DORF │ Von Mobilität und Migration geprägt

SH│OG4

 

Klaus A.E. Weber

 

Mobilität in Hellental

Bahnverbindung: Braunschweig - Kreiensen - Stadtoldendorf [2]

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Seit jeher prägte Mobilität und Migration das Hellental

Bewegungen, Bruchstellen, Risse, Spaltungen, Unstetigkeit und Verwerfungen kennzeichnen jene Ereignisse und Entwicklungen, die zu verschiedenen historischen Epochen das Hellental, seine Dorfbewohner*innen beeinflussen und bis heute geprägen.

Ausgewählte Exponate führen im [hmh zu einer Reise durch Raum und Zeit – beginnend bei den frühesten menschlichen Spuren im Hellental vor rund 11.500 Jahren bis zu alltagskulturellen Dingen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Der Mobilität und der Migration kommt dabei eine besondere, wiederkehrende historische Bedeutung in Zeit und Raum zu.

Mobilität und Migration sind heute wieder erdumspannend hochaktuelle Herausforderungen.

Sie sind im Spiegel der Menschheitsgeschichte wie auch der Regionalgeschichte keineswegs außergewöhnliche Geschehnisse - so auch von wiederkehrender historischer Bedeutung für das abgelegene Hellental im Solling.

 

Hellental - Vom steinzeitlichen Rastplatz zum Waldarbeiterdorf

Das Grünlandtal der Helle - das lang gestreckte Hellental - ist ein besonderes naturräumliches, kulturlandschaftliches und geschichtliches Kleinod in der kulturhistorischen Landschaft des Sollings - dem Waldgebiet des Jahres 2013.

  • Das Sollingtal liegt naturräumlich zwischen den Höhenzügen "Großer Ahrensberg" (524 m) und "Große Blöße" (529 m), den höchsten Erhebungen des Sollings.
  • Bodenfunde (Steinartefakte) aus dem Verlauf des Sollingtals deuten darauf hin, dass sich wahrscheinlich bereits während der europäischen Mittelsteinzeit (Mesolithikum) zwischen 9.500–5.500 v. Chr. Jäger-Sammler-Fischergemeinschaften entlang des Mittelgebirgsbaches Helle aufgehalten haben; es sind die bisher ältesten erhaltenen Spuren eines Aufenthaltes prähistorischer Menschen im Hellental.
  • Die Entstehungs- und Ortsgeschichte des Glasmacherortes und späteren Sollingdorfes ist maßgeblich geprägt von der vielfältigen Waldnutzung des Sollings und deren Geschichte sowie insbesondere auch von Mobilität und Migration als Zuwanderungsdorf - vom Mittelalter bis in die heutige Zeit.
  • Anders als benachbarte spätmittelalterliche Bauerndörfer am nördlichen Sollingrand entstand der braunschweigische Glasmacherort erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts – am Vorabend des Siebenjährigen Krieges (1756-1763); staatlich gefördert als gewerbliches Dorf angelegt in der angrenzenden Landschaft eines trichterförmig ansteigenden Seitentales (265-362 m üNN), gelegen im abgelegenen "Weserdistrict" des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel; die Siedlungsstruktur blieb bis heute weitgehend erhalten.[4]
  • 1753 - älteste archivalisch fassbare Benennung des Dorfes Hellental im historischen Zusammenhang mit der herzoglichen Verordnung von Herzog Carl I. vom 19. März 1753 über den "Neuen Anbau auf dem Lande"
  • Die im 18./19. Jahrhundert in Hellental lebenden Menschen waren meist Kleinstellenbesitzer mit Nebengewerbe (kleingewerbliches Mischeinkommen, u. a. durch Leinwandherstellung und Waldarbeit).
  • Ende des 18. Jahrhunderts zählte das Bergdorf Hellental zu den bedeutenden Waldarbeiterdörfern des nördlichen Sollings.

 

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Mesolithische Silex-Artefakte im Hellental

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

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Blechspielzeug Schuco-Motorrad „Curvo 1000“ │ 1950-1955

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Dorfstraße in Hellental │ 1900

∎ Bleistiftzeichnung

Am 11. September 1900 wurde die Hellentaler Dorfstraße vom Braunschweiger Kunstmaler Heinrich Meyer skizziert.

Die Bleistiftzeichnung zeigt die steile, unbefestigte Dorfstraße mit Blick auf den Brunnen und zweistöckige Fachwerkhäuser.

Am rechten Straßenrand ist ein Leiterwagen mit herbstlicher Heuernte, am linken Bildrand „aufgebanstes” Brennholz zu erkennen.

[hmh Inv.-Nr. 3008

 

Dorfleben in Hellental 2010

Zeichnung von Karl-Peter Penke

Die ausgestellte großformatige Zeichnung (schwarz-weiß) des Künstlers Karl-Peter Penke (ehemals Mitglied im Kunstkreis Holzminden) wurde am 30. Mai 2010 anlässlich der Sternwanderung des Sollingvereins nach Hellental von Kindern bunt ausgemalt.

[hmh Inv.-Nr. 3035

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∎ Karte des Hochstifts Paderborn, um 1750

Reproduktion

Matthäus Seutter (1678-1757), deutscher Kartograph, Stecher und Verleger

 

Das zweite Leben der Dinge. Stein, Metall, Plastik [1]

Ausstellung des Schweizerischen Nationalmuseums │ Landesmuseum Zürich │ 14. Juni bis 10. November 2024

Die Wegwerf- und Konsumgesellschaft ist ein junges Phänomen in der Geschichte der Menschheit.

Knappheit und Mangel bestimmten früher den Umgang mit Materialien und Gegenständen.

Bis zur industriellen Revolution im späten 18. Jahrhundert war es üblich, Kleidung weiterzugeben, Werkzeuge zu reparieren, Baumaterial weiterzuverwenden, Bronzegegenstände einzuschmelzen und neu zu formen oder Glasgefäße wiederzuverwerten.

Ob aus Stoff, Metall, Stein oder Glas – für alle möglichen Dinge war ein zweites, drittes oder gar unendliches Leben vorgesehen.

Die Ausstellung wirft einen Blick auf vergangene und heutige Methoden der Kreislaufwirtschaft.

Objekte von der Steinzeit bis zur Gegenwart zeigen, wie ihre Geschichte das Bewusstsein für den Wert der Dinge schärfen kann.“

 

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[1] zitiert aus dem Newsletter des Landesmuseums Zürich │ Schweizerisches Nationalmuseum vom 29. Mai 2024.

[2] Reisekoffer der Hellentaler Familie Hempel │ 1950er Jahre │ Bahnverbindung: Braunschweig - Kreiensen - Stadtoldendorf.