Schmuck der Männer
Klaus A.E. Weber
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„In Erinnerung an meine Dienstzeit“ │ um 1888
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
Zier und Zeichen: Was Männer schmückt
Große Sonderausstellung im LandesMuseum Württemberg vom 17. Oktober 2026 bis zum 25. März 2027 beschäftigt sich mit der Kulturgeschichte des Schmucks, der weit mehr als reine Dekoration ist, und dessen Einfluss auf die Vorstellungen von Männlichkeit.
Schmuck ist seit Jahrtausenden Teil männlicher Identität und der männlichen Selbstdarstellung.
Zusammenfassung:
„Während die Vorstellungen von Männlichkeit sich über die Jahrtausende verändert haben, ist der Wunsch, Status, Identität und Selbstbild durch Schmuck sichtbar zu machen, beständig geblieben.
Wann und wie Männer sich schmücken durften, war aber stets von gesellschaftlichen Normen geprägt.
Quellen vergangener Epochen zeigen, welche Schmuck- und Dresscodes jeweils galten.
Doch wo Regeln entstehen, gibt es auch Widerstand: Schmuck kann politische Haltung, Protest und das Aufbrechen von Geschlechterrollen sichtbar machen.
Bereits in der Steinzeit schmückten sich Menschen mit Muscheln, Tierzähnen oder Anhängern aus Mammutelfenbein.
Später wurden kostbare Gürtel, Goldschmuck und repräsentative Waffen zu sichtbaren Zeichen von Macht und Ansehen.
Auch Tätowierungen, wie sie die Skythen trugen, zeigen: Körpermodifikationen sind seit Langem Teil männlicher Identität.
Während im antiken Griechenland der gepflegte und trainierte Körper geschätzt wurde und Duftöle und Frisuren zur Selbstdarstellung gehörten, setzte das republikanische Rom auf Schlichtheit – nur Ringe und Amulette blieben wichtige Statussymbole.
Im Mittelalter demonstrierten Eliten ihren Rang durch prächtige Waffen, Gürtel sowie langes Haar und Bart.
Einen Höhepunkt erreichte die männliche Schmuckkultur in Renaissance und Barock, als Herrscher und Adelige sich mit Edelsteinen, Perlen und aufwendigen Gewändern schmückten.
In den Jahrhunderten vor der Französischen Revolution beispielsweise präsentierten sich Männer mit üppigem Schmuck.
Dieser reichte von Goldketten, Broschen und Ringen über verzierte Prunkwaffen bis hin zu und kostbaren Stoffen.
Die Revolutionäre dagegen lehnten die luxuriöse Hofkultur ab und gaben sich bewusst schmucklos.
Dieses Idealbild, das bereits im antiken Rom die gesellschaftliche Norm war, lebte somit um 1800 wieder auf.
Erst im 19. Jahrhundert verdrängte das bürgerliche Ideal der Zurückhaltung den Schmuck weitgehend aus dem männlichen Alltag.
Taschenuhren, Siegelringe oder Manschettenknöpfe blieben lange die wenigen akzeptierten Formen männlicher Zier.
Seit dem 20. Jahrhundert wird dieses Verständnis jedoch wieder aufgebrochen: Von Glam Rock über Hip-Hop bis hin zu genderfluiden Schmuckformen diente Schmuck erneut als Ausdruck von Individualität und Zugehörigkeit.“
In jüngerer Zeit wurde Schmuck besonders in der Popkultur zum Ausdruck von Rebellion und Selbstermächtigung.
Im Hip-Hop demonstrierten Künstler mit großen, glitzernden Schmuckstücken Erfolg und gesellschaftlichen Aufstieg.
Zugleich wurde die Musik zum Sprachrohr gegen soziale Ungleichheit und Rassismus. Auch in queeren Kontexten eröffnet Schmuck Möglichkeiten, traditionelle Vorstellungen von Männlichkeit zu überschreiten.
Ob durch auffälliges Schmücken oder bewussten Verzicht: Schmuck ist ein nonverbales Kommunikationsmittel, mit dem man(n) Individualität und Haltung sichtbar macht.“
