Spinnwirtel zur Wollverarbeitung
Klaus A.E. Weber
Mit Drehriefen verzierte, doppelkonische Spinnwirtel
Am Glashüttenstandort Bremer Wiese des späten 12. Jahrhunderts konnten ein dunkelgrauer sowie ein hellgrauer, aus Ton auf einer Drehscheibe stufig abgedrehter Spinnwirtel (Irdenware mit Drehriefen) doppelkonischer Zweckform freigelegt werden:
- Höhe: 16 mm │ Durchmesser Wirtelkörper: 27 mm │ Durchmesser Bohrung: 7 mm
Die Bodenfunde der Irdenware bezeugen als Schwungmasse den Gebrauch frei hängend betriebener Handspindeln zur Garnherstellung resp. Fadenzwirnung aus Wolle auf der mittelalterlichen Glashütte.

Mittelalterliche Waldglashütte "Bremer Wiese" │ spätes 12. Jahrhundert
Zwei mit Drehriefen verzierte, doppelkonische Spinnwirtel aus Ton
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
Als Geräte zur Wollverarbeitung können die Spinnwirtel als Indiz dafür herangezogen werden, dass einerseits Frauen vor Ort textiles Handwerk ausübten, andererseits auf dem Hüttengelände Glasmacher gemeinsam mit ihren Familien aus rohstoff- und betriebstechnischen Gründen in unmittelbarer Nähe der Ofenanlage zumindest in der Zeit von Ostern bis Martini auf der Hütte gewohnt und gearbeitet haben.[1][2]
Mittelalterliche Höhenburg "Großer Everstein"
Mit Drehriefen verzierte, doppelkonische Spinnwirtel aus Ton
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
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[1] STEPHAN 2010, S. 134.
[2] DBU 2018, S. 130.