Kultiviertes Getreide
Klaus A.E. Weber
Getreide in der frühen Landwirtschaft
Die Kulturgeschichte des Brotes ist eng verbunden mit der landwirtschaftlichen Kultur des Ackerbaus - mit Getreideanbau und der handwerklichen Getreideverarbeitung.
Emmer und Einkorn gelten als die ältesten kultivierten Getreidesorten, die bereits in kultivierter Form aus dem Bereich des Fruchtbaren Halbmondes in Vorderasien kamen, einer der Ursprungsregionen der „neolithischen Revolution“.
Die Getreidesorten besaßen einen hohen Kohlenhydratanteil auf und somit einen großen Kaloriengehalt.
Zudem wies getrocknetes Getreide eine einfache Lagerung und Haltbarkeit auf, das eine Vorratswirtschaft ermöglichte.
Getreideernte │ Frühe Jungsteinzeit
Niederösterreich │ 5.600 v. Chr.
Naturhistorisches Museum Wien
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
Revolutionäres Neolithikum
Dem Mesolithikum folgte die Jungsteinzeit (Neolithikum).
Eng verbunden mit der landwirtschaftlichen Kultur begann mit der „Neolithisierung“ in Mitteleuropa der systematische Getreideanbau und der Entwicklung der Getreideverarbeitung etwa ab 5700-5.500 v. Chr. als die ersten Bauernfamilien, die Bandkeramik-Kulturen, eines erhöhtem Verzehrs von Kohlenhydraten bedurften.
Die so genannte Linearbandkeramische Kultur, die älteste bäuerliche mitteleuropäische Kultur der Jungsteinzeit, kultivierte zur Getreidenahrung die früh domestizierten Weizenarten Einkorn und Emmer sowie Saatweizen und Gerste.
Die so genannte „Trichterbecherkultur“ (etwa 4.000-2.800 v. Chr.) repräsentiert in Norddeutschland die erste Phase jener Menschen, die ohne Anzeichen von sozialer Schichtung Ackerbau und Viehzucht betrieben.
In dieser Nordgruppe der Trichterbecherkultur kann der Anbau von Einkorn, Emmer und Gerste erst ab 3.300 v. Chr. nachgewiesen werden.
Inzwischen gewährt eine Kieler Studie neue Einblicke in den Speiseplan der frühesten Bäuer*innen von vor 5000 Jahren.
Vor über 6.000 Jahren begann in Hochkulturen die Geschichte des Bierbrauens - mit Gerste oder Emmer.
Seit dem dritten vorchristlichen Jahrtausend, in der frühsumererischen Zeit, wird Emmer zum Grundnahrungsmittel.
Da im norddeutschen Raum, besonders in Küstennähe, die Urgetreide Emmer und Einkorn nicht ausreichend gut gediehen, wurde dort seit der Bronzezeit vor allem Saathafer angebaut.

Heutige Getreidesorten
Ausstellungen in Dassel / Museum auf dem Burghof Springe │ Mai 2012
© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber
Regionale Getreideaussaat- und Ernteverhältnisse 1756
Nach der "Beschreibung des im Fürstlichen Amte Wickensen belegenen Ortes Heinade im Jahre 1756, gefertigt von Christoph Laurentius"
Getreide - Fläche - Aussaat - Ernte
Roggen ► 1 Feldmorgen - 2x ca. 40 kg - 8x ca. 160 kg
Roggen ► 1 Waldmorgen - 3x ca. 60 kg - 10x ca. 200 kg
Gerste ► 1 Morgen - 2x ca. 36 kg - 15x ca. 270 kg
Hafer ► 1 Morgen - 3x ca. 36 kg - 15x ca. 180 kg
Getreide im Sommer 1960 [1]
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
Älteste domestizierte Getreidesorten
Noch während des Mittelalters wurde Getreide mit der Sichel geschnitten, wobei nur die Ähren geerntet wurden.

Emmer (Triticum dicoccum)

Einkorn (Triticum monococcum)

Dinkel (Triticum aestivum subsp. Spelta)

Gerste (Hordeum vulgare) und Hirse

Hafer (Avena fatua)
Ausstellung im Vonderau Museum Fulda
© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber
LWL-Freilichtmuseum Detmold │ 2008
© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber
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[1] aus der ehemaligen Sammlung Lessmann, Hellental.