Johannes Kunkel (~ 1630-1703)

Klaus A.E. Weber

 

Wiedererfinder des Rubinglases

 

Glasmuseum Immenhausen

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Der Alchimist, Apotheker, Chemiker und Glasmacher Johannes Kun(c)kel (um 1630-1703) entstammt einer alten hessischen Glasmacherfamilie des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, die zunächst dem Spessartbund von 1406 angehörte und später in der Rolle des in Großalmerode ansässigen „Hessischen Gläsnerbundes“ von 1537 dokumentiert ist.

Im Zeitraum 1679-1688 stand Johannes Kunkel als Glastechniker in Diensten von Friedrich Wilhelm (1620-1688), dem Brandenburgischen Großen Churfürsten.

In seinem auf der Pfaueninsel bei Berlin betriebenen Laboratorium gelang Kunkel schließlich die Herstellung wertvoller Gläser aus Goldrubinglas und Smaragdglas.[1]

Neben dem Buch des britischen Arztes Christophorus Merret (1662) übersetzte Kunkel das Buch des Italieners Vannoccio Biringuccio (1540) („De La Pirotechnia. Libri X“) und das 1612 von Antonio Ludovic Neri (1576-1614) in Florenz herausgegebene Werk „L' Arte vetraria distinta in libri sette del r. p. Antonio Neri fiorentino: ne quali si scoprono, effetti marauigliosi, & insegnano segreti bellissimi, del vetro nel fuoco & altre cose curiose. nella Stamperia de'Giunti“.

 

Johann Kunckel: Ars Vitraria Experimentalis, 1679

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Potsdam Museum

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Darauf aufbauend und mit eigenen Forschungsergebnissen ergänzt, veröffentlichte Johann Kunkel 1679 sein Werk „Ars Vitraria Experimentalis, Oder Vollkommene Glasmacher-Kunst/ Lehrende [...] Die allerkurtz-bündigsten Manieren/ das reineste Chrystall-Glas; alle gefärbte oder tingirte Gläser; künstliche Edelstein oder Flüsse; Amausen/ oder Schmeltze; Doubleten; Spiegeln/ das Tropff-Glas; die schönste Ultramarin, Lacc- und andere nützliche Mahler-Farben; Jngleichen wie die Saltze zu den allerreinesten Chrystallinen Gut/ nach der besten Weise an allen Orten Deutschlands mit geringer Müh und Unkosten copieus und compendieus zu machen/ auch wie das Glas zu mehrer Perfection und Härte zu bringen“ mit dem Untertitel „Nebst ausführlicher Erklärung aller zur Glaskunst gehörigen Materialien und ingredientien [...]“.

In der Glashütte auf dem "Pfauenwerder" (Pfaueninsel) bei Potsdam stellte Johannes Kunkel sein Kupfer- und Goldrubinglas her, wobei er diese Metalle zusetzte.

 

Flakonpaar aus Rubinglas │ um 1700 │ wohl Brandenburg

Glasmuseum Hentrich im Museum Kunstpalast, Düsseldorf

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Baummarkierung im Hellental

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Der Glasmachername Kunkel lässt sich seit dem frühen 18. Jahrhundert bis heute in Hellental genealogisch nachweisen:

 

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[1] STEPHAN 2021, S. S. 105-106, 199, 251-252, 266.