Übernutzung des Waldes 1945-1948

Klaus A.E. Weber

 

Die großflächige Übernutzung des Waldes in den Jahren 1945-1948 war die Folge des Zweiten Weltkrieges (1939-1945).

Hierzu hält TREUE [1] in seiner Betrachtung „Im Kampf um die Existenz des Waldes“ fest:

Im Jahr 1946 „befand sich der niedersächsische Wald, der mit etwa 860 000 ha nur 29 % der Landesfläche bedeckte (gegenüber 27 % im Reichsdurchschnitt) und damit Niedersachen trotz Harz und Solling zum waldärmsten Teil Westdeutschlands machte, gerade in der größten Gefahr.

Bereits seit 1934 war zunehmend weit mehr Holz eingeschlagen worden als nachwuchs, so daß der Vorrat im Jahre 1945 45,4 Millionen Efm [2] betrug, während der Normalvorrat 53,9 Millionen Efm betragen hatte.

Das bedeutete, daß jährlich 1-2 % des Holzvorrates über den Zuwachs hinaus genutzt wurden: in 11 Jahren also mindestens ein Sechstel des gesamten Holzvorrates.“

Nach TREUE [1] gab es in der Nachkriegszeit „vier große Angriffe auf den Wald“:

(1) „zur Deckung des Hausbrandbedarfs durch Holz als Ersatz für die fehlende Kohle

(2) „zur Deckung des Bedarfs an Grubenholz im Ruhrgebiet

(3) „auf Grund der englischen Forderungen von Stammholz und Grubenholz für den Export und für die Besatzung, wofür nur sehr geringe Zahlungen geleistet wurden“ und wertvolles Holz legal wie illegal nach England gelangte

(4) „zur Deckung des sonstigen deutschen  Holzbedarfs

Der starke Holzeinschlag erfolgte so ungehemmt, dass bis 1950 der Holzvorrat auf nunmehr 40,4 Millionen Efm sank, was 75 % des Normalvorrates entsprach.

Eine möglichst schnelle und weitgehende Wiederaufforstung der entstandenen Kahlfläche (Blößen) wurde ab 1946, verstärkt ab 1948/1949, durch Anpflanzung von mehreren Millionen Forstpflanzen in den niedersächsischen Staatsforsten forstwirtschaftlich vorangetrieben, so auch im Solling.

In den Niedersächsischen Landesforsten erfolgte in der Nachkriegszeit die Wiederaufforstung mit Kiefern und Fichten durch Kulturfrauen.

 

Rückseite der 50-Pfennig-Münze (1990) │ Eichenpflanzung durch eine Kulturfrau

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Kulturgeschichtlich zeigt die 1990 prägte 50-Pfennig-Kursmünze auf der Rückseite eine junge Frau, die kniend einen Eichensetzling pflanzt.

Die Baumpflanzerin symbolisiert als populäres Motiv die so genannten Kulturfrauen und zugleich auch den Neuanfang mit Wiederaufbau Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg.

Das Modell einer der meistgeprägten Münzen Deutschlands war Gerda Johanna Werner (1914-2004), die Ehefrau des Bildhauers Richard Martin Werner (1903-1949), der den Entwurf gestaltete.

 

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[1] TREUE 1956, S. 119-122.

[2] Holzmaß Efm = Erntefestmeter.