Warenvertrieb in Stadtoldendorf
Klaus A.E. Weber
Wie MÄRZ [1] in seiner empirischen Regionalstudie ausführt, setzte sich der bedeutendste Wirtschaftszweig Stadtoldendorfs „aus den Berufen der Textil- und Bekleidungsherstellung sowie den dieser Branche zuzuordnenden Reparaturbetrieben zusammen.
Vermutlich wuchs dieser Gewerbezweig erst Ende des 17. und im Verlauf des 18. Jahrhunderts stark an.
Im Zuge der Öffnung überregionaler Märkte für textile Massenware bot sich für eine Reihe von prekären Gewerbeexistenzen und Subsistenzhaushalten die Möglichkeit, die Leinwandherstellung aufzunehmen oder auf diesen Gewerbezweig umzuschwenken.“
Der Stadtoldendorfer Bürgermeister Georg Friedrich Floto wickelte einen erheblichen Teil des Großhandelsvolumens des Amtes Wickensen ab, wobei er bereits stark in den Leinenhandel eingebunden war.
„Eine zentrale Figur des Leinwandgewerbes war der Bürgermeister Georg Friedrich Floto, dessen wirtschaftlicher Erfolg auf einem breit aufgestellten Handelsgeschäft mit den Vor- und Fertigprodukten dieses Gewerbes sowie der Herstellung der Stoffe selbst gründete.
Das Gewerbe der Leineweberei wuchs auch in der zweiten Jahrhunderthälfte weiter an und diversifizierte seine Produkte, allerdings scheinen insbesondere am Ende des Jahrhunderts konjunkturelle Probleme wirksam gewesen zu sein.“[1]
Der Warenvertrieb der sehr großen Berufsgruppe der Leineweber wurde nach MÄRZ [2] „vermutlich über die auf den Leinwandhandel spezialisierten Großhändler abgewickelt.
In diesem Gewerbe war ohnehin nur ein sehr geringer Teil der Produktion für den städtischen Markt bestimmt.“
MÄRZ [3] führt hierzu in seiner empirischen Regionalstudie aus: „Die hohe Zahl der Leineweber in Stadtoldendorf und die Tatsache, dass der Kaufmann Floto darüber hinaus großbetriebliche Produktionsformen einführte, lässt die Vermutung zu, dass der gesamte Textilsektor Stadtoldendorfs von den erweiterten Absatzmöglichkeiten profitierte.
Ob und inwieweit es Floto gelang, mit den Gilden zu kooperieren und sie in die manufakturellen Produktionsformen einzubinden, kann aufgrund fehlender Quellen nicht geklärt werden.
Trotz eines Nachfragerückgangs im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts blieb die Textilherstellung weiterhin der wichtigste Gewerbezweig
Die Zahl der Leineweber stieg in diesem Zeitraum auf 76 Meister an, die zum Teil bunte Stoffe, aber auch Baumwolle (Barchent) verarbeiteten.
Neben der Leinwand- und Barchentproduktion ist seit 1753 die manufakturelle Produktion von Strümpfen nachgewiesen.“
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[1] MÄRZ 2016, S. 212.
[2] MÄRZ 2016, S. 150.
[3] MÄRZ 2016, S. 208-209.