Verarbeitungsschritte

Klaus A.E. Weber

 

Vom Flachsstängel zum Garn

nach Angaben im Freilichtmuseum Hessenpark (2019)

 

1. Raufen

Bei der Flachsernte im August wird mit der Hand die einjährige Flachspflanze (Gemeiner Lein) mitsamt ihren Wurzeln aus dem Boden gerupft - „gerauft“.

 

2. Trocknen

In Bündeln („Kapellen“) wird der geerntete Flachs zum Trocknen auf dem Feld aufgestellt.

 

3. Riffeln

Die getrockneten Flachsbündel werden durch einen langzahnigen Riffelkamm gezogen, um die Stängel von den Samenkapseln zu befreien.

 

4. Rösten

Die von Samenkapseln befreiten Flachsbündel werden

  • auf dem feuchten Acker ausgebreitet (Feld-/Tauröste: 4-6 Wochen) oder

  • in eine mit Wasser gefüllten Grube – Flachsrotte, Flachsröste, Flachskuhle - gelegt (Wasserröste: 8-10 Tage),

damit sich durch die beginnende Verrottung (Fermentierung) die weichen Pflanzenfasern aus dem Flachs von der holzigen Strukturen des Stängels lösen.

 

5. Darren

Die feuchten „gerösteten“ Flachsstängel werden zur Einlagerung oder Weiterverarbeitung getrocknet („gedarrt“), was zumeist auf dem Feld an offenen Feuerstellen oder in Dorfbacköfen erfolgt.

 

6. Brechen

Um die Pflanzenfasern freizulegen, wird der holzige Pflanzenkern mittels einer Holzbrechen zerkleinert.

 

7. Schwingen

Die gewonnen Pflanzenfasern werden von holzigen Stängelresten gereinigt, wobei die abgeschlagenen, kürzeren Fasern zu grober Leinwand verwoben werden können.

 

8. Hecheln

Um die Fasern gleichmäßig voneinander zu trennen, werden die einzelnen Faserbündel durch ein Brett mit spitzen Nägeln gekämmt.

 

9. Spinnen

Auf dem Spinnrad werden die feinen Faserstränge zu Garn verzwirbelt.

 

10. Spulen

Das auf den Spinnspulen zusammengedrehte Garn wird geleichmäßig auf größere Spulen gewickelt.

 

11. Haspeln

Um ein einheitliches Maß des ausgesponnenen Garns zu erhalten, werden die Fäden vor ihrem Färben, Bleichen oder Verkauf auf eine oft mit einem Zählwerk versehe Haspel übertragen.

 

12. Bleichen

Die gewonnen Stränge werden auf kurzes Gras ausgelegt, wobei das Garn durch Sonneneinstrahlung und aufgebrachtes Wasser (Regen, Gießkanne) hell und geschmeidig wird.

 

Flachsverarbeitung um 1910

Es bedurfte eine Reihe von Vorbereitungsarbeiten bevor das eigentliche Spinnen erfolgen konnte.

Dabei wurden die Abläufe der Flachsverarbeitung dem Verantwortungsbereich der Frauen zugeordnet.

 

Wibbecke im Flecken Adelebsen

Bilder aus B. Birkigt-Quentin, G. Busse, W. Schäfer: Flachs und Leinen zwischen Leine und Weser. Uslar 2002, S. 11, 14, 15, 16.

 

Brechen

Arbeit an der Handbreche

 

Hecheln

Flachs durchhecheln

 

Spinnen

Arbeit am Spinnrad

 

Haspeln

Aufwickeln des Garns von der Spindel auf den Klopferhaspel

 

Handgemachte bäuerliche Flachskultur um 1900

֍ Aussaat, Krauten, Rupfen

֍ Streffen, Dreschen, Rezen

֍ Brechen, Schwingen, Hecheln

֍ Spinnen und Haspeln