Generallandesvermessung und ihre Feldrisse

Klaus A.E. Weber

 

Fürstliche General-Landes-Vermessungs-Kommission

Wie MÄRZ in seiner empirischen Regionalstudie von 2016 beschreibt, war eine Intention der fürstlichen General-Landesvermessung, die Durchführung einer rationalen Neugliederung der Wirtschaftsflächen und innerhalb qualitativ homogener Flurbereiche eine Flächenumlegung.

Noch bevor Herzog Carl I. die Generallandesvermessung seines Fürstentums anordnete, entstanden immer wieder einzelne Karten oder Risse, die speziellen Aufgabenstellungen dienten.“⦋12⦌

Schließlich ließ Herzog Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel 1746 eine "Generallandesvermessungskommission" einrichten, die jahrzehntelang tätig war und 1784 aufgelöst wurde.

Nicht zuletzt für Steuer-, Verwaltungs- und Planungszwecke sollten hiermit nach einheitlichen kartografischen Aspekten sämtliche Siedlungen/Dörfer und Feldmarken mit Wegen und Gewässern des Fürstentums genau vermessen und in Feldrissen die Verteilung von Kulturland und (Laub-)Waldflächen aufgestellt werden, einschließlich von Dorf-, Feld- und Wiesenbeschreibungen.[10]

Aus der Durchführung dieser Generallandesvermessung als Grundlage für das Ergreifen politischer Maßnahmen spricht der Geist der Aufklärung.

Das auf der Grundlage der Braunschweigischen General-Landesvermessung von 1746-1783 erstellte Kartenwerk „Historische Karte des Landes Braunschweig im 18. Jahrhundert“ zeigt hierzu ein detailliertes Bild der Landschaft und des Gemeinwesens vor rund 250 Jahren.[10]

Um Feldmarken aller Braunschweiger Dörfer für Zwecke der Landeskultur, des Katasterwesens (genaue Festlegung der Abgaben an den Staat) und der Flurbereinigung zu erhalten, ließ Herzog Carl I. die allgemeine Landesvermessung für sein Fürstentum unter der Leitung der „Fürstlichen General-Landes-Vermessungs-Kommission“ durchführen.

Insgesamt werden über 800, ohne trigonometrisches Netz gezeichnete Feldrisse gefertigt, welche die landwirtschaftlichen Nutzflächen noch zu Zeiten der Dreifelderwirtschaft abbilden.

Deren Grenzpunkte werden mit Steinen vermarkt.

Für jede Feldmark war ein Lokalkommissar bestellt worden.[11]

Die Ergebnisse dieser ersten allgemeinen Landesvermessung zeigen Vermessungsrisse des Maßstabs 1 : 4 000, seltener in 1 : 2 000, mit Dorf-, Feld-(Acker-) und Wiesenbeschreibungen und bäuerlichen Besitzverhältnissen, auch für das südniedersächsische Berg- und Hügelland mit den hier betrachteten Dörfern Heinade und Merxhausen - damals aktuell für eine gerechte Besteuerung.

 

Topografische Aufnahme für Landeszwecke

Seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts hielt es auch das Herzogtum Braunschweig für erforderlich, sein Hoheitsgebiet lückenlos zu vermessen und in topographischen Karten darzustellen.[6][9]

Die braunschweigische General-Landes-Vermessung erfolgte in den Jahren 1746-1784, die zusammen mit ergänzenden Aufnahmen in die 1769-1775 gezeichnete Topographische Übersichtskarte des Herzogtums Braunschweig-Wolfenbüttel im Maßstab 1 : 42 O0O einfloss („Gerlachsche Karte“).[7]

Wie MÄRZ [5] ausführt, führten in dem Zeitraum zwischen 1746 und 1773 „Staatsbeamte im Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel eine Landesvermessung durch, die den bis dahin ambitioniertesten und umfassendsten Versuch einer Beschreibung der sozialen, ökonomischen und räumlichen Verhältnisse des gesamten Territoriums darstellte.

Das wachsende Bedürfnis der kameralistisch inspirierten Staatsregierung, die Entscheidungsprozesse des Landesausbaus auf eine solide Informationsgrundlage zu stellen sowie das Verlangen des Militärs nach landeskundlich exakten Rauminformationen, begünstigten die Durchführung eines derart aufwändigen Projektes.

Auch wenn die im Frühjahr 1746 unter der Leitung von Herzog Karl I. gegründete ‚General-Landes-Vermessungs-Commission‘ ihre Projektziele noch nicht klar und umfassend formulierte, kristallisierte sich bis zur Mitte der 50er Jahre des 18. Jahrhunderts heraus, dass neben der Katasterrevision eine umfangreiche Bereinigung der agrarisch genutzten Flurflächen durchgeführt werden sollte.“

Daten zum Flächenbesitz, differenziert nach Nutzungsformen, sowie Bestandszahlen gehaltener Haustiere auf der Ebene des einzelnen Haushaltes sind dem statistisch-beschreibenden Teil der braunschweigischen Landesaufnahme zu entnehmen.

 

Auszug "Hellental" der Braunschweigischen General-Landes-Vermessung von 1792 [3]

 

Bei der Braunschweigischen General-Landes-Vermessung waren die Hellentaler Flure in den Feldrissen nicht erfasst worden.

Erst 1792 wurden der Talbereich als Im Höllen-Tal sowie das Dorf selbst topografisch für Landeszwecke aufgenommen.

Sie fallen somit nicht unter die Generalvermessung des Landes Braunschweig.[3]

Wie die Vermessungskarte "Grundrißs des Dorfes Hellenthal" von 1792 ausweist [1][8], gab es zum Ende des 18. Jahrhunderts in Hellental insgesamt 39 Hausstellen mit mindestens 124 Bewohner*innen, die Garten- und Wiesenland von durchschnittlich je 2 - 3 Morgen besaßen.

Das alte bäuerliche Nachbardorf Merxhausen am nördlichen Sollingrand wies vergleichsweise 1793 die dreifache Einwohnerzahl auf, nämlich 373 Einwohner.

Als Flurbezeichnungen finden sich nordöstlich des Dorfes im Talabschnitt nach Merxhausen hin:

  • Auf den Salz-Cämpen

  • Auf den Cämpen

  • Auf den Langen Felde

  • Auf der Wrige

  • Auf dem Anger

  • An der Winter-Lied.

Auch die topographische Landesaufnahme des Kurfürstentums Hannover von 1764-1786 weist nördlich des „Dasßelschen Mittel Berges“ ein Hellen Thal aus.[4]

Grundherr sämtlicher Hellentaler Grundstücke war im 18. Jahrhundert alleinig das Amt Allersheim („A A“).

 

⊚ Zum Anklicken

"Grundrißs des Dorfes Hellenthal, nebst den dazu gehörigen Grundstücken

im Fürstl. Amte Allersheim im Sollinge belegen.

Vermessen 1792 von J. C. Haarmann. Copirt 1825 ..."

NLA WO, 2 Alt Nr. 11 104 / K 3344

 

Um 1792 wurde, neben dem gesamten Talbereich, auch das Dorf Hellental topografisch vom Land Braunschweig aufgenommen (Feldbeschreibung der braunschweigischen General-Landes-Vermessung).[1]

Wie aus der Vermessung der Plansiedlung und dem daraus erstellten großformatigen, detailliert erstellten und handkolorierten Grundriß des Dorfes Hellenthal von 1792 hervorgeht, gab es etwa 75 Jahre nach Gründung der Glashüttensiedlung und etwa 36 Jahre nach der Dorfgründung in Hellental insgesamt 39 Hausstellen (128 Ruten) mit mindestens 124 Bewohner*innen.

Weitere Anbauten folgten dann in den Jahren 1793 bis 1798.

Das bäuerliche Nachbardorf Merxhausen am nördlichen Sollingrand wies vergleichsweise 1793 die dreifache Einwohnerzahl auf, nämlich 373 Einwohner*innen.

Die Summe der Flächen aller Liegenschaften [1][7], wie

  • Hausstellen
  • Hofräume
  • Gärten
  • Wiesen

betrug nach dem Vermessungsregister.um 1792 insgesamt

  • 107 Morgen
  • 146 Ruten (Quadratruten)
  • 15 Fuß.

Die Hausstellenbesitzer verfügten durchschnittlich über

  • ca. ½ - 3 Morgen Gartenland

  • ca. 1 - 3½ Morgen Wiesenland.

Die Gärten der Hellentaler Dorfbewohner*innen lagen zumeist unmittelbar am Wohnhaus (hinter dem Haus) oder teils am Kleinen Hellentaler Berg, die Wiesen hingegen teils am „Buchberge“ (Buchholz), teils im Hülsebruch.[8]

Die staatlich geförderte, siedlungstypische Anlage des Hellentaler Oberdorfes lässt noch heute nachvollziehbar erkennen, dass bei der Dorfgründung und staatlich geförderten Neubesiedlung weitgehend planmäßig vorgegangen wurde.

Im Rahmen der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts abgeschlossenen Agrarreformen mit Gemeinheitsteilung erfolgte im Hellental jedoch keine Generalteilung mit Separation.[2]

 

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[1] GÖHMANN 1991, S. 59.

[2] KLEINWÄCHTER 2004, S. 32 ff.

[3] GÖHMANN 1991, S. 38.

 

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[1] Vermessung von 1792, Feldbeschreibung der braunschweigischen General-Landes-Vermessung – NLA WO 20 Alt 178; K 3344.

[2] KLEINAU 1967, S. 268.

[3] KRAATZ 1975.

[4] ENGEL 1978.

[5] MÄRZ 2016, S. 52.

[6] GROTHENN 1994, S. 5.

[7] GROTHENN 1994, S. 8.

[8] TACKE 1943, S. 138-139.

[9] KRUEGER 2013, S. 57.

[10] GÖHMANN 1991, S. 59.

[11] KLEINWÄCHTER 2004, S. 32 ff.

[12] GÖHMANN 1991, S. 38.