Häusliche Arbeitsgeräte zur Flachs- & Garnverarbeitung
Klaus A.E. Weber
Regionale Flachs- und Wollverarbeitung [1][2][3]


FLACHS
Langwieriges Riffeln, Brechen, Schwingen, Hecheln und Haspeln
∎ Flachskamm/Riffelkamm │ um 1900
Werkzeug der traditionellen Flachsverarbeitung zum Abziehen („Riffeln“) der Samenkapseln von den Flachsstängeln [4]
die geernteten und anschließend getrockneten Stängel wurden bündelweise mit dem oberen Pflanzenende in den engzinkigen und feststehenden eisernen Kamm mit seinen spitzen Enden eingeschlagen und solange rückwärts durch den Kamm hindurch gezogen, bis alle Leinkapseln abgestreift waren, die den Leinsamen enthielten, der zu Leinöl weiterverarbeitet werden konnte
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kurzes Riffelbrett mit Kammfläche und Griff aus einem durchgehenden, flach geschnitzten Stück Buchenholz
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am Ende der breiten Kammfläche befinden sich in zwei Reihen eingenagelter, mit einem rechteckigen Eisensteg verbundene, gleichartige, eng stehende vierkantige, spitzkonisch zulaufende Eisenzinken, die im 90-Grad-Winkel von der Kammoberfläche abstehen (teils verformt)
regionale Herkunft
Holz │ Eisen, geschmiedet
[hmh Inv.-Nr. 1277

Kleiner Riffelkamm
Hellental │ um 1900
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
∎ Flachsbreche („Brake“) │ um 1850-1900
Gestell aus Eichenholz mit zwei T-förmigen Standfüßen, die mit einem längslaufenden Brett verbundenen sind, als Werkzeug zur Flachsverarbeitung und einer der ersten Schritte bei der Herstellung von Leinentuch [5]
ineinandergreifendes .bewegliches Oberteil und festes Unterteil zum Feinbrechen der holzigen Bestandteile des Flachsstängels, um darin enthaltene spinnbare Fasern für die Leinenherstellung zu gewinnen:
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aufklappbarer Holzhebel mit vorne angebrachtem Handgriff, Holzscharnier und zwei längsverlaufende messerartige Eisenschneiden
- feststehendes, durch ein angenageltes Eisenband verstärktes Längsbrett mit drei längsverlaufenden messerartigen Eisenkanten
getrocknete Flachsbündel wurden über die „Brake“ gezogen und mit Schwung der aufklappte Holzhebel zugeklappt, wodurch die holzigen Bestandteile der Flachsstängel (Bast) zwischen den Eisenschienen zerbrachen und die Fasern freigelegt wurden
Hellental
Holz │ Eisen
[hmh Inv.-Nr. 1278
Handrad/Handspinnrad
Handspinnräder dienten zum meist dem saisonalen Verspinnen von zuvor gehecheltem Flachs oder von Wolle, bestehend aus
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Flucht (offener Rahmen)
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Spindel zur Fadenaufnahme
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Spule
die zu spinnenden Fasern werden von einer Hand vorgeordnet und dem mit der anderen Hand gedrehten Spinnrad zugeführt.
[10]
„Bei dem Handrad (Fig. 2) wird die frei schwebende Spindel (a) durch das von der rechten Hand an der Kurbel (b) gedrehte Rad mittels Schnur ohne Ende in Umdrehung versetzt während man in der linken das Spinnmaterial (meist Wolle) hält und in geeigneter Menge durch die Finger gleiten lässt.
Zunächst wird der Faden gedreht, indem man ihn in der Richtung (1), d. h. unter stumpfen Winkel, gegen die Spindel hält und sich allmählich mit der linken Hand von der Spindel entfernt; hierauf bringt man ihn in die Richtung (2), wodurch er aufgewickelt wird.“[9]

Inkomplettes Handspinnrad, markiert 1948
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
◼ Handspinnrad │ markiert 1948
mit Handkurbel
inkomplett
eingeritzte Inschrift am Holzstab: »7 VI 1948 D«
Holz │ Eisen
[hmh Inv.-Nr. 1280
Tretspinnrad/Flügelspinnrad [6]
Gebrauchsgegenstand der alltäglichen häuslichen Textilverarbeitung
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zur saisonalen winterlichen Handarbeit diente das mit dem Fuß durch Treten in Bewegung gesetzte Flügelspinnrad aus Holz dem Verspinnen von zuvor gehecheltem Flachs (Flachsfasern) oder von Rohwolle zur späteren weiteren Verarbeitung
- langfaseriger Flachs oder Wolle werden zum Verspinnen direkt vom Spinnrocken (Rocken = hölzerner Stock) herausgezogen und abgezupft
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mittels Schwungrad, Spindelstock und schnelldrehender Spindel zur Fadenaufnahme wird durch gleichzeitiges Auseinanderziehen, Verziehen, Verdrehen und Aufwickeln lose Flachsfasern oder Wollfäden zu einem Faden verarbeitet, fein und fest als aufgespultes Garn zum Weben am eigenen Webstuhl oder als Wollfaden zum Stricken
Dabei sollte das spinnfähiges Garn größte Gleichmäßigkeit und Festigkeit aufweisen.

Gedrechseltes Tretspinnrad mit Spinnrocken
regional │ 1. Hälfte 20. Jahrhundert
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
◼ Tretspinnrad/Flügelspinnrad, gedrechselt │ um 1900
Holz │ Eisen │ Leder
[hmh Inv.-Nr. 1317
◼ Tretspinnrad/Flügelspinnrad, gedrechselt │ 1. Hälfte 20. Jahrhundert
komplett mit Spinnrocken
regional
Holz │ Eisen │ Flachs
[hmh Inv.-Nr. 1343
◨ Handspinnrad, gedrechselt │ um 1970
Holz │ Eisen
Hellental
[hmh Inv.-Nr. 1279
Garnhaspel/Uhrenhaspel
die Haspel dient dem Aufwickeln und Abmessen des auf Spulen aufgehaspelten Kettgarns für den Webstuhl [7]
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den Holzrahmen der Haspel bilden der Fuß und quadratische, gedrechselte Holzstreben
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auf vier Haspelarmen, die über eine Kurbel in eine kreisförmige, vertikale Bewegung versetzt werden, können auf Querholmen breite Streifen Flachsgarn geführt werden
- am hinteren vertikalen Holzstreben befindet sich ein hölzernes Zählwerk, dessen drei Zahnräder den Zeiger auf einem Zifferblatt bewegen und die Zahl der Umdrehungen anzeigen können und somit, welche Anzahle von „Fäden“ erreicht waren
Garnmenge nach 50-60 Umdrehungen: Gebind, Bind
◼ Uhrenhaspel, geeicht │ 19. Jahrhundert
rot-grün bemaltes Zifferblatt
Holzminden
Holz │ Eisen
[hmh Inv.-Nr. 1343
WOLLE
∎ Wollewickler │ um 1950
zum Aufwickeln von Wollsträngen „im Handumdrehen“ für den Webstuhl oder zum Stricken (ohne Zählvorrichtung) [8]
gedrechseltes Buchenholz
Hellental
aus dem Haushalt des Stellmachers H. Eikenberg in Hellental, Haus Nr. 5
[hmh Inv.-Nr. 1281
in kreisförmiger, vertikaler Bewegung wird der Wollfaden über sechs gedrechselte Holzstreben mit Querholmen (Haspelarme) im Abstand von jeweils 40 cm geführt
10 Umdrehungen ergaben 24 m Fadenlänge
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[1] Abbildungen aus: Tacke, E.: Der Landkreis Holzminden (1951) S. 73
[2] SIUTS 2002, S. 148-163.
[3] BUSSE 2002, S. 8 ff.
[4] vergl. SIUTS 2002, S. 149 T. 83 Abb. 5.
[5] vergl. SIUTS 2002, S. 157 T. 87 Abb. 7.
[6] vergl. SIUTS 2002, S. 161 T. 91 Abb. 1, 2.
[7] vergl. SIUTS 2002, S. 163 T. 92 Abb. 2.
[8] vergl. SIUTS 2002, S. 163 T. 92 Abb. 7.
[9] MEYERS 1897, S. 229-230.
[10] Abb. aus MEYERS 1897, S. 229.