Wege im Umfeld von Hellental

Klaus A.E. Weber

 

Im Rahmen der seit Ende des 18. Jahrhunderts betriebenen Verbesserung des Straßennetzes wurden kleinere Ortschaften, die wie Hellental abseits von Provinzial- oder Kreischausseen lagen, durch gefestigte Fahrwege mit den nächsten größeren Straßen verbunden.

Hellental liegt seit jeher aber abseits des Durchgangsgebietes bedeutender Verkehrswege.

Die Talsohle des Hellentales prägte als topografische Hauptrichtung seit jeher seine Erschließung.

Noch heute ist Hellental nur über eine ausgebaute, Richtungsänderungen in der Hauptachse mitmachende Stichstraße (Kreisstraße 48) einseitig von Merxhausen aus erschlossen, fernab des überregionalen Straßenverkehrsnetzes.

 

Alte Hellentaler Wege [1]

▷ Vergl. hierzu Flurkarte Hellental

 

  • Bohlweg
  • Buchholzweg

  • Franzosenweg
  • Hellentalstraße

  • Herrentrift

  • Kurbenweg

  • Lumbornweg

  • Merxhäuser Straße

  • Milchweg

  • Mittelbergstraße

  • Neuer Weg

  • Spinne

  • Stadtoldendorfer Stieg = "Stättscher Stieg"

  • Winterliethstraße

 

Auszug aus der Deutschen Grundkarte 1:5000 (DGK 5)

⊚ Zum Anklicken

 

Bohlweg

Ist man hier auf dem Holzweg?

Nordwestlich des Dorfes Hellental führt am nördlichen Rand des Berges „Buchholz“ zwischen den Gebieten „Steinlade“ und „Heidelbrink“ der die "Alte Einbecker Straße" querende „Bohlweg“ in Richtung des östlichen Abschnitts des "Pilgrimbergs".

Nach ortskundlicher Aussage handelt es sich jedoch nicht um einen angelegten „Knüppeldamm“, da hier kein Feuchtgebiet bestand.

Bei dem zu vermutenden historischen Holzweg könnte es sich um einen Fußweg/Steg oder/und gar Fahrweg handeln, der frühestens im 18. Jahrhundert angelegt worden sein dürfte.

Anmerkung zur Errichtung von Bohlenwegen

Wie HEUMÜLLER [4] darlegt, entwickelte sich, beginnend vor etwa 11.700 Jahren, die Moorlandschaft von Niedersachsen, welches „wie in keinem anderen deutschen Bundesland von großen Mooren geprägt“ ist.

Im Solling entstand das Hochmoor "Mecklenbruch" vor etwa 4.300 Jahren.

Bereits seit der Jungsteinzeit (Trichterbecherkultur) machten in der norddeutschen Tiefebene einfach gebaute Holzwege aus unterliegenden Längshölzer und darüber quer verlegte Stammsegmente den weichen, nicht tragfähigen Untergrund begehbar.[4]

Wie CREYDT [3] ausführt, wurden Bohlenwege oder „Bohlwege“ in moorigen und anmorrigen Feuchtgebieten als so genannte Knüppeldämme aus in Laufrichtung verlegten Randhölzern und darüber liegenden Rundhölzer schichtweise angelegt, so wahrscheinlich auch in Bruchgebieten des Hochsollings.

 

Franzosenweg

Mit dem Wegenamen „Franzosenweg“ bezeichnen ältere Hellentaler einen ehemaligen Weg oberhalb von Hellental der vom Buchholzweg über das Oberdorf zwischen dem „Armenhaus“ und dem benachbarten Gebäude auf die alte Dorfstraße führte.

Folgt man Ausführungen von CREYDT [5], so dürfte hier am ehesten eine historische Zuordnung zum Siebenjährigen Krieg (1756-1763) angenommen werden.

Bei ihren Truppenbewegungen benutzen Franzosen in jener Zeit auch einen Weg von Holzminden – Schießhaus – Merxhausen nach Dassel.

Als Zeugnisse des Schreckensjahres im Solling von 1761 [6] können in Dorfnähe von Hellental vorgefundene Kanonenkugeln vermutet werden, die sich in der Ausstellung des Historischen Museums Hellental befinden.

Der „Franzosenweg“ in Hellental ist heute nicht mehr vorhanden.

 

Milchweg

Der „Milchweg“ war ehemals ein Hellentaler Wirtschaftsweg, der von der „Herrenwiese“ entlang des Berges "Buchholz" hinunter auf den "Bucholzweg" führte.

Er diente aber nicht zum Milchtransport.

 

Stättscher Stieg - Stadtoldendorfer Stieg

Alte „Stiegen“ verbanden als fußläufige Kommunikationswege auf kürzestem Weg einzelne Siedlungen bzw. benachbarte Gemeinden untereinander.

So führte der heute ungenutzte Fußweg Stättscher Stieg“ einst von Hellental über den Rücken des Berges „Buchholz“ nach Stadtoldendorf, dem Amtssitz.[2]

Ob, wie anderswo, auch der Fußweg von örtlichen Wilddieben genutzt wurde, ist zwar nicht von der Hand zu weisen, dem hingegen aber nicht sicher belegt.

 

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[1] Erfassung mit Stand 28.07.2014 von Dr. Klaus A.E. Weber und Heinrich Seitz, Hellental.

[2] Vergl. CREYDT 2022, S. 12.

[3] CREYDT 2022, S. 37-40.

[4] HEUMÜLLER 2022.

[5] CREYDT 2022, S. 40-42.

[6] CREYDT/SCHAMETAT 2022.