Landsässige Leineweber
Klaus A.E. Weber
Nach GRIMM [8] können drei Typen von Leinewebern unterschieden werden:
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Bauern, die in den Wintermonaten zur Selbstversorgung webten (meist Frauen);
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Weber, die als „kleine Leute“ (meist Häuslinge) Garn kauften und das selbst hergestellte Leinen verkauften;
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Lohnweber, die von einem Verleger Garn erhielten und für das in Heimarbeit hergestellte Leinenprodukt meist nur gering entlohnt wurden (Verlagswesen; Verlagsbeziehungen mit großer Abhängigkeit, im niedersächsischen Leinengewerbe sehr selten.[9]
Die Leineweber, die zu den Grundversorgungsberufen mit städtischer Gildeverfassung gehörten, nahmen einst eine Sonderstellung ein, da sie regional mit Abstand die größte berufliche Gruppe repräsentierten.
„Der im 18. Jahrhundert erstarkende, sich konzeptionalisierende und unter dem Etikett ‚Kameralismus‘ politische Strahlkraft erlangende Gestaltungswille des Staates kann als zweiter exogener Faktor der Grenzerosion zwischen Stadt und Land angesehen werden.
Die fürstliche Verwaltung hatte ein besonderes Interesse an der Erhaltung und Flankierung der Leinwandherstellung im Weserdistrikt, da sie nicht nur deren volkswirtschaftliche und … existenzielle Bedeutung anerkannte, sondern weil sie sich als florierendes Exportgewerbe geradezu paradigmatisch in den theoretischen Förderkanon einordnen ließ.
Die Landweber des Weserdistrikts genossen daher als einzige im Fürstentum eine Befreiung von der Zwangsmitgliedschaft in einer städtischen Berufsvertretung.“[2]
Weiter heißt es bei MÄRZ [3]: „Während die städtischen, in einer Gilde inkorporierten Leineweber überwiegend qualitativ höherwertiges Leinen auf Bestellung herstellten, wurde das meistens ungebleichte sogenannte „Leggelinnen“ oder „Kauflinnen“ minderer Qualität von den vielfach nur angelernten Landwebern angeboten.
Auf Seiten der Landweber scheint es kein Interesse an einem berufsständischen Zusammenschluss oder Anschluss an eine städtische Gilde gegeben zu haben, da die eine Ausbildung voraussetzende Marktproduktion höherwertiger Stoffe nicht vorgesehen war.
Lediglich für den Eigenverbrauch stellen Landweber auch Tuche besserer Qualität her.“
Neben der Weberei umfasste die Leinwandproduktion „auch den Anbau und die Weiterverarbeitung des Rohstoffes Flachs und dürfte damit einen erheblichen Teil der Arbeitskraft im Ort gebunden haben.“[4]
Regionale Leineweber
Bevern und Eschershausen
In Bevern gab es 1757 insgesamt 70 Leineweber, 1761 in Eschershausen dagegen 12 Leineweber.[5]
Holzminden
In Holzminden zählten die Leineweber zu den größten in einer Gilde organisierten Berufsgruppen.
Zugleich aber mussten die Leineweber dabei die volatilste Entwicklung hinnehmen:
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1753: 22 Leineweber (Meister), 2 Gesellen, ohne Lehrlinge
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1764: 10 Leineweber
- 1765: 10 Leineweber
Die Anzahl der Gesellen war sehr gering.
Wie MÄRZ [6] darlegt, dürfte sich in den Betrieben der Leineweber „die verstärkte Mitarbeit der Haushaltsmitglieder auf diese Zahlen ausgewirkt haben, da die Fertigkeiten für eine Zuarbeit bei der Leinwandherstellung relativ schnell an ungelernte Kräfte vermittelt werden konnten.
Eine ähnlich schwache Besetzung zeigt sich bei der Beschäftigung von Lehrjungen.“
Des Weiteren führt MÄRZ [7] aus, dass der bei den Leinewebern besonders deutlich nachweisbare Lehrlingsmangel damit zu begründen sei, „dass sich die Betriebe weniger als ein Drittel des Jahres mit Leineweberei beschäftigen würden, was nicht nur auf eine geringere Nachfrage, sondern auch auf die schlechten Flachsernten in den vergangenen Jahren zurückzuführen sei.
Weniger als die Hälfte der 22 Gildenmitglieder wären derzeit als Leineweber tätig.
Die meisten bestritten ihren Lebensunterhalt mit berufsfremder Tagelohntätigkeit.
Die Gildenvertreter gaben aber auch offen zu, dass es den meisten ihrer Kollegen an beruflicher Qualifikation und Reife fehle.
Zu den Perspektiven ihres Berufsstandes befragt, räumten sie ein, dass man mit der Herstellung bunter und gestreifter Stoffe für Bettwäsche und Schnupftücher noch Absatz finden könne, die meisten Leineweber aber das Kapital für den Einkauf des Garns nicht aufbringen könnten.
Mit einem Betrag von 20 bis 30 Rtlr. ließe sich eine entsprechende Produktionsumstellung allerdings finanzieren.“
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[2] MÄRZ 2016, S. 371.
[3] MÄRZ 2016, S. 354.
[4] MÄRZ 2016, S. 268-269.
[5] MÄRZ 2016, S. 266, 270.
[6] MÄRZ 2016, S. 127, Tab. 12, S. 128, Tab. 13, S. 130, Tab. 14, S. 132-135, Tab.15.
[7] MÄRZ 2016, S. 202.
[8] GRIMM 2002, S. 37.
[9] KAUFHOLD 1983, S. 216-217.