Venezianische Gläser - mit Ruf und Bedeutung

Klaus A.E. Weber

 

© [hmh, Foto: Wolfram Grohs

 

Lagunenstadt - Die Inselrepublik Venedig [1]

Am 25. März 2021 feierte die Stadt Venedig ihr 1600-jähriges Bestehen.

Ursprünglich als eine Ansammlung von Lagunensiedlungen im 6. Jahrhundert entstanden, war Venedig als byzantinischer Vorposten politisch ein Teil des Byzantinischen Reiches (Oströmisches Reich) und zugleich des byzantinischen Kulturkreises.

Das Byzantinische Reich prägte die Lagunenstadt administrativ, kulturell und wirtschaftlich (byzantinische Kunst, Architektur, Verwaltung).

Die Beziehung zwischen Venedig und Byzanz war von einer jahrhundertelangen, schwankenden Allianz gekennzeichnet - zwischen engen Handelspartnerschaften einerseits und erbitterten Konflikten andererseits, wie die Eroberung und verheerende Plünderung Konstantinopels im Jahr 1204 zeigt.

Als dominante Wirtschaftsmacht im Mittelmeerraum entwickelte Venedig Kolonien und Stützpunkte.

Der Mongolensturm im 13. Jahrhundert mit Eroberung, Plünderung und Verwüstung der Metropolen des Vorderen Orients beendete die blühende islamische Kultur des frühen und hohen Mittelalters.

In der Folgezeit sollte schließlich im westlichen Europa Venedig als führende Handelsmacht im Mittelmeer auch das Erbe der syrischen Glaskunst antreten.

Intensiver mediterraner Fernhandel mit Ägypten, Phönizien und Syrien ("Levantehandel") brachte die ursprüngliche Technik zur Glasproduktion vom Ostmittelmeerraum nach Venedig, wo seit dem 14. Jahrhundert im Nordosten von Venedig das Glasmacherzentrum Venedig-Murano besteht.

Im frühen 13. Jahrhundert erfuhr das venezianisches Glas ein immenses wirtschaftliches Wachstum, da neben den glastechnischen Erkenntnissen und dem Wissen um die besondere Kunstform zudem auch wichtige Handelsmärkte für Glaswaren übernommen wurden.

 

Gerippte Fußschale │ Venedig │ Anfang 16. Jahrhundert

Glasmuseum Hentrich │ Museum Kunstpalast Düsseldorf

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Technologischer Wandel mit eigenständiger Glasherstellung

Mit dem Ende der hochstehenden mittelalterlichen islamischen Glaskultur im Nahen Osten wurde Europa ein neues Zentrum der Glaskunst.

Venedig trat als mediterrane Handelsmacht das Erbe der syrischen Glaskunst an.

Ohnehin hatte Venedig im Mittelmeerraum lange "als Vermittler orientalischer Vorstellungen" gedient und durch den "Levantehandel" in intensivem kulturellen Kontakt mit dem Orient gestanden.[2]

 

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© [hmh, Foto: Wolfram Grohs

 

Die Lagunenstadt und Inselrepublik Venedig, die heutige Hauptstadt der Region Venetien; strebte bereits im Hochmittelalter an, seine Vormachtstellung bei der Herstellung von farblosem und dünnwandigem Glas einerseits zu sichern und andererseits auch auszubauen.

So lieferten venezianische Kauffahrende Glasbecher bis nach Byzanz, später aber auch Gebrauchsgläser und Moscheeampeln in das osmanische Reich, nach Syrien und Ägypten.

Das venezianische Glas wurde nicht in der Stadt hergestellt, sondern wegen der stetigen Brandgefahr auf der zugehörigen Insel Murano.

Obgleich die Glasherstellung einer strengen Geheimhaltung unterlag, verließen zunehmend versierte Glasmacher die Insel Murano, wodurch im 16. und 17. Jahrhundert transalpin „Venezianer-Glashütten“ entstanden, in welchen das überaus begehrte Glas „à la Venise“ hergestellt wurde.

Dies erschwert heute, wenn überhaupt, den Herstellungsort Gläser „à la Venise“ präzise zu bestimmen.

Unterlag in Italien und in den Ländern nördlich der Alpen die verfeinerte und hochentwickelte Glasgestaltung des 13. Jahrhunderts unverkennbar noch islamischen Einflüssen, so entwickelte sich einhergehend mit einem technologischen Wandel eine eigenständige Glasherstellung in Europa.

In spätbyzantinischer Zeit war es zum Niedergang Konstantinopels gekommen, der Hauptstadt des Oströmischen Reichs (Eroberung durch die Osmanen 1453).

Während im 16. Jahrhunderts nördlich der Alpen nach handfesten Formvorstellungen in Verbindung mit derben Trinksitten die Tradition des "Waldglases" mit kräftig gefärbten oder mit Emailmalerei dekorierten Glasgefäße in teils beträchtlicher Größe entstand, entsprachen die farblosen, dünnwandig ausgeblasenen Gläser aus Venedig dem Geschmack kultivierter Adelskreise und des Patriziats großer Städte.

 

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Markusdom Basilica di San Marco UNESCO Weltkulturerbe

Fassade des 829 begonnenen und 1094 vollendeten byzantinischen Sakralbaus

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Porta Sant’Alipio San Marco │ Darstellung des Markusdoms u, 1265

Westfassade des byzantinischen Sakralbaus

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

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Der Dogenpalast │ Palazzo Ducale seit dem 9. Jahrhundert Sitz des Dogen von Venedig

ursprünglich als byzantinische Burg erbaut

Zentrum der politischen und administrativen Macht Venedigs

© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

Das goldene Zeitalter von Venedig ist das 15. Jahrhundert

֍ Venedigs goldenes Zeitalter. Glanz und Gewalt

ARTE/ZDF 2026

 

Skulptur an der Porta della Carta (1438–1442)

Der Doge Francesco Foscari (1373-1457) kniet vor dem Markuslöwen

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Macht, Glanz, persönliche Tragödie: Venedig lässt die Menschen noch heute staunen.

Sein goldenes Zeitalter war das 15. Jahrhundert und sein bedeutendster Doge damals Francesco Foscari – ein Mann zwischen ambitionierter Expansion, politischer Intrige und dem Verlust des einzigen Sohnes.

Ein fesselnder Blick auf den Glanz und das Elend eines konstitutionellen Herrschers.

"Venedigs goldenes Zeitalter – Glanz und Gewalt" beleuchtet den Aufstieg und Fall eines der mächtigsten Dogen der Republik.

Im 15. Jahrhundert, dem goldenen Zeitalter Venedigs, führte Francesco Foscari die Stadt an die Spitze politischer und wirtschaftlicher Macht – und zugleich an den Rand innerer Zerreißproben.

Während Handel, Flotte und internationale Netzwerke der Serenissima florieren, treibt Foscari die Expansion auf dem Festland voran.

Doch dieser Kurs führt zu Rivalitäten mit mächtigen Familien wie den Loredan und verstrickt Venedig in jahrzehntelange Konflikte mit den Stadtstaaten Italiens.

Hinter den prächtigen Fassaden des Dogenpalasts kommt es zu Intrigen, persönliche Feindschaften wachsen – und das alles unter der Kontrolle des ausgefeilten Rätesystems der Kaufmannsrepublik.

Die Tragödie kulminiert im Schicksal von Foscaris Sohn Jacopo: Er gerät in die Mühlen des politischen Systems und wird zum Spielball politischer Fehden – Folter im Palast seines Vaters und Verbannung mit dessen Unterschrift eingeschlossen.

Foscari muss sich entscheiden – zwischen Vaterrolle und Staatsräson im Sinne des Wohles aller Bürger.

Der Dokumentarfilm zeichnet das eindrucksvolle Porträt einer Epoche, in der Glanz und Gewalt untrennbar verbunden sind.

Experten, Archivmaterial, Animationen und reale Schauplätze eröffnen einen tiefen Blick in Politik, Handel, Architektur und Alltagsleben der Serenissima.

So wird die Geschichte der Foscaris zum Sinnbild für den Mythos Venedig: schillernd, mächtig und zutiefst menschlich.“

 

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[2] KRÄMER 2021, S. 33-35.

[6] RICKE 1995, S. 52.