Historische Zuckerrübenpresse
Klaus A.E. Weber
In der gesamten Dorf:Region bestanden in den 1950er bis 1960er Jahren relativ kleine Anbauflächen für die anspruchsvolle Zuckerrübe (Beta vulgaris subsp. vulgaris, Altissima-Gruppe).
Das aus Holz gefertigte bäuerliche Arbeitsgerät [1], die Zuckerrübenpresse jener Zeit, wurde in den Herbstmonaten in Heinade verwendet, um Rübensaft und hieraus Zuckerrübensirup zu gewinnen.
Die Rübenpresse kann durch die beiden Griffe an den Seiten transportiert werden, allerdings ist ungeklärt, ob sie im Dorf verliehen wurde.
Der aus Zuckerrüben in Handbetrieb durch Auspressen und Einkochen gewonnene pure und ungefilterte Rübensaft diente in den Nachkriegsjahren den Haushalten als Zuckersatz.
Aufbereiteter Rübensaft wurde als malzig-süßer Sirup zu einem beliebten Brotaufstrich oder zum Kochen, Backen und Verfeinern verwendet.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde unter strenger Geheimhaltung aus der Zuckerrübe auch Schnaps gebrannt („schwarz gebrannter“ Zuckerrübenschaps).

Manuelle Zuckerrübenpresse │ 1940er-1950er Jahre
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
◼ Manuelle Zuckerrübenpresse │ 1940er-1950er Jahre
Heinade, Bauernhof
[hmh Inv.-Nr. 1362
Auf einem Bauernhof in Heinade wurde die aus Holz gefertigte Spindelpresse als Zuckerrübenpresse [2] eingesetzt, um Sirup zu gewinnen.
Die historische Zuckerrübenpresse mit einer Gesamthöhe von ca. 100 cm besteht aus
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Spindel mit zweiarmiger Kurbel
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massiver Pressplatte und Pressgitter, deren Durchmesser ist etwas kleiner als der Innendurchmesser des Presskorbs
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Presskorb mit zwei Griffen an den Seiten, bestehend aus mit zwei genieteten Metallreifen zusammengehaltenen, senkrecht angebrachten Holzlatten für die Rübenschnitzel als Pressgut │ Höhe: 71 cm, Außendurchmesser: 62 cm, Volumen: ca. 20 Liter
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Auffangbecken mit Rand und Boden mit drei Füßen
- Ablauföffnung
Material: Korpus aus Holz, Eisen; Spindel und Kurbel aus gegossenem Eisen

Blick in den hölzernen Presskorb mit Eisenspindel
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
Von der Rübenernte zum Rübensaftkochen
Die Zuckerrüben werden vorsichtig mit einer mehrzinkigen Rübengabel ausgerodet.
Zur Reinigung werden die Zuckerrüben gewaschen, Reste von Erde aus den Rübenvertiefungen gekratzt und mit Bürsten „abgeschrappt“.
Anschließend werden die Zuckerrüben zu Rübenschnitzeln zerkleinert und in einem Waschkessel mit Wasser unter gründlichem Umrühren aufgekocht.
Die weich gekochten Rübenschnitzel werden in die Rübenpresse gefüllt, die mit einem groben Leinentuch ausgelegt ist, damit der Rübensaft beim Auspressen gereinigt wird.
Im Handbetrieb wird die Spindel durch die dem Gewinde aufsitzende zweiarmige Kurbel nach unten gedreht.
Die an der Schraubenspindel befestigte massive Druckplatte und das Pressgitter drücken die Rübenschnitzel in dem Presskorb zusammen und drücken sie aus.
Der Rübensaft läuft durch die Spalten des Presskorbs in das darunterliegende Auffangbecken (Schale) und durch den Ausguss in ein Auffanggefäß.
Über Stunden wird in einem zweiten Kochgang der gewonnene Zuckerrübensaft unter unablässigem Umrühren einreduziert.
Der Vorgang ist dann beendet, wenn der Zuckerrübensaft zu einem zähflüssigen und dunkelbraunen Sirup verkocht ist.
Die Pressrückstände, der Trester, werden als Futtermittel bei der eigenen Viehhaltung verwertet.
֍ Zuckerrüben ernten damals und heute
BR Unser Land, Sendung vom 18. Oktober 2024
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[1] SIUTS 2002, S. 103, Tafel 52.4.
[2] vergleichbar mit einer Obstpresse.