Der Taufstein von 1592

Klaus A.E. Weber

 

RÖCKENER ⦋1⦌, GÖHMANN ⦋2⦌[3] und DRÖMANN/GÖHMANN [4] führen aus, dass sich der unterhalb des Ostfensters im südlichen Seitenchor in einer kleinen Tauf- und Beichtkapelle aufgestellte qualitätsvoll aus hellem (gelben) Sandstein gearbeitete Taufstein in leichten, eleganten Formen über einem oktogonalen Sockel becherförmig erhebt.

 

Taufstein auf das Jahr 1592 datiert

Traditionszeichen: Wappen der Zisterzienser

weiß-rot geschachteter Schrägbalken, gekreuzt mit einem Abtstab

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Der Taufstein mit dem eingeschlagenen Jahr seiner Stiftung 1592 ist reich mit im Renaissancestil verzierten und bemalten Blatt- und Rollwerkkartuschen, mit Voluten, Flügelköpfen und Fruchtgehängen besetzt.

Auf Rollwerk-Kartuschen umgeben das Taufbecken verschiedene Wappenschilder:

  • weiß-rot geschachteter Schrägbalken als Wappen der der Zisterzienser, gekreuzt mit einem Hirtenstab

  • Wappen des Abtes der Entstehungszeit, Vitus Buchius (reg. 1588-1598), mit einem Baum vor zwei gekreuzten Abtstäben

  • ehemals bemaltes herzoglich Braunschweigisches Wappen in Form eines dreimal geteilten und einmal gespaltenen Schildes

  • ein Leerschild, das einst bemalt als Halberstädter Wappen trug.

Der Taufstein "ist ein Geschenk eines Benediktinerabtes aus Corvey hier an den zweiten evangelischen Abt Vitus Busch".[5]

Der vom Corveyer Abt und der lüneburgischen Familie Töbing gestiftete Taufstein dient der Gemeindekirche der Klosterdörfer.

Über dem Taufstein befinden sich heute die wertvollen Glasscheiben aus dem ehemaligen Nordfenster über der Totentür mit einer Stamm Jesse-Darstellung.

Durch jene Totentür trugen die Mönche ihre heimgerufenen Brüder auf den Klosterfriedhof.

 

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⦋1⦌ RÖCKENER 1998, S. 16-18.

⦋2⦌ GÖHMANN 1991, S. 56 Anm. 32.

[3] GÖHMANN 1982, S. 86.

[4] DRÖMANN/GÖHMANN 2008, S. 22.

[5] OSTERMANN/SCHRADER 1985, S. 102.