Waschtag bei der Urgroßmutter
Klaus A.E. Weber

"Wie früher ein Waschtag in Holzminden ohne vollautomatische Waschmaschine verlief!" [1]
Wie es ohne Waschmaschine dem Schmutz an den Kragen ging
Vor der Markteinführung der vollautomatischen Waschmaschine zur Mitte des 20. Jahrhunderts wurde die Wäsche mühevoll von Frauen noch per Hand gereinigt – ohne Waschmaschine und Trockner, Waschmittel und Weichspüler, Wasser aus der Leitung und Strom aus der Haushaltssteckdose.
Bis um 1950 war das Wäschewaschen die kraft- und zeitaufwändigste Arbeit im ländlichen Haushalt; in „besseren Haushalten“ kam eine Waschfrau.
Als es noch den Waschtag alter Art gab, wurde regional unterschiedlich die Schwerstarbeit der Reinigung und Pflege der Wäsche oft in dörflichen Frauengemeinschaften verrichtet.
Im Dreiklang von Einweichen, Vorwaschen und Waschen erfolgte nach den Wintermonaten die „Große Wäsche” (Hosen, Röcke, Leib- und Bettwäsche etc.) zumeist an zwei Tagen einmal im Monat, bei der „Kleinen Wäsche“ häufiger zwischendurch.

In der Ausstellung: Waschzuber mit einfachen Waschutensilien
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
Mit Hilfe von Waschlauge und einfachen Waschutensilien, wie Bürste, Waschbrett und Stampfer, wurde schmutzige Wäsche im Waschzuber ("Waschfass") gewaschen.
Als besonders harte Arbeit gestaltete sich bei der „Großen Wäsche” das Rubbeln der Wäsche auf dem Waschbrett, das Auswringen, Walken, Schwenken und Wenden großer Wäscheteile.

Wasserholen an einem Hellentaler Brunnenpfosten │ um 1950
© Historisches Museum Hellental
Für den historischen Waschvorgang musste zunächst Wasser geschleppt und Feuer unter dem Waschkessel gemacht werden.
Am Vorabend der „Großen Wäsche” wurden die Wäschestücke aus Baumwolle oder Leinen in lauwarmem Wasser mit selbstgemachter Seife oder Kernseife bzw. in einer Lauge aus Buchenholzasche eingeweicht, getrennt nach Arbeitskleidung, weißer Leib- und Bettwäsche, bunter Wäsche sowie nach Baumwoll- und Leinenstoffen oder Wollwäsche.
Das bis in die 1960er-Jahre am meisten gebrauchte Einweichmittel gegen starken Schmutz und hartnäckige Flecken war beigemengtes Waschsoda (Na2CO3).
Soda eignete sich ausschließlich für die Reinigung von Baumwoll- und Leinenfasern, hingegen nicht für Wolle, Seide, farbempfindliche Stoffe.
Die Wollwäsche wuchs man mit Gallseife oder warmer Wollseifenlauge, wobei sie schonend mehr gestrichen als gerieben wurde.
Das bis in die 1960er Jahre am meisten gebrauchte Soda eignete sich ausschließlich für die Reinigung von Baumwoll- und Leinenfasern.
Am nächsten Tag erfolgte in der Waschküche das Kochen im Waschkessel sowie das Stampfen der Wäsche zur effektiven Schmutzlösung.
Der seit den 1930er Jahren bis in die 1960er Jahre benutzte Wäschestampfer, bestehend aus einem Holzstiel und einer Saugglocke aus Messing mit Feder und Siebträger, reinigte das Waschgut mechanisch durch auf- und abwärts gerichtete Pumpbewegungen.
Hierbei wurde die Waschlauge durch das Gewebe gepresst und beim Hochziehen wieder angesaugt und zugleich mit Sauerstoff für die Waschwirkung des Sodas durchmischt.
Im Dampf der Kochwäsche wurden die Flecken aus den Textilien mit Hilfe eines Waschbretts mit gewellten Rippen durch Rubbeln und Bürsten entfernt.
Nach diesem heißen Waschgang kam die gereinigte Wäsche zum mehrfachen Spülen in klares kaltes Wasser, wobei die Waschfrauen auch ein Schlagholz (Bleuel) einsetzten.
Nach diesem eher heißen Waschgang kam die gereinigte Wäsche zum mehrfachen Spülen in klares kaltes Wasser.

Die vormals am Bachlauf der Helle gelegene Bleichwiese von Hellental
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
In dem Sollingdorf Hellental wurde hierzu der Gemeindebrunnen und der nahe gelegene Bachlauf der Helle genutzt, auch zum Auswaschen gebrauchter Kartoffelsäcke aus Jutefasern.
Danach wurden noch Anfang der 1960er Jahre die sauberen Wäschestücke zum Bleichen auf der flachen Bleichwiese des Dorfes ausgelegt und wiederholt mit Wasser aus dem Sollingbach benetzt, denn die Stoffe mussten nass gehalten werden, um sie in der Sonne zu bleichen.
Anschließend wurden die Textilien zum Trocknen im Wind auf die Leine ins Freie gehängt.
An den Folgetagen waren die Frauen mit Flicken, Bügeln oder Mangeln der Leib- und Bettwäsche beschäftigt.
In Deutschland kam die vollautomatische Waschmaschine für Privathaushalte erst 1951 auf den Markt.
Vertiefungsthemen →
Freilichtmuseum Hessenpark
֍ Drei Waschtipps:
-
Aschelauge herstellen gegen Fett- und Rußflecken
-
Waschsoda für die Reinigung von Baumwoll- und Leinenfasern
- Zitronensaft und Kochsalz gegen Flecken
Waschtag in der Eifel, 1978
Filmdokumentation Waschen am Gemeindebrunnen │ Alltagskulturen im Rheinland/LVR
֍ Bauchen
֍ Bleichen und Pleueln
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[1] Abbildung aus GERECKE 1977, S. 84.