Alte Klamotten - Zeit│Mode│Einfluss

Klaus A.E. Weber

 

Nichts macht Geschichte und Kultur fassbarer als Kleidungsstücke und Textilien.

 

Dörfliche Frauenmode um 1960

"Oma" Johanne Siebers (geb. Kiene) sitzend vor dem Hauseingang des "Sollinghauses"

© Historisches Museum Hellental

 

20. Jahrhundert

֍ Frauen in den Zwanzigern

 

Modetanz Charleston

Charleston - der Tanz der 1920er Jahre

So wenig sie einander mögen, so wenig halten sie offenbar vom Dasein, denn sie suchen sich krampfhaft und mit den größten Anstrengungen ihrer Körper zu entledigen.

Zuerst möchten sie Arme und Beine wegwerfen, aber es will nicht gelingen.

Gleich darauf  geht dieser Hass gegen das Leben auf den Körper selbst über, den sie schütteln, als wäre er eine reife Frucht und als erwarteten sie jeden Augenblick, dass sie vom Ast falle.“ [1]

 

Fashion auf dem Land

Schwarzes Kleid │ 1920er Jahre

© Historisches Museum Hellental, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

Exkurse

 

Eine große Farbe

Der Farbe Schwarz haftet der Hauch des Todes, der Trauer und des Nichts an.[3]

Schwarz ist mehr als ein Synonym für düstere Zeiten, sondern auch auch eine große Farbe der Mode.

 

Fashion?! Was Mode zu Mode macht!

Landesmuseum Württemberg │ Große Landesausstellung 2020 - mit zwei multimedialen Erzähleinheiten: ֍ Teil 1 ֍ Teil 2

 

Hannelore Siebers und Helga Hentschel beim Sonnenbaden im Wald

"überrascht von Alma und Ernst Strohmeier und Heppners" │ 1949

© Historisches Museum Hellental

 

1949 - Die Mode zieht in Hellental ein [4]

Die 17jährige Hannelore Siebers und ihre Freundin Helga Hentschel nähen gern und haben sich mutig etwas ganz Schickes selbst genäht.

„Nach dem Krieg gibt es nichts und so wird improvisiert".

Es sind kurze Hosen mit dazu gehöriger, kurzärmeliger Bluse – auf den Dörfern zu der Zeit vollkommen unbekannt.

„Das gibt es noch nicht“.

So gehen Hannelore und Helga heimlich in eine Waldschonung und legen sich in ihrer neuen Errungenschaft in die Sonne - "zum Sonnenbaden".

Nun kommen auch noch ganz zufällig zwei Hellentaler Herren vorbei, die bekommen große Augen.

Als Spätfolge dieser Aktion gibt es dann eine ganze Zeit im Dorf auf einmal einen Zuruf:

„Na ja, gerade Beine hast Du ja“.

 

Louise Dehne, verh. Bremer (1862-1930) [4]

Pelerine von Louise Dehne │ um 1890 │ Merxhausen

© Foto: Privatsammlung Familie Kuhmlehn, Merxhausen.

© Historisches Museum Hellental, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Pelerine │ um 1890 │ Merxhausen [1]

Original-Kleidungsstück Pelerine von Louise Dehne, verh. Bremer (* 1862 Arholzen │ † 1930 Merxhausen)

Ehefrau des Halbmeiers Karl (Carl) Bremer (1886-1970) in Merxhausen

Baumwollstoff

Statt eines Mantels leichter ärmelloser, weit geschnittener Umhang, auch als Cape bezeichnet

 

Hochzeit

 

Hochzeitsanzug │ 1936 │ Hellental [6]

Festlicher schwarzer Herrenanzug als Dreiteiler Schneiderei in Merxhausen

  • Jacke mit einreihigen Knöpfen

  • Herrenweste

  • Hose

  • weißes Herrn- Oberhemd

  • schwarzer Querbinder

  • schwarzer Glanzzylinderhut

  • weiße Fingerhandschuhe

Hochzeit am 11. Juli 1936 in Heinade von Karl August Friedrich Hempel (1905-1944/1945) und Anna Bertha Frieda Frohme (1905-1960) (s. unten)

 

„Brauthäubchen“ │ 1935 [7]

Hochzeitsbrauch in Hellental

Um Mitternacht wurde von der Braut der Schleier abgelegt und das Häubchen aufgesetzt.

Damit war die Braut „unter der Haube“ - sie war verheiratet.

Teilweise wurde der Schleier auch zerrissen, denn fast jeder der Hochzeitsgäste wollte ein Andenken haben.

Danach folgte der Ehrentanz des Brautpaares.

Dabei trug der Bräutigam eine edle weiße Zipfelmütze mit roter Bommel.

 

Taufe

 

Taufkleid │ um 1900 │ Odenwald

In kirchlicher Tradition wurde dem Neugetauften für den Vorgang der Taufe das hochwertige weiße Gewand als Oberkleid angezogen.

Das Taufkleid war als Erbstück in einer Familie im Odenwald weitergegeben worden.

 

Konfirmation

 

Silbernes Essbesteck │ 1929/1930 │ Hellental [8]

Das Essbesteck - Esslöffel, Gabel, Messer - wurde der Konfirmandin Irmgard Hempel, verh. Ohrmann (1915-2004), anlässlich der Konfirmationsfeier 1929/1930 überreicht.

 

© Historisches Museum Hellental

 

Geflochtener „Wäschekorb“ │ um 1920 │ Hellental │ Weidenholz

als hängende Babywiege

 

Herausgeputzt - Accessoires für die Dame

 

Pailletten-Abendtasche │ um 1920 │ Altkreis Einbeck [5]

beutelartige Damenhandtasche mit Innenfutter

 

Schwarze Samt-Bluse │ um 1900 │ Oberschlesien [5]

vermutlich aus umgearbeitetem Kleid

 

Spitzen-Stulpen │ um 1890 │ Altkreis Einbeck [5]

Seide

 

Hemd mit Spitze │ 1920er Jahre │ Berlin? [5]

vermutlich Unterhemd eines Charleston-Kleides

 

Ländliche Frauenmode 1920er Jahre

Anna Frohme  (1905-1960) (rechts) │ Anna Frohme im November 1927 (links)

© Fotos: Privatsammlung Elisabeth Dittrich, Holzminden

 

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[1] Zitiert bei Arno Widmann. In: Frankfurter Rundschau. 78. Jg. Nr. 116, 19. Mai 2022, S. 29.

[3] Blog-Artikel des Schweizerischen Nationalmuseums vom 07. August 2020 von Andrea Franzen, Kunsthistorikerin und Kuratorin am Schweizerischen Nationalmuseum.

[4] Nach einer Erzählung von Hannelore Schulz (geb. Siebers,1932-2020), Hellental.

[5] Schenkung an das Historische Museum Hellental von Eva Zahradnicek, Holzminden.

[6] Schenkung an das Historische Museum Hellental von Elisabeth Dittrich, Holzminden.

[7] Schenkung an das Historische Museum Hellental von Irmgard Timmermann, Hellental.

[8] Schenkung an das Historische Museum Hellental von Dieter Schlossmacher.