6] REDDERSEN 1934, S. 7.

[7] LILGE 1995, S. 31.

[8] SCHUBERT 1997.

[9] WIEGAND 2019, S. 284-295.

[10] WIEGAND 2019, S. 285, 288.

[11] NHB 2020, S. 82-83.

[12] STREICH 1996, S. 25-26.

[13] TACKE 1943, S. 52.

[14] KRUEGER/LINNEMANN 2013, S. 42-43, 68-69.

[15] KNOLL/BODE 1891, S. 89.

[16] TACKE 1943, S. 10.

[17] u.a. PETSCHEL 2001.

[18] LICHTENHAHN 2005, S. 5.

[19] WildparkHaus - Das Solling Besucherzentrum bei Neuhaus.

[21] WIEGAND 2019, S. 3.

[22] vergl. WIEGAND 2019, S. 9, Karte 1 (8.2).

[23] WIEGAND 2019, S. 12 Definition.

[24] WIEGAND 2019, S. 284-295.