Rekonstruktion der mittelalterlichen Klosteranlage

Klaus A.E. Weber

 

Lebensbedingungen der spätmittelalterlichen Mönchsgemeinschaft

Wie KOCH [3] ausführt, wurden beim Bau der Klosteranlage „offenbar größere Investitionen in den Wohnkomfort“ getätigt für

  • die Wasserversorgung

  • aufwändige Warmluftheizungen

  • Kachelöfen

  • einen Schmuckfußboden

  • eine Dachdeckung aus Hohlziegel

  • eine Fensterverglasung

  • eine hochwertige Steinmetzkunst.

Neben den nachweisbaren und im Folgenden grob skizzierten Klostergebäuden bestanden archäologischen Untersuchungen zu Folge im weiteren Umfeld der Klosteranlage kleine Gebäude mit vermutlich handwerklicher Nutzung.

Die Ergebnisse archäologischer Untersuchungen legen nahe, „dass die ursprünglich großzügige Anlage der Propstei immer mehr auf Ausmaße reduziert wurde, die als Folge sich offenbar ständig weiter einschränkender Nutzungsmöglichkeiten gesehen werden müssen“.[2]

 

֍ Klosterruine "tom Roden"

Gebäudegrundriss der Klosteranlage [3]

in Ost-West-Ausrichtung

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Die St.-Maria-Magdalena-Kirche

Wie in der Abtei Corvey lag die in rotem Sollingsandstein längsrechteckige erbaute Klosterkirche im Süden der Propstei.

Bei den Grabungen konnte nach ISENBERG [1][2] der Grundriss der Kirche in groben Zügen herausgearbeitet werden:

  • Das Kirchengebäude war eine flachgedeckte dreischiffige Basilika von 34,80 m Länge (37 m ohne Turm) und 13,20 m (15 m) Breite.

  • Die Breite des Mittelschiffs betrug 6,80 m.
  • Die beiden ca. 2 m Seitenschiffe besaßen vermutlich Konchen, aufgemauert über einem geraden Fundament.

  • Im Osten schloss die Basilika mit einer Halbkreisapsis im Mittelschiff ab.

  • Ein Querhaus fehlte.

Im Kirchenschiff konnte ein Obergadenmauerwerk rekonstruiert werden, für die Mittelschiffsarkaden je zehn Bogenöffnungen .[1]

Das Fundament einer Chorschranke fast in der Kirchenmitte zeigt, dass die Klosterkirche in einen 17 m langen Mönchschor und eine ca. 19 m lange Gemeindekirche unterteilt war.

Vor dem Lettner zum Laienraum hin befand sich ein Altar, „von dem noch der nördliche Teil seines Fundaments ergraben werden konnte“. [1]

Die Gemeindekirche wies in den Seitenschiffen entlang der Außenwände steinerne Bankette auf, welche den Gottesdienstbesuchenden als Sitzgelegenheit gedient haben dürfte.[1]

Das Kirchenschiff wies an der Südseite des Chors zwei Anbauten von jeweils etwa 20 m² Grundfläche auf.

Für den weiter östlich gelegenen Anbau „ließ sich innen in seiner Nordwestecke eine Teilunterkellerung und außen an seiner Südwestecke ein rechteckiger Brunnenschacht nachweisen … Doch deutet die Existenz eines Kellers auf Vorratshaltung hin, was entweder für eine Wohnbehausung oder aber für eine sakristeiartige Nutzung spricht“.[2]

Zur Stellung des Hauptaltars im Osten der Kirche gab es keine Befunde, ebenso keine zum Fußboden.

 

Blick nach Osten in die einst dreischiffige Basilika

April 2024

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Aufgemauerte Fundamentreste der Klosterkirche

Altar mit Chorschranke

Mönchschor mit Halbkreisapsis

April 2024

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Westturm der Klosterkirche

Der Klosterkirche war im Westen ein aus rotem Sollingsandstein tief fundamentiertrt, massiv gemauerter, in den Grundmauern fast quadratischer Turm (6,80 x 6,80 m / 11 x 10 m Breite des Mittelschiffs) vorgesetzt, welcher sich zum Kirchenschiff hin durch eine Doppelarkade öffnete.[1][2]

 

Aufgemauerte Fundamentreste

des massiven Westturms der Klosterkirche

April 2024

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Die Klostergebäude

Im Osten und Norden der Klosterkirche bestanden zwei Klosterbauwerke, vermutlich in einer Kombination aus Stein- und Fachwerkbau errichtet:

  • ein mit 36×9,50 m langgestreckter Osttrakt

  • ein schwach gegründeter Nordtrakt zu Wirtschaftszwecken

Ein Westflügel konnte nicht nachgewiesen werden.

Die freigelegten Klostergebäude „weisen ein einheitliches Material und eine einheitliche Mauertechnik auf“, wobei der Sollingsandstein und Kalkstein aus der gegenüberliegenden Weserregion bezogen wurde.[2]

 

Osttrakt

Von dem östlichen Flügel der Klostergebäude ließ sich das genaueste Bild gewinnen.

Bei dem mehrgeschossigen und in verschiedene Räume unterteilten Ostflügel waren drei Räume mit einer Herdstelle ausgestattet.

Die Räume könnten dem Konvent als Wohn- und Versammlungsbereich gedient, ein Raum für die Krankenversorgung.

Wie ISENBERG [2] hierzu detailliert darlegt, war im südlichsten der Räume unmittelbar nördlich der Herdstelle ein mit einem Bruchsteingewölbe überdeckter Kanal angelegt worden.

Da jeder Raum östlich des Durchflusses jedoch mit einer Heizmöglichkeit ausgestattet war, ist zu vermuten, dass der Ostflügel in erster Linie dem Konvent des Klosters als Wohn- und Versammlungsbereich (Kapitelsaal, Parlatorium, Bibliothek, Sakristei) gedient hat.

Die solide Gründung des Gebäudes lässt überdies nicht ausschließen, daß ein Obergeschoß vorhanden war, in dem der Schlafraum der Mönche (dormitorium) und die Kleiderkammer (vestiarium) untergebracht gewesen sein könnten.“

 

Nordtrakt

Die Nutzung eines flachen, teils unterkellerten Fachwerkbaus des Nordflügels bestand vermutlich vorrangige zur Lagerung und Verarbeitung von Nahrungsmitteln ging - als Vorrats-, Speise- und Küchengebäude.

Nach ISENBERG [2] lässt sich aufgrund der Befunde zur Inneneinrichtung „eine Einteilung des Flügels von Westen nach Osten in den Vorratsbereich (cellarium), den Speisesaal (refectorium) und die Küche (cocina) vertreten".

 

Warmluftheizung

Im Ost- und Nordtrakt des Klostergebäudes konnten Feuerstellen freigelegt und aufwändige Warmluftheizungsanlagen festgestellt werden.

Dabei wies der Ostflügel verschiedene Heizungssysteme auf.

Unter dem zweiten südlichen Raum des Osttraktes (calefactorium) war nach ISENBERG [2] eine Warmluftheizung eingebaut, die „nicht nur diesen, sondern auch das lediglich durch eine Balkendecke getrennte Obergeschoß beheizt haben“ könnte.

 

Kreuzgang und Kreuzhof

Der Zweiflügelbau der Klosteranlage umschloss mit der Klosterkirche, einem Ost- und Nordtrakt des Klostergebäudes und einem westlichen Mauerabschluss den Kreuzgang.

 

Aufgemauerte Fundamentreste

Klosterhof (Quadrum mit Brunnen)

April 2024

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

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[1] ISENBERG 1977 / Gabriele Isenberg: Bedeutende Grabungsergebnisse │ https://www.hvv-hoexter.de/wp-content/uploads/2011/07/Grabungsergebnisse-tom-Roden.pdf.

[2] ISENBERG 1980 / Gabriele Isenberg: Die Ausgrabung des mittelalterlichen Klosters tom Roden. I & II │ https://www.hvv-hoexter.de/wp-content/uploads/2010/07/Die-Ausgrabungen-des-mittelalterlichen-Klosters-tom-Roden-I-u.-II.pdf.

[3] KOCH 2015c, S. 246.