Steinzeitliche Kulturspuren

Klaus A.E. Weber

 

Klimaschwankungen

Kalt- und Warmzeiten

Bis an den Nordrand des Sollings reichte vor etwa 400.000 - 320.000 Jahren die Südgrenze der Elster-Kaltzeit, wohingegen der Eisrand der späteren Weichsel-Kaltzeit vor rund 115.000 - 11.600 Jahren dieses Gebiet nicht mehr direkt berührte.

Die bislang jüngste Kaltzeit in Mitteleuropa endete mit der Wiederbewaldung etwa ab 9.500 v. Chr.

Während jener Epochen der frühen Menschheitsgeschichte entwickelten sich die Grundlagen unserer heutigen Kultur.

Mit dem Wechsel der Tundra-Landschaft (Mammutsteppe) hin zu ausgedehnten Waldgebieten mit veränderten Vegetationszonen begann - im Übergang zwischen dem Paläolithikum und Neolithikum - per definitionem zwischen der Alt- und Jungsteinzeit - das europäische Mesolithikum, die Mittelsteinzeit.

Während das Paläolithikum noch vom Eiszeitalter geprägt war, begann das Mesolithikum mit dem Ende der großen Kaltphase zwischen 8.500 - 8.000 v. Chr. - gleichgesetzt mit dem Beginn des gegenwärtigen Zeitabschnitts der Erdgeschichte, dem Holozän.

Durch das Zurückschmelzen des nordischen Inlandeises nach Mittelschweden endete die letzte große Eiszeit und mit ihr zugleich auch das Leben kaltzeitlicher Säugetiere, wie das der Wollnashörnern (Coelodonta antiquitatis) und der Mammute (Mammuthus) vor 8.000 Jahren.

Mit der zunehmenden nacheiszeitlichen Wiedererwärmung des Klimas war nicht nur eine grundlegende Änderung der Umweltverhältnisse verbunden, sondern auch ein Wandel, der den prähistorischen Menschen und sein Verhalten in der Umwelt bestimmte und einen starken kulturellen Wandel zur Folge hatte.

 

Tundra-Landschaft in Norwegen │ 1998

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

„Stahl der Steinzeit“

Feuerstein │ Flint │ Silex

Prähistorisch von einem Kernstein abgetrennte Pfeil- und Speerspitzen bestanden nahezu ausschließlich aus dem „Glasbildner“ Siliziumdioxid (SiO2).

War über eine Million Jahre lang der Faustkeil als zweiseitig bearbeitetes Steingerät das am weitesten verbreitete Universalwerkzeug des prähistorischen Menschen (das steinzeitliche „Schweizer Taschenmesser“), so wurden im Mesolithikum die Steinwerkzeuge auffallend klein - daher auch als „Mikrolithe“ bezeichnet.

Pfeil und Bogen wurden zur effektiven Hauptwaffe..

Die zunehmende und dichter werdende Wiederbewaldung erfolgte zunächst mit Birken und Kiefern, später mit Haselsträuchern und Laubmischwäldern (Eichen, Ulmen, Linden, Eschen), mit der Folge auch eines Wechsels im Tierbestand.

 

Mobile „Wildbeuter-Kulturen“

Dem Standwild, wie Auerochse, Bison, Elch, Rothirsch, Reh und Wildschwein. stellte der nacheiszeitliche Mensch als Jäger nach.

In „sozialen Netzwerken“ von Jäger- und Sammlergemeinschaften organisiert, bevorzugten die prähistorischen Menschen jene Aufenthaltsorte, wie Flüsse, Bäche und Seen, die von jagdbaren Tieren zur Tränke aufgesucht wurden.

So lebten die „Wildbeuter-Kulturen“ von der Jagd, vom Fischfang und vom Sammeln pflanzlicher Nahrung.

Diese Form des Wirtschaftens erforderte eine besonders mobile Lebensweise, um die Nahrungsquellen in einem größeren Areal nutzen zu können.

In egalitärer Gesellschaft lebten die mobilen „Wildbeuter“ wegen des limitierten Nahrungsangebotes nur in kleinen sozialen Gruppen.

 

Neolithikum (Jungsteinzeit) - Revolution der Sesshaftigkeit

Durch die innovative Etablierung der Landwirtschaft mit permanenten Siedlungen wurden vor mehr als 12.000 Jahren die Weichen für unser modernes Leben gestellt.

∎ Bandkeramisches Gefäß mit Ösen

4.000 v. Chr.

Nachbildung einer Linearbandkeramik

Aiterhofen/Niederbayern